Die Zukunft der Zeitung im digitalen Zeitalter

Am 20. April 2011 veröffentlicht von Marie Gräber

Wochenanfang im Jahr 20xy. Herr Zeitgenössisch sitzt am Frühstückstisch und wirft mittels seines Handys einen ersten Blick auf die Schlagzeilen der Online-Ausgabe seiner Zeitung. Das Titelblatt ziert heute die Überschrift: „Google statt Gutenberg – Die Printmedien sterben aus.“

Druck der Zeitungsbeilage zur IdeenExpo 2009 - ist es nächtes Mal überflüssig?

Druck der Zeitungsbeilage zur IdeenExpo 2009 - ist es nächtes Mal überflüssig?

Irreales Zukunftsszenario oder Wirklichkeit? 500 Jahre nachdem Gutenberg durch die Erfindung des Buchdrucks eine medientechnische Revolution ausgelöst hat, stehen die herkömmlichen Druckerzeugnisse wie Buch, Zeitung und Zeitschrift zunehmend in Konkurrenz mit den Neuen Medien. Vor allem das Internet lockt die Konsumenten mit einem großen Informations- und Unterhaltungsangebot und ersetzt damit für viele Leser die klassischen Printmedien in ihrer Funktion. Bedingt durch den technischen Fortschritt wird es des Weiteren immer einfacher, Online-Medien in den Alltag zu integrieren.
Verdrängen die elektronischen Dienste die traditionellen Printmedien? Inwiefern kommt es zu Veränderungen der Zeitung?

Das Produkt Zeitung muss sich dem Markt anpassen, damit es auch weiterhin das wichtigste tägliche Kommunikationsmittel bleibt. Die Zeitungsmacher versuchen deshalb mit neuen Geschäftsmodellen auf das veränderte Mediennutzungsverhalten und den damit verbundenen Leserschwund zu reagieren.
In deutschen Sprachraum haben sich im Laufe der Zeitungsgeschichte drei Formatgrößen durchgesetzt: das „nordische Format“ (400 x 570 mm), das „rheinische Format“ (360 x 470 mm) und das „Berliner Format“ (400 x 570 mm). Erst in den vergangen 15 Jahren stellen Verleger weltweit zunehmend auf Kompaktformate um. Durch die aus dem angelsächsischen Raum stammenden Tabloid-Versionen (285 x 400 mm) versuchen Zeitungen neben ihren bewährten Ausgaben zusätzliche Leserschichten zu erschließen.

Testdruck der Zeitungsbeilage zur IdeenExpo 2009

Testdruck der Zeitungsbeilage zur IdeenExpo 2009

Vorreiter in Deutschland ist der Axel Springer Verlag, der im Frühjahr 2004 mit der „WELT KOMPAKT“ die erste Tabloid-Tageszeitung auf den deutschen Zeitungsmarkt gebracht hat. Von außen wirkt diese wie ein Abbild der konventionellen Ausgabe „DIE WELT“. Inhaltlich ist sie aber anders ausgestaltet und stellt eine reduzierte Ausgabe der herkömmlichen Variante dar. Die Artikel orientieren sich stark am Internet. Es gibt ein Ressort, das sich auf zwei Seiten dem Thema „Web“ zuwendet. Als Leser finde ich hier neben Artikeln, die das Internet betreffen, auch die Rubrik „Postings, Tweets und Leserbriefe“. Über soziale Netzwerke wie „Facebook“ oder „Twitter“ kann ich mit den Autoren in Verbindung treten. Durch diesen Dialog mit den Redakteuren wird die Bindung zwischen der Zielgruppe und dem Produkt gestärkt, weil ich mich als „Follower“ wie ein Teil der Redaktion fühle. Einige dieser virtuellen Einträge werden sogar in der Printversion veröffentlicht. Diese Integration von der gedruckten Zeitung und elektronischen Medien wird durch QR-Codes („Quick Response“) unterstützt. Hierbei handelt es sich um zweidimensionale Barcodes, hinter denen sich Texte oder Hyperlinks verbergen. Sie können von Handys fotografiert werden, stellen so eine Verbindung zum Server her und bieten somit Zusatzinformationen zu den abgedruckten Artikeln. Online-und Offline-Medien existieren damit nicht nur nebeneinander, sondern beginnen eine Art „Zusammenarbeit“.

Kommunikation ist wie die tägliche Nahrungsaufnahme Teil unseres Alltags. Der verändert sich jetzt. Bei der WELT KOMPAKT, die von ihren Machern als Zeitung der Zukunft angepriesen wird, ist es ein bisschen wie mit unserem neuen Essverhalten. Wir haben weniger Zeit und das bisschen Freizeit was uns bleibt, wollen wir effektiv nutzen. Zum Kochen oder auch zum ausgiebigen Zeitungslesen bleibt im Studien- und Schulstress wenig Zeit. Zum Essen holen wir uns beim Schnellrestaurant um die Ecke einen Hamburger oder einen Kaffee-To-Go. Und auch im Kiosk ordern wir mit der WELT KOMPAKT die Fastfood-Variante unter den Zeitungen.

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