Selbst ist der Kunde

Am 14. Juni 2010 veröffentlicht von Jil Berning

„Ich kann das schon selber”! Schon immer wollte ich alles selber machen. Bereits mit vier Jahren habe ich angefangen mich selbst einzukleiden, ich wollte abwaschen, staubsaugen, eine Handtasche tragen, eben alles was ich eigentlich noch nicht durfte. Einen ganz besonders großen Reiz hatte jedoch der Scanner beim Einkaufen für mich. Stundenlang habe ich in meinem Einkaufsladen kassieren gespielt. Nachdem vor ein paar Jahren die ersten Selbstbedienungsbäcker, wie Backfactory, entstanden, war ich meinem Traum schon ein bisschen näher, selbst kassieren durfte ich jedoch immer noch nicht.

Selbstbedienungskasse bei IKEA

Selber kassieren bei IKEA

Doch endlich, nach Jahre langem warten, ging ich vor drei Wochen zu IKEA und durfte tatsächlich selbst kassieren. Neben den herkömmlichen, mit Personal besetzten, Kassen gibt es in den meisten IKEA-Häusern in Deutschland nun Kassen zum Selbstkassieren. Der Einkauf wird in einen kleinen Computer eingescannt und anschließend mit EC-Karte gezahlt. Barzahlung ist hier nicht mehr möglich. Ich war glücklich, kam mit der Technik gut zurecht. Im Gegenteil zu anderen Kunden, zu denen auch meine Mutter gehört. Ängstlich und überfordert gingen sie doch lieber an die normalen Kassen. Einige regten sich darüber auf, dass sie nun auch noch dafür arbeiten müssen um Geld loszuwerden. Wieder Andere bangen um ihren eigenen Arbeitsplatz. Und ein kleiner Teil grinste und versuchte in einem unbeobachteten Moment nur sechs von sieben Teilen zu scannen.

Doch wo wird die Modernisierung und Technisierung enden? Einen Vorgeschmack gibt der Handelsriese Metro. In einem Supermarkt in Rheinberg bei Duisburg sind alle Produkte mit einem sogenannten RFID-Chip (Radio Frequency Identification) prepariert. Diese flachen Chips, die den herkömmlichen Strichcode ersetzen, funken Signale mit den Produktinformationen an die Kasse. So hat der Kunde jederzeit den Überblick über den Gesamtpreis seines Einkaufs. Am Ausgang des Ladens fährt man den Wagen nur an einer Art Schranke vorbei und zahlt dann an einem Automaten. Mitarbeiter sind somit so gut wie überflüssig. Wir müssen abwarten wohin dieser Trend geht. Denn auch wenn es eine Erleichterung ist, stellt es doch eine Gefährdung für Arbeitsplätze dar und die Kundenbetreuung wird stark eingeschränkt beziehungsweise abgeschafft. Ab heute muss der Kunde eben selbst ran.

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