Wie eine Zeitung entsteht – vom Newsroom zum Drucker

Am 25. Mai 2010 veröffentlicht von Jan Friedrich

Wie kommen die Nachrichten in die Zeitung und wie werden die ganzen Zeitungen jeden Tag so schnell gedruckt?

Für meinen IdeenFinderBlog-Artikel über das Exponat “Energy Conversion Chain” habe ich den Sonderpreis eines bundesweiten Schülerreporter-Wettbewerbs gewonnen, den Siemens anlässlich des Ausstellungzugs “Expedition Zukunft” ausgeschrieben hatte. So kam ich vor ein paar Wochen zu einer Hospitanz im Pressehaus, dem Hauptsitz der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung. Zwei Tage durfte ich den Mitarbeitern über die Schulter gucken und habe viel neues, spannendes und interessantes erfahren dürfen.

Die Kommandozentrale

Meine Reise durch das Pressehaus beginnt in einem Großraumbüro in der 7. Etage. Schreibtische, Stühle, Menschen, eine große blaue Wand und eine Unmenge an Monitoren – der Newsroom. Hier stellen nicht nur die Chefs der einzelnen Ressorts (Politik, Sport, Hannover, …) ihre Themen für die morgige Zeitung vor und diskutieren mit der Chefredation, was auf der ersten Seite der HAZ stehen soll; hier wird auch entschieden, welche Nachrichten wichtig genug sind, um mehr als 150.000 mal gedruckt zu werden, hier wird die Titelseite gestaltet und der Internetauftritt. Entsprechend viele Redakteure arbeiten im Newsroom: Einer ist für die Internetseite zuständig, ein paar fügen geschriebene Texte in das Layout der Zeitung ein, der Chef vom Dienst – der plant, wie viele Seiten jedes Ressort zur Verfügung hat, – sitzt hier (und und und). Jetzt verstehe ich, warum mein Besuch hier beginnt.

Michael Thomas (HAZ)

Michael Thomas (HAZ)

Als ich meine Augen endlich von den Monitoren an der Wand wegbekomme, fängt die erste Einführung in die Arbeit als Newsroom-Mitarbeiter an. Ich setze mich auf einen Stuhl und lasse mich von der Welle an Informationen einfach tragen. Von der Zeitung wie sie früher aussah – ohne Bilder! Die hätte ich niemals gelesen 🙂 – über Bild- und Artikelnachweise, bis hin zu der Erstellung einer Seite. Alles bekomme ich erklärt. „Hast du noch Fragen?”, dringt es in mein Ohr. Meine Antwort ist ein ahnungsloses Stöhnen und ein Blick, dem die Ratlosigkeit gerade zu auf die Stirn gestempelt ist. Sehr professionell! Aber für Fragen ist kein Platz in meinem Kopf. Der versucht zurzeit hundert neue Informationen zu speichern und zu verarbeiten. So viel Neues. Newsroom-Redakteur Karsten scheint meine Antwort verstanden zu haben und gönnt mir einen Moment Pause.

Aber ich will soviel sehen wie möglich. Darum geht es auch gleich weiter. Besprechung der Zeitung von Morgen, ein Blick in die Arbeitsweise der Online-Redaktion, Besuch der Zish-Redaktion – hier werde ich gleich eingespannt und darf meinen Schreibstil unter Beweis stellen – und am Ende des Tages eine gelungene Zish-Konferenz mit gleichaltrigen zum Ausklang.

Nachdem ich mich dann noch mit den netten Zish-MitarbeiterInnen in der Bahn unterhalten habe – Schöne Grüße *wink* – mache ich zu Hause noch kurz Halt vor dem Kühlschrank und falle danach todmüde ins Bett. Ich hätte nicht gedacht, dass Büroarbeit so anstrengend sein kann!

Wie man 150.000 Zeitungen druckt

Tag 2 beginnt bei mir etwas anders als der erste. Anstelle des Fahrstuhles in Richtung obere Etagen, ging es nun durch ein Labyrinth an Gängen, Türen und Treppen in einen mir unbekannten Bereich des Pressehauses. Das Ziel der Reise: Der Drucker. Wobei Drucker das falsche Wort ist, da es Vergleiche mit einfachen Laser- oder Tintenstrahldruckern liefern könnte und das wäre schlicht untertrieben. Mit Drucker meine ich eine meterlange Kombination aus Rollen und Papierführungen, die über zwei Etagen groß ist und im Spitzenbetrieb die Auflage sieben verschiedener Zeitungen in einer Nacht druckt.

Martin Steiner (HAZ)

Martin Steiner (HAZ)

Auch das Druckerpapier hat nicht etwas die Form eines DinA4 Blattes, sondern wird in Rollen mit bis zu 20 km Länge verwendet. Diese werden dann über Wagen und Kräne – die Rollen wiegen zwischen 600 und 1.400 kg – auf eine Rolle aufgebracht und mit einer Geschwindigkeit von knapp 30 km/h abgerollt und bedruckt: die typischen, farbigen Punkte am unteren Ende der Zeitung dienen zur Kontrolle des Druckes. Ist die Zeitung bedruckt, muss sie noch geschnitten und gefaltet werden. Danach geht es über unendlich lange Förderbänder an Decken und Wänden einen Raum weiter, wo die Werbung in die Zeitung gelegt wird. (Leider durfte ich von der Maschine keine Fotos machen, man kann sich diese aber unter www.haz.de angucken und selbst staunen.)

Jetzt noch verpackt, verschickt und ab in den Briefkasten. So gelangen die Informationen aus Hannover und der ganzen Welt nach Niedersachsen, Bremen, Hamburg und auch bei mir auf dem Frühstückstisch.

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