Arbeiten auf einem Kreuzfahrtschiff

Am 26. Januar 2017 veröffentlicht von Florian Feimann

Arbeiten, wo andere Urlaub machen – dieses Vergnügen habe ich gerade an Bord des Kreuzfahrtschiffs „Mein Schiff 5“ von TUI Cruises. Dort arbeite ich quasi als rechte Hand des Kreuzfahrtdirektors und des Guest Service Managers als Gastgeber CD.

Zu diesem doch ziemlich ungewöhnlichen Job bin ich durch mein Studium gekommen. Cruise Tourism Management heißt das Fach und beinhaltet die betriebswirtschaftliche Seite der Kreuzfahrtbranche. Dazu kommen auch ein paar Nautik- und Schiffbau-Vorlesungen. Als Gastgeber komme ich mit allen Abteilungen an Bord in Berührung, sodass ich viel lernen kann und einen guten Überblick über die Prozesse an Bord eines Kreuzfahrtschiffes bekomme. Mit dem Kapitän habe ich genauso zu tun wie mit dem Housekeeping und den Köchen – das macht die Arbeit besonders spannend, genau wie die unterschiedlichen Ziele, die das Schiff anläuft. Ich habe in vier Monaten Südnorwegen, Großbritannien, Westeuropa, das westliche Mittelmeer und einen Teil der Karibik angesteuert.

Die Voraussetzungen für die Arbeit als Gastgeber sind vielfältig. Natürlich ist es wichtig, im Kontakt mit Gästen geübt zu sein. Den Großteil der Arbeit verbringe ich zu unterschiedlichen Anlässen mit den Passagieren. Dazu gehören Schiffsrundgänge, die Begrüßung der Gäste im Theater und natürlich auch Gespräche bei den verschiedenen Veranstaltungen an Bord.

Eine meiner Lieblingsaufgaben sind die sogenannten Plakettenübergaben. Dabei tauschen das Schiff und die lokalen Behörden in einem Hafen beim Erstanlauf des Schiffes Plaketten aus, um sich kennenzulernen – eine alte Schifffahrtstradition. Mit der „Mein Schiff 5“ haben wir natürlich ziemlich viele dieser Plakettenübergaben, weil das Schiff erst im Juli 2016 getauft worden ist. Wann immer wir das Fahrtgebiet gewechselt haben, hatten wir in jedem Hafen eine Plakettenübergabe.

Als Gastgeber nehme ich die Behörden und Agenten an der Gangway in Empfang und bringe sie in den Diamanten – so heißt auf der „Mein Schiff 5“ ein Bereich am Heck – wo die Zeremonie stattfindet. Dort sind alle wichtigen Personen wie Kapitän, General Manager, Hotel Manager und Kreuzfahrtdirektor dabei. Nach der Plakettenübergabe ist es meine Aufgabe, einen Rundgang über das Schiff mit den Gästen zu leiten und ihnen die „Mein Schiff 5“ vorzustellen. Dabei erfahren die Reisenden meist auch den ein oder anderen Geheimtipp für den Landgang.

Bevor ich aber so richtig in die Arbeit auf dem Schiff einsteigen konnte, musste ich einige Trainings absolvieren. Dazu gehören vor allem Schulungen zur Arbeitssicherheit und für unterschiedliche Notfälle an Bord. Es gibt verschiedene Spezialistenteams, wie Feuerwehrleute und das medizinische Team aus dem Bordhospital, aber im Fall einer kompletten Evakuierung hat jedes Besatzungsmitglied eine feste Aufgabe, die ständig geübt wird. Dafür gibt es unsere Crew Drills, die wir, zusätzlich zu den Seenotrettungsübungen für unsere Passagiere, zu Beginn jeder Reise abhalten.

Natürlich lebe ich auch an Bord. Ich wohne in einer Einzelkabine und teile mir das Badezimmer mit einem Kollegen. Die meiste Zeit verbringe ich sowieso an Land, wenn ich nicht gerade im Dienst bin. Natürlich hat die Kabine nicht sonderlich viel Platz, aber es reicht auf jeden Fall. Zusätzlich gibt es für die Crew verschiedene Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung, eine Disco und einen Gaming Room. Auch nach Feierabend verbringe ich also meine freie Zeit mit Kollegen.

Mein schwimmendes Zuhause ist das neueste Mitglied der Wohlfühlflotte von TUI Cruises. Als ich im August aufgestiegen bin, war die Taufe erst wenige Wochen her. An Bord haben etwa 2500 Gäste Platz und ich arbeite mit knapp 1000 Kollegen aus über 40 Nationen zusammen. Die „Mein Schiff 5“ ist natürlich mit allerhand Annehmlichkeiten ausgestattet. An Bord gibt es zum Beispiel das Studio, einen Konzertsaal, der auch mit einer Hologrammbühne ausgestattet ist. Natürlich gibt es auch ein Theater mit 1000 Sitzplätzen, einen 25 Meter langen Schwimmingpool und das Atelier, in dem Gäste mit der Bordmalerin kreativ werden können.

Es ist für mich auch nach vier Monaten an Bord noch immer erstaunlich, wie gut und friedlich Menschen aus aller Herren Länder und mit unterschiedlichen Religionen und Meinungen auf engem Raum miteinander leben können. Ich habe hier Freunde aus Honduras, von den Philippinen und vielen anderen Ländern gefunden – das geht sonst wohl nirgendwo so schnell!
Die Mischung aus Seefahrt, Gästekontakt und Freizeit in den unterschiedlichsten Regionen der Welt machen das Arbeiten auf einem Kreuzfahrtschiff ziemlich einzigartig. Für mich ist es eine der schönsten Erfahrungen, zusammen mit Kollegen aus der ganzen Welt zu arbeiten und zur See zu fahren. Langeweile hatte ich auf der „Mein Schiff 5“ nie.

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