Eine Wirtschaftsinformatikerin im Interview

Am 14. Juli 2009 veröffentlicht von Mareike Zoege

Elena Deutschkämer

Elena Deutschkämer

Interview mit Elena Deutschkämer (ivv – Informationsverarbeitung für Versicherungen GmbH)

Technische Berufe in der Versicherungsbranche? Klingt auf den ersten „Blick“ etwas ungewöhnlich. Ist es aber nicht, wie ein Besuch bei der VGH Versicherung in Hannover zeigte: Elena Deutschkämer ist 22 Jahre alt. Gerade ist sie mit den letzten Prüfungen ihres dualen Studiums beschäftigt. Sie studiert Wirtschaftsinformatik und wird bei der ivv ausgebildet, dem IT-Dienstleister der VGH Versicherung.

Seit wann interessierst Du Dich für Informatik, warst Du schon zur Schulzeit ein Computerfreak?

Ein richtiger Computerfreak, der Tag und Nacht vor dem PC sitzt, war ich definitiv nicht. Allerdings habe ich als Jugendliche schon mal eine Homepage entwickelt, ab der 11. Klasse hatte ich in der Schule Informatik. Da wurde ich zum ersten Mal ans Programmieren herangeführt. In der Oberstufe habe ich Informatik als Leistungskurs gewählt und gemerkt: Das macht mir Spaß, das könnte ein Beruf für mich sein.

Was hat Dir am Studium besonders gefallen, was weniger?

Sehr gut war der Praxisbezug im dualen Studium. Dadurch musste ich nicht nur sitzen und lernen. Es gab Theorie- und Praxisphasen. Wenn ich etwas aus der Theorie noch nicht ganz verstanden hatte und ich es danach in der Praxis anwenden musste, wurden mir viele Dinge leichter klar.

Die Theoriephasen waren oft sehr stressig. Besonders die Klausurenzeit, nebenbei hatten wir noch Vorlesungen. Semesterferien gibt es nicht, sondern 30 Urlaubstage.

Die Frauenquote ist in technischen Studiengängen gering. Stört Dich das? Hattest du mit Vorurteilen von Seiten der Dozenten oder Kommilitonen zu tun?

Tatsächlich waren wir in einem Kurs von 27 Leuten nur 6 Frauen. Unter den Auszubildenden im Betrieb war ich einige Zeit die einzige Weibliche. Das hat mich allerdings überhaupt nicht gestört. Vorurteile habe ich nicht erlebt.

Was genau studieren die angehenden Wirtschaftsinformatiker/innen?

Auf der einen Seite gibt es die Wirtschaftsfächer wie BWL, VWL und Rechnungswesen. Auch Mathe und Englisch gehören zum Studium, Projektmanagement, Versicherungs- und Bankbetriebslehre.

Im Bereich Informatik gibt es verschiedene Schwerpunkte, ich habe Anwendungsentwicklung gewählt. Man lernt dort Grundlagen der Programmierung, alles rund um Datenbanken, Netzwerktechnik, Softwaredesign und Softwarearchitektur.

Welche Interessen und Fähigkeiten braucht man für das Informatikstudium?

Am wichtigsten ist das Interesse an informationstechnischen Zusammenhängen. Ich denke, ohne Interesse geht es nicht. Ein besonderes Vorwissen braucht man allerdings nicht, alles wird von Grund auf beigebracht.

Logisches Denken ist sehr hilfreich, auch Mathe. Englisch ist ebenfalls wichtig, denn viel Fachliteratur und Fachbegriffe sind auf Englisch. Außerdem sollte man sich gut ausdrücken können und teamfähig sein. Die Projekte bearbeitet man meistens im Team und muss sich gegenseitig zuarbeiten.

Welche Erfahrungen konntest Du im praktischen Teil des Studiums sammeln?

Ich arbeite hier in der Abteilung der Anwendungsentwicklung. Wir warten alte und entwickeln neue Systeme. Und wenn irgendwo ein Fehler auftritt, müssen wir ihn analysieren und beheben.

Ich wurde von Anfang an in die Aufgaben mit einbezogen und bei allen Fragen unterstützt.

Was war das Thema deiner Bachelor Thesis?

„Erweiterung eines fachlichen Frameworks auf JEE-Basis zur Verwaltung von Versicherungsverträgen – Abbildung von Spartenbündeln und deren Persistierung.“

Es geht darum, für verschiedene Systeme, die innerhalb des Betriebes genutzt werden, eine gemeinsame Basis zu schaffen: Das sogenannte Framework.

Welche Pläne hast du für die Zukunft?

Ich werde von der ivv übernommen, kann also hier weiterarbeiten. Das freut mich sehr, denn ich fühle mich wohl hier. Später möchte ich gerne berufsbegleitend einen Master im Bereich Wirtschaftsinformatik machen.

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