Facebook : Blaue Zeitverschwendungshölle

Am 3. August 2010 veröffentlicht von Marie Gräber

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Hinter dem blauen Quadrat mit dem weißen „F” drin verbirgt sich eine Parallelwelt. Es braucht nur einen Mausklick, um sie zu öffnen und den großen, runden Planeten namens Erde – mein reales Leben – hinter mir zu lassen. Facebook ist wie ein riesiges Neubaugebiet mit Szeneviertelstatus, das ständig erweitert wird. 400 Millionen aktive Nutzer leben hier auf engstem Raum in einer Art multikulturellen Reihenhaussiedlung zusammen. Jeder Bewohner besitzt eine eigene Profilseite, die in den Grundzügen gleich konstruiert ist. Durch Fotos, Videos und persönliche Angaben kann ich mir den Lebensraum meiner Internetidentität nach meinen Ansprüchen individuell gestalten. Facebook erlaubt es, sich ein neues Ichbewusstsein zu erstellen. Mithilfe von Freundschaftsanfragen kann ich bestimmen wie viele Gardinenpolizisten – neugierige Nachbarn – mich mithilfe von Beobachtungslisten bespitzeln können. Die eigene Startseite erlaubt es, selbst zum Privatdetektiv zu werden und am Leben der anderen teilzunehmen. Das, was früher das Fernglas am Fenster war, ist heute der Computer. Unsere Internetidentitäten, die wir uns mühevoll durch Posts, Angaben und Bilder aufbauen, leben eingesperrt auf einem rechteckigen Bildschirm. Ausbrechen unmöglich.facebook2Schöpfer Mark Zuckerberg war bis zur Gründung seiner eigenen Welt Außenseiter unter den Harvard-Studenten. Jetzt „gefällt” er 545.657 Usern, trägt dank zahlreicher Bilderuploads das Image eines Weltenbummlers und gewinnt immer mehr Freunde, die Teil seines Universums werden wollen. Wäre Facebook ein Land, das sich auf unserer Weltkarte befände, würde es von der Einwohnerzahl bereits der drittgrößte Staat der Welt sein – Tendenz steigend. Dabei ist die blaue Zeitverschwendungshölle, wie sie liebevoll von ihren Benutzern genannt wird, gerade mal sechs Jahre alt. Der durchschnittliche Facebook-Nutzer hat 130 Freunde, sendet 8 Freundschaftsanfragen pro Monat, verbringt 55 Minuten pro Tag auf Facebook, klickt im Monat 9 Mal den „Gefällt mir”-Button, schreibt 25 Kommentare, wird Fan von 4 Fanpages, wird zu 3 Events eingeladen und ist Mitglied in 13 Gruppen.

Unser Leben wird durch Facebook immer Bildschirmabhängiger. Ersetzt die quadratische Blechbüchsenwelt Stück für Stück unseren Alltag auf dem blauen, runden Planeten? Steht im Erdkundeunterricht anstatt des runden Weltkugelglobus demnächst ein viereckiges, dreidimensionales Facebook-Logo?

http://facebookmarketing.de/zahlen_fakten/facebook-infografik-und-statistiken

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