Wir fahren nach Berlin – mit Ideen im Gepäck

Am 27. August 2009 veröffentlicht von Mareike Zoege

Der Countdown läuft: in drei Wochen startet die IdeenExpo in Hannover. Doch nicht nur BesucherInnen aus Niedersachsen werden zu den zahlreichen Ausstellungen und Workshops erwartet. Kinder und Jugendliche aus ganz Deutschland sind willkommen. Deshalb stellte sich die IdeenExpo am 17. August auch in der Bundeshauptstadt vor und lud zur Pressekonferenz in den Räumen des Otto Bock Science Center Medizintechnik.

Das Medizintechnik-Unternehmen Otto Bock HealthCare hat seinen Hauptsitz im südniedersächsischen Duderstadt und stellt Prothesen, Orthesen, Rollstühle und andere Hilfsmittel her. Mit spannenden Exponaten wie dem Modell einer myoelektrischen Armprothese zeigt das Unternehmen vom 5. bis 13. September auf der IdeenExpo, wie Medizintechnik das Leben von Menschen mit Behinderung erleichtern kann. Die Besucher können z. B. selbst ausprobieren, wie sich das Gehen mit einer Prothese und das Greifen mit einer künstlichen Hand anfühlen.

Im vierten Stock des Science Center Medizintechnik stehen Tische, Stühle und Getränke für die Pressekonferenz bereit. Es ist ein sonniger Tag und die Gäste genießen den Blick auf die schimmernde Reichstagskuppel, den Potsdamer Platz und die Niedersächsische Landesvertretung in Berlin. Dort spannt sich ein großes IdeenExpo Plakat über die Fassade. Schließlich findet die IdeenExpo in Niedersachsen statt und Ministerpräsident Wulff ist ihr Schirmherr. Dieser ist unten auf der Straße gerade höchstpersönlich zu sehen, wie er, eskortiert von vier Männern, die 20 Meter zum Pressetermin hinter sich bringt. Oben angekommen, nimmt Ministerpräsident Wulff zwischen Prof. Hans Georg Näder, Geschäftsführender Gesellschafter der Otto Bock HealthCare, und Frau Dr. Marion Schick, Vorstandsmitglied der Fraunhofer-Gesellschaft, Platz. Auch die beiden IdeenExpo Botschafter Jil und Michel sind in ihren orangefarbenen T-Shirts bereit, sich den Journalistenfragen zu stellen.

Erste Impressionen der IdeenExpo vermittelt ein kurzer Film mit Ausschnitten der IdeenExpo 2007 und den wichtigsten Informationen zum diesjährigen Event – über Beamer an die Leinwand geworfen, Technik ist auch hier allgegenwärtig.

Im Anschluss berichtet Ministerpräsident Wulff von der Idee hinter der „IdeenExpo“: Deutschland braucht dringend qualifizierte NaturwissenschaftlerInnen und IngenieurInnen. Denn trotz momentaner Krise wird es bald eine große Bedarfslücke in diesen Bereichen geben, die mit motiviertem Nachwuchs geschlossen werden muss. Die IdeenExpo mit ihrem Anspruch junge Menschen zu erreichen, unterstützt genau dieses Vorhaben. „Kinder sind keine Fässer, die gefüllt werden, sondern Feuer, die entfacht werden müssen“, sagt Wulff treffend.

Anregungen bieten und Begeisterung schaffen, das ist das Ziel der IdeenExpo. Ein erstrebenswertes Ziel, bekräftigen auch die IdeenExpo Botschafter Jil und Michel. „Naturwissenschaften und Technik kommen in der Schule leider oft als sehr trockene Themen rüber“, meint Michel. „Die IdeenExpo kann die Augen öffnen, wie viel Spaß diese Dinge machen können. Schließlich begegnet uns Technik überall.“ Jil betont, dass vor allem Mädchen Mut gemacht werden muss, sich die männertypischen Arbeitsfelder zu erobern.

Die zweite Frau, die heute am Tisch der Referenten sitzt, ist Frau Dr. Marion Schick von der Fraunhofer-Gesellschaft. Die Organisation betreut Forschungsvorhaben aus der Wirtschaft und rund um Zukunftstechnologien. In diesem Jahr feiert die Fraunhofer-Gesellschaft 60jähriges Jubiläum und tourt zu diesem Anlass mit einem Truck durch die Republik. Im September macht dieser Truck dann auf der IdeenExpo halt. Neugierige können dann dort beispielsweise eine „schluckbare“ Kamera bestaunen, die für medizinische Zwecke den Körper von Innen filmt. Das fasziniert junge Menschen ganz bestimmt, glaubt Frau Dr. Schick. Sie hält es für eine bildungspolitische Aufgabe, um die Jugend zu werben. Auch „Eigeninteresse“ ist natürlich dabei: die Fraunhofer-Gesellschaft braucht Nachwuchs. „Junge Leute interessieren sich heute immer weniger für Technik“, bedauert sie.

Dieser Entwicklung will auch Prof. Näder von Otto Bock entgegenwirken. „Wissen ist Deutschlands wichtigster Rohstoff, deshalb müssen wir in Bildung investieren“, betont der Unternehmer. Einige der Exponate, die Otto Bock auf der IdeenExpo zeigen wird, sind auch im Ausstellungsbereich des Science Center Medizintechnik zu sehen. Besonders beeindruckend ist das dortige Treffen mit Karl-Heinz Ammon, der den Besuchern zeigt, wie seine Armprothese funktioniert. Wenn Ammon seine Armmuskeln anspannt, entstehen durch Nervensignale ausgelöste elektrische Muskelspannungen. Diese können mithilfe von Elektroden auf der Haut abgenommen, verstärkt und in Bewegungen der Prothese übersetzt werden.

Karl-Heinz Ammon arbeitet am Düsseldorfer Flughafen als Lagerist und kann mit seiner myoelektrisch gesteuerten Armprothese selbst zerbrechliche Gläser sicher verstauen. Auch als Familienvater trägt der 44-Jährige Verantwortung: Er spielt mit seinen drei Töchtern, kümmert sich um Haus und Garten und hat schon einmal an einem Tag die ganze Küche renoviert, um am Abend seine Frau zu überraschen. Seinen linken Arm hat Karl-Heinz Ammon im März 2001 bei einem Arbeitsunfall verloren. Als er einem Kollegen helfen wollte, stürzte die Last einer Ladebrücke herunter und begrub ihn unter sich. Getreu seiner Philosophie „Jedem ist sein Buch geschrieben“ hat Karl-Heinz Ammon sein Schicksal akzeptiert. Nach der Amputation hat er sein Leben in die Hand genommen und sagt heute: „Es gibt kaum etwas, das ich nicht machen kann.“

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