Zu Besuch beim KTI des LKA Niedersachsen

Am 15. Juni 2009 veröffentlicht von Birk Grüling

Die IdeenExpo-Botschafter Jil und Michel sitzen in weißen Schutzanzügen tief über die Teststreifen gebeugt. Unter den wachsamen Augen von Kathrin Jahn (MTA im Bereich Spurensicherung) untersuchen die beiden Blutspuren auf einem Taschentuch. Ist es wirklich menschliches Blut oder nur Farbe? Die beiden sind zu Besuch in einem Labor des Kriminaltechnischen Institutes (KTI) des LKA Niedersachsen. Hier im Labor landen die Beweismittel für die genauere Untersuchung, von der DNA-Spur bis zum gefälschten Ausweis.

Doch mit CSI Miami hat der Arbeitsalltag hier nicht viel zu tun. Die Flure des LKA sind grau und die Labore voll gestellt mit Mikroskopen und anderen Analysegeräten. „CSI ist natürlich keine Realität. Wir betreten eher selten die Tatorte. Das machen die Kollegen von der Spurensicherung. Hier werden die Spuren analysiert und ausgewertet und dann die Ergebnisse zu den Dienststellen weitergeleitet“, beschreibt Dr. Ulf-Eike Werner (Sachverständiger für Molekulargenetik) die tägliche Arbeit.

Inzwischen schaut Jil gespannt auf einen Teststreifen. „Der Streifen sieht aus wie ein Schwangerschaftstest“, lacht sie und präsentiert stolz das Ergebnis: Bei einer der Proben handelt es sich wirklich um menschliches Blut. Der erste Fall der IdeenExpo-Botschafter ist damit gelöst. „Als nächstes würde jetzt die DNA-Prüfung folgen. Dafür haben wir eine große Maschine, die 96 Proben auf einmal testen kann. Diese Prüfung dauert circa einen halben Tag“, erklärt Ulf-Eike Werner die nächsten Schritte bei einer richtigen Ermittlung.

Für eine solche Probe haben Jil und Michel keine Zeit, denn der nächste Fall wartet schon auf sie. Jetzt geht es zur Untersuchung von Pässen und Ausweisen. Experte für Fälschungen und ihre Aufdeckung ist Dipl.-Ing. Jörg Aehnlich.(Sachverständiger für Urkundenuntersuchung) Er sitzt vor einem riesigen Bildschirm, der mit zwei Grafikkarten gesteuert werden muss. Neben dem Rechner steht ein spezielles Beleuchtungsgerät, unter dem man Dokumente ausleuchten kann. Durch verschiedene Wellenlängen und Lichtstärken können so auf dem Monitor Spuren sichtbar gemacht werden.

Zuerst legt Aehnlich eine CD-Hülle, die mit UV-Pulver bestrichen ist, unter die Leuchte. Sofort erscheinen klar und deutlich einige Fingerabdrücke auf dem Bildschirm. „Hier ist wirklich etwas wie bei CSI. Wir haben auch die blauen Leuchten und orange Brillen“, erzählt Aehnlich und teilt letztere aus. Durch die Brille sieht man deutlich Fingerabdrücke und entdeckt gefälschte Pässe ohne Probleme, alles dank der Physik und der Chemie. „Endlich sieht man mal, wofür man in der Schule Physik hat. Es ist echt spannend das ganze theoretische Wissen aus dem Physik-Leistungskurs mal in der Praxis anzuwenden.“, freut sich Michel.

Als nächstes liegen gefälschte Geldscheine und Ausweise unter dem Licht. Schnell fällt das seltsame Leuchten des Papiers auf. Echte Geldscheine haben einen hohen Baumwollanteil, schlechtes gemachtes Falschgeld aus Druckerpapier leuchtet unter UV-Licht stark. Deshalb haben Kassiererinnen an der Supermarktkasse auch immer kleine blaue Lampen zur Überprüfung der Geldscheine.

Die Qualität der Fälschungen unterscheidet sich enorm. Ein „gut“ gefälschter Ausweis ist nur unter dem Mikroskop als Fälschung zu erkennen und deshalb auf dem Schwarzmarkt bis zu 15.000 Euro wert. Ein besonders kurioser Fall war zum Beispiel eine Fälschung, bei der der Täter mit einem Kinderstempel die Adler auf dem Ausweis nachgemacht hat. „Solche Fälle sind natürlich immer ein Highlight unserer Arbeit. Klar hat unser Beruf viel Tagesroutine wie Ausweisprüfungen, aber es gibt eben auch immer Fälle, wo man richtige Detektivarbeit leistet“ erzählt Aehnlich strahlend von seiner Arbeit.

Die Kriminaltechniker des LKA können nicht alles allein klären, aber in Zusammenarbeit mit den Ermittlern werden die meisten Fälle doch gelöst.

Nach drei Stunden Arbeit im LKA-Labor treten die beiden IdeenExpo-Botschafter wieder in die Sonne. „Das war echt super spannend. Mir war gar nicht klar, wie aufwendig das ganze doch ist“, freut sich Jil über einen lehrreichen Tag.

Stichwörter: , , , , , , , , ,

Kategorisiert in: