Nacktscanner – notwendig oder Eingriff in die Intimsphäre?

Am 5. Januar 2011 veröffentlicht von Jil Berning

Seit September 2010 werden am Hamburger Flughafen die ersten Nacktscanner in Deutschland getestet.

Nacktscanner sind moderne Abtastgeräte, neuerdings auch Körperscanner genannt, die die Rückstreuung eines mit Röntgenstrahlen oder Terahertzwellen bestrahlten menschlichen Körpers erfassen und auf diese Weise durch Kleidung hindurch Nacktbilder in Photoqualität erstellen.

Auf den ersten Blick hat mich diese neue Errungenschaft extrem beruhigt. Ich leide nämlich unter starker Flugangst und da sind die häufigen Terrormeldungen nicht gerade förderlich.

Nacktscanner im Einsatz von Roger Schmidt

Nacktscanner im Einsatz von Roger Schmidt

Doch wie viel Sicherheit bringt uns diese Technologie wirklich? Denn ehrlich gesagt möchte ich mich nicht in der Öffentlichkeit „nacktscannen“ lassen und somit Gefahr laufen, dass die Bilder in falsche Hände geraten.

Solch eine negative Erfahrung hat nämlich der Bollywood-Star Shahrukh Khan am Londoner Airport Heathrow gemacht. Nachdem er den Sicherheitscheck mit einem Nacktscanner passiert ist, kamen Flughafen-Mitarbeiterinnen mit einem Ausdruck seines Scans auf ihn zu und baten ihn um ein Autogramm. Von Datenschutz und Intimsphäre also keine Spur.

In Deutschland werden allerdings neue, überarbeitete „Körperscanner“ verwendet. Angeblich sollen sie keine echten Körperbilder mehr liefern. In der Praxis erstellen die Geräte aber weiterhin einen Nacktscan, der erst anschließend zu einem „Strichmännchen“ vereinfacht wird und in dem etwaige Gefahrenquellen eingezeichnet werden. So hat man auch in der 2. Generation der Nacktscanner Zugriff auf die Bilder mit intimen Details.

Und obwohl die neue Nacktscanner-Technologie verblüffend scharfe Nacktbilder durch die Kleidung hindurch liefern kann, kann ein Nacktscanner Bodypacking nicht erkennen, weil er nicht in den Magen oder Darm schaut.

Wenn ausgebildete Terroristen also Sprengstoff an Bord schmuggeln wollen, können sie weiterhin Körperöffnungen nutzen oder Gegenstände wie scharfe Kreditkarten oder einen scharf angespitzten Bleistift verwenden.

Wenn Fluggesellschaften und Sicherheitsbehörden nun auf Nacktscanner setzen, möchten sie damit vielleicht in erster Linie das subjektive Sicherheitsgefühl von Flugreisenden beeinflussen, die gar nicht darüber nachdenken wollen wie gefährliche Gegenstände und explosive Flüssigkeiten tatsächlich an Bord eines Flugzeuges gelangen können. Und der Fall von Datenmissbrauch wäre in diesem Fall höchst unangenehm.

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