Geschichte des Radios

Am 8. Mai 2009 veröffentlicht von Birk Grüling

Radio ist ein typisches „Begleitmedium“. Das heißt, es läuft bei uns immer im Hintergrund und wir nehmen es oft gar nicht richtig wahr. Es spielt die Musik im Badezimmer, verhindert mit den neusten Verkehrsmeldungen, dass wir im Stau stehen oder liefert die aktuellsten News. Wir können es immer hören, ohne dabei mit unserer eigentlichen Tätigkeit aufhören zu müssen. Wir müssen nicht hingucken oder gar dauernd irgendwelche Tasten bedienen. Doch wie funktioniert eigentlich ein Radio und wie ist es entstanden?

Erstmal gibt es beim Radiohören drei Elemente: Erstens Menschen, die sich das Radioprogramm ausdenken und es aufnehmen, zweitens eine Technologie, die diese Aufnahmen überträgt und drittens ein Gerät, dass die Sendung in unsere Zimmer bringt. Die Vorstufe des Radios ist deshalb auch das Telefon. Die Erfindungen des Telefons und des Telegraphen im ausgehenden 19. Jahrhundert lieferten also die technische Grundlage für unseren Hörfunk. Bereits 1901 wurde die erste Nachricht drahtlos per Telegraph über den Atlantik geschickt. Im Prinzip waren es einfach elektrische Wellen, die von einem Sender zu einem Empfänger gesendet und dort entschlüsselt wurden.

Um 1906 wurden dann die ersten Radios entworfen. Die erste richtige Radiosendung sollte 1919 aus Holland kommen. Hanso Schotanus à Steringa Idzerda produzierte dort aus seiner Wohnung fünf Jahre lang an vier Tagen in der Woche sein eigenes Programm, bis ihm irgendwann das Geld ausging.

Als Geburtsstunde des Radios in Deutschland wird der 29. Oktober 1923 bezeichnet, an dem erstmals ein Konzert live übertragen wurde. 1924 gab es in Deutschland nur rund 1.600 Menschen mit Radio. Aber der erste Schritt zu einem Massenmedium war getan.

Die elektrischen Wellen, die damals und heute den Menschen Musik und Nachrichten brachten und bringen, können nur in einem bestimmten Bereich in Sprache umgewandelt werden, zum Beispiel in einem Frequenzbereich um 100 Hertz. Darum haben unsere meisten Sender eine Frequenz von zum Beispiel 101,4 oder 99,5. Die Frequenz ist einfach nur der Abstand, mit dem die verschiedenen Wellen aufeinander folgen. Im Prinzip hat sich an der Empfangstechnologie nicht viel geändert, nur die Radios sind kompakter und leistungsfähiger geworden.

Im Dritten Reich wurde das Radio endgültig zum Volksmedium, daher auch der Begriff „Volksempfänger“. Die Nationalsozialisten setzten das Radio zur Verbreitung ihrer Propaganda ein. Deshalb waren 1941 bereits 65 Prozent der deutschen Bevölkerung mit einem Radio ausgestattet. Nach dem Kriegsende wurden neuen Rundfunkanstalten geschaffen, zum Beispiel der NDR, MDR oder Radio Bremen. Seit 1985 gibt es neben den öffentlich-rechtlichen Sendern auch die privaten Sender wie FFN oder Eins Live. Heute ist der analoge Radioempfang wie wir ihn kennen leider auch schon wieder überholt, bald wird der komplette Empfang von analog auf digital umgestellt. Die technische Grundlage bleibt die gleiche, allerdings ist die digitale Übertragung sehr viel leistungsfähiger.

Das digitale Radio ist für Experten einer der größten Schritte in der Geschichte des Hörfunks, vergleichbar mit dem Senden der ersten Nachricht oder dem Umstellen auf UKW. Zum Beispiel nimmt durch die Ausweitung des Empfangsbereiches auch die Zahl der Sender zu. Es gibt mehr Platz für neue Sender, wie zum Beispiel einen eigenen Rocksender oder einen speziellen Kanal nur für Kinder. Schon heute gibt es neben den herkömmlichen Sender bis zu 16 weitere, Tendenz steigend.

Auch der Komfort spricht für die Umstellung. Ein digitales Radio ist störungs- und rauschfrei und kann alle Sender problemlos empfangen, egal wo es steht. Die Sender müssen auch nicht mehr über Frequenzen eingestellt werden, sondern können über den Namen gesucht werden. Die gehörten Sender speichert das Radio. Alles Argumente für die neue Technologie, dachte sich auch die Bundesregierung und hat deshalb die flächendeckende Einführung von digitalem Radio bis 2010 beschlossen.

Habt ihr schon Erfahrungen mit dem digitalen Radio oder werdet ihr vielleicht sogar das gute alte Rauschen eures alten Radios vermissen?

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