Mein Weg als WIng

Am 1. Juni 2011 veröffentlicht von Michel Kuhlmann

TIMES Case Study Competition

Teamworkfähigkeit, Bewältigung von Arbeit unter Zeitdruck und Kreativität sind essentielle Kompetenzen in der heutigen Berufswelt! Bei Fallstudienwettbewerben sind genau diese Fähigkeiten gefragt.

Fallstudienwettbewerb

Fallstudienwettbewerb

Als ein Kommilitone aus dem fünften Semester WIng mich fragte, ob ich nicht Lust hab mit an einem Fallstudienwettbewerb teilzunehmen, wusste ich zunächst gar nicht, was dort konkret abgeht. Er meinte, es geht um Teamwork, Bearbeitung eines Problemfalls und anschließende Präsentation des Konzeptes vor einer Jury… Interessant und bestimmt eine spannende Erfahrung, hab ich mir gedacht und gesagt, dass ich gern mitmachen würde. Zusammen mit einer Kommilitonin aus seinem Fachsemester und einem (noch) Diplom WIng Studenten war unser Team komplett und auch angemeldet. Angemeldet wofür? Zu TIMES – Tournament in Management and Engineering Skills, einem englischsprachigen, europaweiten Fallstudienwettbewerb, der von ESTIEM (European Students of Industrial Engineering and Management) ausgerichtet wird.

Für die Qualifikationsrunde in Bremen ließ ich sogar meine Informatikvorlesung sausen. Schließlich versprach ich mir von dem Event einige neue wertvolle Erfahrungen. Mit Anzug und Krawatte gerüstet begaben wir uns über den verschneiten Campus hin zu einem Forschungsinstitut, in dem die Qualifikationsrunde in Bremen ausgerichtet wurde. Wir bekamen einen Vorbereitungsraum zugeordnet, in dem wir uns in den nächsten Stunden mit der Fallstudie beschäftigen würden. Als einzige Hilfsmittel sind diverse Schreibmaterialien, Taschenrechner und Wörterbücher erlaubt, während auf Internet komplett verzichtet werden muss. Exakt nach Zeitplan startete unsere Bearbeitungszeit mit dem Aushändigen der Fallstudie. Auf 30 Seiten inklusive Anhang war das Internetauktionsunternehmen „Twingle“ beschrieben, das zu lösende „Credibility issues“ hatte und eventuell auch expandieren wollte. Nun war es an uns innerhalb von drei Stunden ein Lösungskonzept auszuarbeiten und eine Präsentation vorzubereiten. Die Aufgaben haben wir aufgeteilt und in 2-er Gruppen parallel gearbeitet. Dabei haben wir uns regelmäßig gegenseitig auf den neuesten Stand gebracht. Die letzte Arbeitsphase war das Folienschreiben für unsere Präsentation. Hierbei war es besonders wichtig unsere Gedanken möglichst logisch und anschaulich zu strukturieren, um die Jury von unserem Konzept zu überzeugen.

Wir haben als zweites von insgesamt vier Teams vor der dreiköpfigen Jury präsentiert. Auf Englisch haben wir nacheinander die verschiedenen Aspekte unseres Konzeptes vorgestellt, wobei jedes Teammitglied präsentiert hat. Anschließend galt es die Fragen der Jury zu meistern… Neben kritischen fachlichen Fragen gab es auch allgemeine Fragen wie z.B.: „Would you personally trust this company and invest in their future?“. Somit wurde nicht nur die Stichhaltigkeit unseres Konzeptes geprüft, sondern auch die Souveränität unseres Auftretens.

Nach den Präsentationen aller Gruppen zog sich die Jury für eine halbe Stunde zur Beratung zurück, um zu überlegen, welches Team das effektivste Konzept am überzeugendsten vermittelt hat.

And the winner was…… our Team!!!

Nach drei Stunden intensiver Teamarbeit ein seeeeeehr befriedigendes Ergebnis 🙂 Neben dem Sieg in Bremen hatten wir uns nun auch für eines der Semi-Finale von TIMES qualifiziert!

Eine Doodle-Umfrage ergab schließlich, dass wir das Semi-Finale in Lyon besuchen können und dies wurde uns von dem Organisationsteam dann auch zugesagt!

Unsere Flüge waren für den 30. Januar 2011 gebucht. Wir reisten nach Hamburg, um von dort über Paris nach Lyon zu fliegen… Hätte alles reibungslos geklappt wäre es wohl fast langweilig gewesen – zunächst gab es eine Überraschung bei der Online-Buchung: Hätten wir vier Tickets auf einmal gebucht wäre der Preis explodiert, also einzeln buchen! Nach der ersten Buchung tauchte nun leider der entsprechende Hinflug nicht mehr auf… So mussten drei von uns einen späteren Hinflug nehmen! Am Hamburger Flughafen blieben uns dank Deutscher Bahn nur noch fünf Minuten um vom Bahnsteig zum Gepäckschalter zu kommen, aber wer Fallstudien lösen kann, meistert auch diese Herausforderung 🙂 Die Suche nach einem vernünftigen Snack gestaltete sich auf dem Pariser Flughafen eher schwierig – zum Glück waren noch ein paar Äpfel im Gepäck! Die Piloten waren gut drauf und wir landeten ohne Verspätung in Lyon… naja bei Lyon! Vom Flughafen mussten wir noch eine halbe Stunde in die Stadt fahren und kamen letzten Endes um Mitternacht auf dem Campus der INSA (Institut National des Sciences Appliquées) Lyon an!

