Mein Weg als WIng – Powerlernen, es geht voran!

Am 27. April 2012 veröffentlicht von Michel Kuhlmann

Während Freunde und Bekannte schon im Urlaub waren oder sich anderweitig amüsiert haben, standen bei mir bis Ende März noch Themen wie Verfahrenstechnik und Operations Research auf dem Plan. Bekanntlich ist geteiltes Leid = halbes Leid und so habe ich in dieser Klausurenphase das „Lerntandem“ für mich entdeckt. Zusammen mit einem Kommilitonen, dessen fachliche Interessen ähnlich sind, habe ich für drei der sechs Klausuren gelernt. Dabei hat sich ein täglicher Ablauf eingependelt und der lief so ab:

8:30 Uhr – Wecker klingelt, Snooze wird nicht gedrückt, sondern ich schWIng mich gleich in die Dusche. Anschließend frühstücke ich vorm Fernseher (noch einmal die Seele baumeln lassen bevor es losgeht). Auf dem Weg zum Bus per SMS sicherstellen, dass der Tandem-Kollege schon wach und aufgestanden ist und schon das Teewasser heiß kocht.

10:00 Uhr – Tür geht auf, Tee ist fertig und dann setzen wir uns auch schon im Wohnzimmer auf die Couch und breiten unsere Unterlagen aus. Ausbreiten heißt in diesem Fall tatsächlich A.U.S.B.R.E.I.T.E.N! Ausgedruckt haben wir nämlich nicht nur die Vorlesungsskripte, sondern auch die PowerPoint Folien und alte Klausuren sowie die eigenen Aufzeichnungen.

10:20 Uhr – Tee getrunken, los geht’s! Wir nehmen uns das Skript der Vorlesung vor und sprechen es chrono-logisch durch. Beim Durchsprechen stellen wir jeweils Fragen, um sicher zu gehen, dass wir es beide verstehen. Dabei ergeben sich oft Zusammenhänge zu bereits behandeltem Stoff (manchmal auch aus anderen Veranstaltungen) und das Wissen wird in einen Kontext gesetzt und gefestigt.

13:30 Uhr – Einige Tassen Heißgetränke später setzt das erste Hungergefühl ein. Also legen wir fest, noch 30 Minuten zu powern und dann Mittagspause zu machen.

14:00 Uhr – Mittagessentechnisch war die Krönung der Klausurenphase wohl ein Nudelauflauf 🙂 Aber nicht irgendein Nudelauflauf, sondern ein mächtiger Nudelauflauf mit 500g Fusilli, reichlich Kidneybohnen, Mais, Schinken und einem Paket Pizzakäse. Das Ganze verfeinert mit einer Tütensoße – traumhaft!

Bild, Nudelauflauf15:00 Uhr – Im Falle des Nudelauflaufs war eine etwas verlängert Pause nötig, da wir nichts übrig lassen wollten und das sogenannte

„Suppenkoma“ dann etwas extremer ausfiel. Und dennoch ging es weiter -> mit Tee und Motivation!

17:00 Uhr – Das viele Denken regt den Appetit an und so snacken wir zwischen den Themen ein paar Kekse und halten so auch unseren Zuckerhaushalt ausgeglichen. Bei Themenbereichen, die nicht nur verstanden, sondern auch auswendig gelernt werden müssen, fragen wir uns gegenseitig ab und schreiben Karteikarten. Manchmal haben wir eine Seite durchgesprochen und essen etwas, dann nimmt sich einer schnell wieder die Seite vor und fragt den anderen ab.

18:45 Uhr – Langsam ist die Luft für den Tag raus und wir lassen es langsam ausklingen. Die Bereiche, die wir tagsüber besprochen haben, fragen wir uns noch einmal ab und klären eventuell offen Gebliebenes, bevor es dann in den verdienten Feierabend geht.

20:00 Uhr – Spieleabend, Filme gucken oder Fitnessstudio: Es gibt viele Wege den Kopf frei zu bekommen. Und nach einem erfolgreichen Tag konnte ich auch guten Gewissens abschalten. Bevor ich dann die Augen zu gemacht hab‘, wurde der Wecker wieder auf 8:30 gestellt…

Insgesamt hat mir das Lernen zu zweit sehr viel Spaß gemacht und in der nächsten Prüfungsphase werden wir uns bestimmt wieder treffen. Das gegenseitige Motivieren und auch das Ab- und Nachfragen hat dafür gesorgt, dass wir nicht nur stumpf auswendig lernten, sondern uns so mit den Themen auseinandergesetzt haben, dass wir Zusammenhänge herstellen konnten. Das waren mit die größten Lernerfolge und dann hat das Lernen auch so richtig Spaß gemacht – wenn plötzlich die Dinge einen Sinn ergeben  🙂

Für andere Fächer bieten sich auch andere Methoden an: So habe ich mir für eine Klausur, bei der lediglich Wissen abgefragt wurde, zum ersten Mal Karteikarten geschrieben. In der Schule haben mich weder in Latein noch in Englisch Karteikarten für das Vokabellernen überzeugt. Aber nachdem mir ein Freund aus einem höheren Semester erzählt hat, bei ihm hätte es sehr gut geklappt und er hätte das Karteikartenschreiben dann beibehalten, habe auch ich mich mit Karteikarten ausgestattet. Nach rund 10 Stunden Arbeit war mein 200 Karten-Stapel geballtes Wissen dann fertig. Weil ich viel Arbeit in das Erstellen der Karten investiert habe, konnte ich anschließend beruhigt ausschließlich mit den Karten lernen, da alle relevanten Dinge dort zu finden waren. Am Anfang schien der Stapel noch sehr mächtig, also habe ich in Themenblöcke aufgeteilt und die Blöcke separat gelernt. Wenn ich in die Stadt gefahren bin oder im Zug saß, habe ich mir ein paar Stapel mitgenommen und bin sie durchgegangen. Im Endspurt vor der Klausur waren die Informationen so präsent, dass ich den gesamten Stapel gemischt habe und dann in einem Zug alle Karten durchgegangen bin. Das hat mir Sicherheit gegeben und gezeigt „Hey, ich hab schon echt was geschafft!“, resultierend in einem angenehmen Glücksgefühl 🙂

Ich beginne nun das vierte Fachsemester und damit die zweite Hälfte meines Bachelorstudiums, im fünften Semester wähle ich dann eine Vertiefungsrichtung. In der letzten Lernphase habe ich festgestellt, dass mich zum Beispiel Verfahrenstechnik sehr interessiert und ich Spaß an den Themen habe – vielleicht wird das also mein Schwerpunkt werden. In welche Richtung ich mich später beruflich ausrichten möchte, muss ich dann zum Glück noch nicht fix entschieden haben, da bin ich mir nämlich noch nicht sicher.

Wie oben bereits angesprochen, ergeben sich langsam Zusammenhänge innerhalb eines Fachs aber auch fächerübergreifend. Dadurch zeigt sich für mich, dass es vorangeht und ich schon einiges gelernt und verstanden habe. Für eine Prüfung zu lernen und die Dinge richtig anzuwenden ist eine Sache, wenn die Themen dann in anderem Zusammenhang auftauchen und ich sie für mich verknüpfen kann, dann ist das nochmal ein ganz anderes Erfolgserlebnis und der Spruch „Man lernt nicht für die Schule (Uni), sondern für’s Leben“ wird für mich langsam (be-)greifbarer!

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