Getriebeschaltungen bei ZF Friedrichshafen auf dem Prüfstand

Am 13. April 2017 veröffentlicht von Reena Mahlandt

Neben den Vorlesungen zählen zwölf Wochen Pflichtpraktikum zu meinem Studium dazu. Dieser Zeitraum teilt sich in sechs Wochen wirtschaftliches und ebenfalls sechs Wochen technisches Praktikum auf.

Fräsarbeiten

Im vergangenen Sommer stand somit nicht der Strand, sondern die Ausbildungswerkstatt von ZF Friedrichhafen in Lemförde in meinem Kalender.
Zusammen mit den neuen Azubis und dualen Studenten habe ich die Grundausbildung Metall begonnen. Nach einer kurzen Vorstellung der Werkbank und den Werkzeugen ging es dann auch schon los. Die Aufgabe schien simpel und schnell gemacht zu sein, aber der Stahl belehrte mich eines Besseren! Wir sollten einen Stahlblock auf ein bestimmtes Maß herunterfeilen und dabei mit einem Winkelmesser darauf achten, dass alle vier Kanten rechtwinklig und eben sind. Dabei war definitiv unsere Muskelkraft und ein gutes Augenmaß gefordert!

Feilarbeit und Bohrungen

Für weitere Aufgaben durften wir dann auch die Standbohrmaschine und Fräsmaschine verwenden. Hierbei wurde uns dann erst richtig bewusst, wie viel Kraft so eine Maschine hat. Während wir einen ganzen Tag brauchten, um ein paar Millimeter vom Stahlblock abzutragen, benötigt eine Fräsmaschine nur wenige Sekunden dafür.

Bevor wir eigenverantwortlich an den Maschinen arbeiten durften, haben uns die Ausbilder den theoretischen Hintergrund und eine Sicherheitseinweisung dazu gegeben. Zum einen ist diese Einweisung unerlässlich, damit keine Arbeitsunfälle passieren, zum anderen sollen die Azubis die Werkzeugmaschinen kennen, um möglichst selbstständig in der Werkstatt arbeiten zu können.
Im Laufe der Ausbildung werden ihnen die unterschiedlichsten Aufträge zugeteilt, bei denen sie sich selbst überlegen sollen, wie sie am besten an die Problematik herangehen und welche Methoden zum besten Ergebnis führen werden. Bei Nachfragen stehen die Ausbilder natürlich mit Rat und Tat zur Seite!
Während es für die dualen Studenten und Azubis mit einem CAD-Programmierkurs und der Arbeit an einer CNC-Fräse, die computerbasiert komplexe und präzise Werkstückgeometrien fertigen kann, weiterging, habe ich den Standort gewechselt.

Pulsationsversuch

In Diepholz durfte ich in der Entwicklungs- und Versuchsabteilung den Testern behilflich sein. Hier werden neu oder weiterentwickelte Getriebeschaltungen den verschiedensten Prüfungen unterzogen.
Als erstes wurden mir die Prüfstände der Verschleißtests gezeigt. Auf diesen Prüfständen werden Dauertests durchgeführt und das bei unterschiedlichen klimatischen Bedingungen. Diese Dauertest simulieren die Lebensdauer einer Schaltung, innerhalb von einigen Stunden oder auch Tagen werden die Schaltungen so oft betätigt, wie später dann in einem Auto. Da extreme klimatische Bedingungen mehr Belastung für die Materialen bedeuten, können auf diesen Prüfständen die Temperatur und auch die Luftfeuchtigkeit reguliert werden.

Pendelschlag

Um mögliche Veränderungen in der Betätigung des Schalthebels feststellen zu können, werden vor und nach den Dauertests beispielsweise die Betätigungskräfte geprüft. Diese müssen sich in einem gewissen Intervall befinden, da der Autofahrer keine merkliche Kraft aufwenden soll, um den Gang zu wechseln, der Hebel aber auch nicht bei der kleinsten Bewegung die Position wechseln darf.
Der Tester übermittelt die Messschriebe dann an den zuständigen Versuchsingenieur, der sie wiederum auswertet. Interessant sind hierbei jeweils die höchsten aufzubringenden Kräfte, für diese hat der Kunde Angaben gemacht, in welchem Bereich die Kräfte liegen dürfen. Liegen nun alle Werte in dem vorgegebenen Toleranzbereich, wird ein Versuchsbericht angefertigt und dem Kunden vorgelegt.

Neben den Dauertests gibt es eine ganze Reihe weiterer Prüfungen, die versuchen alle möglichen Situationen, denen die Schaltung in ihrem Einsatz ausgesetzt sein könnte, abzudecken. Mit dem Pendelschlagversuch, wird beispielsweise ein Schlag auf die Schaltung simuliert, der bereits beim Einbau in das Auto vorkommen kann. Weiter gibt es Missbrauchstests, Funktionstest der elektrischen Signale, Gasdichtigkeitsversuche, Pulsationsversuche, akustische Prüfungen… kurz um, es gibt nichts, dass nicht getestet wird!

Nach dem ich so einige Schaltungen getestet hatte, ging es mit einer Sammlung an gefeilten Stahlblöcken und Schrauben im Gepäck wieder zurück nach Lübeck und eine spannende Zeit bei ZF war zu Ende.

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