Ökostrom – Ein Lichtblick für den Klimaschutz?

Am 10. November 2011 veröffentlicht von Marie Gräber
Abb 1. : Traumkopfkinofilm : Klimaretter trotz Stromverbrauch !

Abb 1. : Traumkopfkinofilm : Klimaretter trotz Stromverbrauch !

Neulich nachts im Traum: Meine Füße tappen über den kalten dunklen Flur. Ich drücke auf den Lichtschalter und der Raum wird in ein leicht beiges Licht mit einem kleinen Grün-Braun-Stich getaucht. Mein Blick wandert zur Lichtquelle und ich sehe eine kleine, niedliche Kastanie aus meiner Glühlampe wachsen. Umweltretter trotz Stromverbrauch, freue ich mich. Im Schlendergang geht es verschlafen zum Kühlschrank und ich trinke eine natürlich zu 100 % nachhaltig hergestellte Packung Milch. Frisch gestärkt schlurfe ich zurück in mein mit Kraft-Wärme-Kopplung geheiztes Schlafzimmer. Zufrieden schließe ich wieder die Augen, denn ich weiß: Ich bin nicht schuld am Klimawandel. Ökostrom komplettiert meine Sammlung den Planeten schützender Dinge endlich.

Nach acht Stunden erholsamen Schlaf mit Weltretter-Traum werde ich auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt: Der Piepton meines Weckers lässt mich aufschrecken. Ich in der Rolle des Klimaretters – das gibt’s bisher nur in meinem Traumkopfkino. Kann diese Vorstellung Wirklichkeit werde? Welche Auswirkungen hat es, wenn ich zu einem Ökostromanbieter wechsle?

Erneuerbare Energien

Erneuerbare Energien

Vor der Liberalisierung des Strommarktes, die in den 1990er Jahren von der EU-Kommission vorangetrieben wurde, gab es in Deutschland auf den regionalen Strommärkten ein Gebietsmonopol auf der Anbieterseite. Aufgrund der Monopolstellung der rund 1000 Unternehmen der öffentlichen Stromversorgung  wurde der Strom an die Verbraucher vielmehr zugeteilt. Seitdem Deutschland mit dem EnWG 1998 das erste EU-Richtlinienpaket umgesetzt hat, hat sich vieles verändert. Der Verbraucher kann inzwischen selbst entscheiden, von welchem Anbieter er seinen Strom bezieht.

Unter Ökostrom versteht man elektrische Energie, die aus erneuerbaren Energiequellen wie zum Beispiel Wasserkraft, Solartechnik oder Windenergie gewonnen wird. Diese sind im Gegensatz zu den fossilen Energieträgern wie Kohle nicht endlich und ihre Herstellung erfolgt auf ökologisch vertretbare Weise. Ökostrom-Anbieter wie LichtBlick oder ÖkoFlex werben mit Slogans wie „Sie unterstützen die Energiewende“, „Viel Umweltschutz für wenig Geld“ oder „Ihr Beitrag zum Atomausstieg“. Diese Anbieter garantieren mir, genauso viel Ökostrom ins Netz einzuspeisen wie ihre Kunden entnehmen. Der ganze Strom, der in Deutschland gebraucht wird, wird in einem Netz gesammelt. Im Umkehrschluss bedeutet das, dass alle Verbraucher ihren Strom aus diesem einen Netz beziehen, was als „Stromsee“ bezeichnet wird. Strom ist physikalisch immer gleich, wodurch der Bezug von Ökostrom keine direkte Auswirkung auf den beim einzelnen Kunden gelieferten Strom hat. Allerdings wird der Strommix insgesamt beeinflusst.

Unterschieden wird bei der Versorgung zwischen mengen- und zeitgleich. Unter Mengengleich wird verstanden, dass das Energieversorgungunternehmen im Laufe eines Jahres verteilt jene Menge Strom ins Netz einspeist, die seine Kunden insgesamt in einem Jahr verbrauchen. Zeitgleich hingegen steht dafür, dass der Versorger zu jedem Zeitpunkt die Menge Strom ins Netz einspeist, die seine Kunden gerade benötigen. Aufgrund dessen, dass letzteres aber technisch aufwendiger und sehr teuer ist, handelt es sich meistens (sofern keine andere Angabe) um mengengleiche Einspeisung.

Als Einzelner kann ich also nicht beeinflussen, dass aus meiner Steckdose nur Strom aus erneuerbaren Energien kommt. Wenn ich allerdings zu einem Anbieter wechsel, der eine Versorgung mit 100 % Ökostrom verspricht, bekommt dieser durch mich mehr Kapital und kann eine höhere Stromkapazität ins Netz einspeisen. Infolgedessen steigt dann auch der Anteil der erneuerbaren Energien am Stromsee etwas. Ich bin also nicht machtlos und kann sehr wohl meinen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Morgens mit dem Fahrrad zur Schule oder Arbeit fahren, generell Strom einsparen und bewusster leben. Vielleicht kann dann mein Traumkopfkino-Film Realität werden. Um es mit Goethes Worten zu sagen: „In der Idee leben heißt, das Unmögliche behandeln, als wenn es möglich wäre.“

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