Dort wurden wir von Teilnehmern aus Spanien, Österreich und der Schweiz begrüßt und konnten zum Abendbrot noch ein paar Tüten Chips abgreifen. Unser Teamkollege, der schon früher angekommen war, hatte für uns die Startnummer „1“ für den nächsten Tag gezogen, so dass rasches Zubettgehen angesagt war. Untergebracht waren wir in den Wohnheimen auf dem Campus in Doppelzimmern mit eigener Küche und Bad – sauber und zweckmäßig!

Am nächsten Tag schmissen wir uns wieder in Schale und saßen nach einem kleinen Croissant-Frühstück schließlich um 9:00 Uhr in einem Raum der Bibliothèque Marie Curie und bekamen die Fallstudie. Diesmal bekamen wir vier Stunden Zeit, um uns in diesem Fall mit dem amerikanischen Unternehmen Target zu beschäftigen. Ziel war es, ein Konzept zu entwickeln, mit dem Target effektiv in einem neuen Land starten kann – möglichst in China oder Indien, den wachsenden Märkten. In der Fallstudie selbst fanden sich leider nur wenige Zahlen, Daten und Fakten, sodass Kreativität gefragt war. Glücklicherweise war ein Teamkollege schon einmal in Indien und kannte sich mit der Kultur ein wenig aus. Wir expandieren nach Indien! – Das war unser Plan, zu dem wir dann der französischen Jury unser Konzept vorstellten. Nach der Präsentation folgten kritische Kommentare( „I think you made a mistake here…“) und knifflige Fragen, denen wir uns aber – unserem Plan treu bleibend – gut stellen konnten.

Den freien Nachmittag verbrachten wir mit dem Team aus Tampere, Finnland im kalten Lyon auf der Suche nach einem Café… Als wir endlich eins gefunden hatten und bei einem Getränk über unsere Strategien und Frankreich diskutiert hatten, war es dann schnell schon wieder Zeit zum Campus zurückzukehren um das abendliche Buffet nicht zu verpassen. Der Abend in internationaler Atmosphäre war sehr anregend und abwechslungsreich!

Am nächsten Tag wurde in umgekehrter Reihenfolge gestartet, sodass wir erst um 14:10 Uhr dran waren. Längeres Schlafen und ein bisschen Surfen im W-LAN der Uni ließen die Zeit rasch vergehen. Diesmal ging es in der Fallstudie darum, einer Stiftung ein Konzept vorzulegen, das aufzeigt, wie 1Mio. $ möglichst effektiv zur Bekämpfung der Unterernährung in Äthiopien eingesetzt werden. Diesmal war noch mehr Kreativität gefragt, da die Fallstudie kaum Zahlen enthielt und sich nahezu ausschließlich auf Informationen über spezielle Nahrungsmittel beschränkte. Unser fertiges Konzept basierte letzten Endes auf einem mobilen Krankenhaus, das in die betroffenen Dörfer fährt. Außerdem planten wir eine Kooperation mit der World Health Organization und lokalen Institutionen. Mit diesem Konzept schienen wir uns von den anderen Ideen deutlich zu unterscheiden. Und auch diesmal gab es wieder Kritik, Einwände und Fragen: Was ist mit Räubern, die das mobile Krankenhaus überfallen? Warum wird das Geld nicht so investiert, dass das Grundproblem angegriffen wird? Wieder standen wir weiterhin zu unserem Konzept und stellten uns nach bestem Wissen und Improvisationsvermögen den Fragen.

Das Team aus Bremen beim Galadinner

Das Team aus Bremen beim Galadinner

Den Abschluss des Semi-Finales bildete das Gala-Dinner mit Abendgarderobe in einem schicken Restaurant. Nach ein paar Appetithäppchen verkündete die Jury die Ergebnisse für die Fallstudien. Für den Fall Target landeten wir auf Platz 3, hinter Stockholm und Tampere. Unser Konzept gegen den Hunger in Äthiopien teilte sich den 2. Platz zusammen mit der Strategie aus Madrid, während Tampere wieder auf Platz 1 landete. Gesamtplatzierung: Madrid – 3. Platz, Bremen – 2. Platz und Tampere 1. Platz! Der Erfolg wurde abends in einer kleinen Bar in Lyon gefeiert 🙂

Am Mittwoch hatten wir noch Zeit durch Lyon zu bummeln bevor wir um 20:00 Uhr in den Flieger nach Hamburg gestiegen sind.

Insgesamt waren diese Events eine geniale Erfahrung!! Zum einen war es für mich sehr interessant und nett, mich mit den Studenten aus anderen Ländern zu unterhalten und neue Kontakte zu knüpfen. Zum anderen habe ich wertvolle Erfahrungen gesammelt in Bezug auf Teamwork unter Zeitdruck, strategisches und analytisches Vorgehen bei Problemen und Präsentieren vor einer internationalen Jury! Ich würde jederzeit wieder teilnehmen und kann jedem empfehlen, eine solche Chance wahrzunehmen 🙂

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