Wissen to go in 6 x 10 Minuten

Am 25. November 2010 veröffentlicht von Marie Gräber

Donnerstagabend, der 28. Oktober 2010. Ein nun historisches Datum: Der Pavillon Hannover wird Austragungsort des ersten Science Slam in Hannover und ich bin dabei. Die Räumlichkeiten sind in orangenes Licht getaucht. Überall hängen und stehen Plakate, auf denen ein Mikro mit Gehirn zu sehen ist.  Das gutgelaunte und überwiegend aus Studenten bestehende Publikum geht auf Sitzplatzsuche. Schließlich ist auch der letzte Platz belegt. Dicht an dicht sitzen die Zuschauer nebeneinander, gespannt darauf Wissenschaftler live in 6 x 10 Minuten zu erleben. Dann plötzlich wird es dunkel und mucksmäuschenstill. Das Allroundtalent Jan Egge Sedelies – Poetry Slammer, Autor, HAZ-Redakteur und Moderator in einem – und der N-JOY-Moderator Andreas Kuhlage betreten die Bühne und eröffnen das wissenschaftliche Kurzvortragsturnier mit den Worten, „Ihr alle seid Teil dieses Wettbewerbs, als Jury ist es eure Entscheidung, wer gewinnt!“ Welch hohen Mitmachfaktor die Veranstaltung hat, wird klar, als Nummerntafeln zum Bewerten ausgeteilt werden und ein Gong-Schlager, der die Zeit im Auge behalten soll, bestimmt wird.

Michel als Glücksfee

Michel als Glücksfee

Es folgt eine kurze Einweisung: Sechs Nachwuchsforscher treten gegeneinander an und haben maximal 10 Minuten Zeit eigene Forschungsthemen in populärwissenschaftlicher Sprache zu präsentieren. Wird Zugabe geschrien, bekommt der Vortragende noch weitere zwei Minuten, um fortzufahren. Ziel ist es, das Publikum mitzureißen und für die jeweilige Forschungsmaterie zu begeistern. Die Reihenfolge wird von IdeenExpo-Botschafter Michel als Glücksfee ausgelost, der sich spontan für den Job meldet. Und dann geht es auch schon los.

Rainer Goldhamer: N-I-B-E rettet die Welt
In einem schwarzen Anzug und einem schwarzen Umhang gekleidet, betritt der erste Kandidat Rainer Goldhamer vom Institut für Energie und Klimaschutz der Fachhochschule Hannover die Bühne. Mit einer Fernbedienung ausgestattet, präsentiert er im Schnelldurchgang innerhalb von vier Minuten  in seiner Powerpointpräsentation Möglichkeiten, mit denen man die Welt und den Menschen vor der voranschreitenden Klimaerwärmung schützen könnte. Sein doch recht kurzer Vortrag wird insgesamt mit 31 Punkten bewertet.

Klaas Eggert: Optimale Steuerung von Abwassersystemen
Was haben Abwassersysteme mit Mathematik zu tun? Auf diese Frage geht Klaas Eggert vom Institut für Angewandte Mathematik der Leibniz Universität Hannover ein. Er holt die Sportschau auf die Bühne und sorgt mit seinem Graphen, der die Entstehung von Abwasser zur Zeit der Weltmeisterschaft 2010 zeigt, für ein lachendes Publikum. Das Spiel Deutschland gegen Ghana, 20.45 Uhr Anstoß. Es ist spannend, keiner will auf die Toilette gehen. Dann Halbzeit, alle Welt rennt zur Toilette. Es entsteht ein sogenannter Pinkel-Peek. Insgesamt bekommt er 60 Punkte.

Stephan Lochte-Holtgreven: Stahlhart und doch flexibel –Erneuerbare Energien auf hoher See
Die Atomdiskussion und Energiedebatte sind in vollem Gange. Das Drängen darauf mehr erneuerbare Energien einzusetzen, wird immer stärker. Doch wie funktionieren Windräder eigentlich? Auf Fragen wie diese geht Stephan Lochte-Holtgreven in seinem Vortrag ein und trifft dabei den Nerv der Zeit. Ein kleiner Plastikbecher mit Büroklammern, auf dem der Satz „Eine nehmen und weitergeben“ steht, geht durch die Zuschauerreihen. Kurze Zeit später wird diese zum Untersuchungsgegenstand, um die Funktionsweise von Windrädern zu simulieren. Mit 74 Punkten wird er verdient zum Sieger gekürt und für seinen praxisnahen und humorvollen Bühnenauftritt belohnt.

Markus Otto: Orchester des Universums – Gravitationswellenastronomie heute
Markus Otto vom Albert Einstein Institut Hannover hat sich zur Verstärkung den Begründer der Relativitätstheorie mitgebracht. Albert Einstein persönlich steht neben ihm auf der Bühne als er seinen Vortrag über Gravitationswellenastronomie hält. Besonders lustig wird es als er sich „Nummerngirls“ auf die Bühne holt, die mithilfe einer Küchenpapierrolle 10 hoch minus 21 praktisch darstellen und er mahnen muss, „Nicht so schnell, sonst reißt das Raum-Zeit-Kontinuum. Mit 71 Punkten landet er knapp hinter dem Sieger und damit auf dem zweiten Platz.

Thomas Kirsch: Brandschutz – ein heißes Eisen
Eine Comicblase mit einem Haus drin erscheint auf der ersten Folie seiner Powerpointpräsentation. Auf Knopfdruck wird sie mit einer Stadt ausgefüllt. Aber Thomas Kirsch vom Institut für Stahlbau der Leibniz Universität geht es nicht darum, wie man schöne Häuser baut. Er ist ja schließlich kein Architekt, sondern in erster Linie Ingenieur. Für ihn ist wichtig das Häuser nicht zusammenkrachen, sondern halten und möglichst brandsicher sind. Anschaulich erklärt er die Unterschiede zwischen verschiedenen Baumaterialien und wird damit schließlich mit 64 Punkten belohnt.

Florian Leydecker: Was haben Handys mit finiten Elementen zu tun?
Jeder von uns hat eins. Manche sogar mehrere. Benutzen kann es fast jeder und ablesen, welchen Netzempfang man hat. Doch die wenigsten können berechnen, ob man mit seinem Handy einen guten Empfang hat. Florian Leydecker ebenfalls vom Institut für Angewandte Mathematik der Leibniz Universität Hannover bringt Licht ins Dunkle. Anhand von Gleichungssystemen erklärt er sein Vorgehen und kämpft damit gegen die vorherrschende Mathephobie an.

Das Publikum beim Science Slam

Das Publikum beim Science Slam

Noch bis zum zweiten Dezember kann für die Teilnehmer des ersten Science Slams, die nicht gewonnen haben, abgestimmt werden. Der mit den meisten Stimmen beim Online-Voting zieht dann mit den Siegern der insgesamt fünf Science Slam, die bis zum Startschuss der IdeenExpo stattfinden werden, ins Finale ein. Du bist neugierig geworden?! Dann schau doch einfach mal die Videos vom letzten Science Slam an und vote für deinen Favoriten. Oder komm vorbei zum nächsten Science Slam am 8. Dezember, um 19.00 Uhr im Pavillon Hannover. Dich erwartetet „Wissen to go“ in 6 x 10 Minuten.

Stichwörter: , , , , ,

Kategorisiert in: