Das ganze „Spektrum der Wissenschaft“ als Beruf?

Am 7. September 2012 veröffentlicht von Jennifer Schenke
Hanser

Interviewpartner Hartwig Hanser, Quelle: www.spektrum.de

Wissenschaftsjournalismus klingt ziemlich cool, denn er verbindet zwei interessante Dinge: Journalismus und Wissenschaft. Ist das nicht also ein echter Traumberuf? Mit dieser und weiteren Frage habe ich mich auf den Weg in die Redaktion des Spektrum der Wissenschaft-Verlags gemacht und den Redaktionsleiter Hartwig Hanser ausgefragt.

Wie wird man eigentlich Wissenschaftsjournalist?

Bei den Redakteuren in unserem Verlag verlief der Weg so: Sie haben zuerst eine Naturwissenschaft studiert und dann meistens sogar promoviert, das heißt, sie besitzen einen Doktortitel. Zusätzlich haben viele auch journalistische Weiterbildungen absolviert, etwa Aufbaustudiengänge oder Praktika.

Angenommen, man geht so vor: Wie geht’s dann weiter?

Leider muss man oft viele schlecht bezahlte Praktika machen, bis man vielleicht mal eine Stelle in einer Wissenschaftsredaktion findet, da es insgesamt nur recht wenige davon gibt. Es werden auf dem Gebiet auch eher selten neue Stellen geschaffen, sodass man – überspitzt formuliert – fast nur noch dann eine Chance hat, wenn jemand in Rente geht.

Arbeitslos muss man trotzdem nicht sein, denn meist arbeiten Wissenschaftsjournalisten zunächst als freie Autoren und schaffen so den Einstieg.

Gibt es noch andere Wege zum Wissenschaftsjournalismus?

Verlagsschild - Spektrum der Wissenschaft

Vor dem Verlag

Seit ein paar Jahren gibt es spezialisierte Studiengänge, in denen man sowohl einige naturwissenschaftliche Grundlagen als auch journalistisches Schreiben lernt. Die Studenten spezialisieren sich entweder auf den bio-medizinischen oder physikalisch-technischen Bereich und absolvieren noch während des Studiums Praktika in verschiedenen Redaktionen. Je nachdem, wo man später arbeiten möchte, ist dies ein guter und vor allen Dingen schneller Weg zum Wissenschaftsjournalismus, da man schon nach fünf Jahren Studium sein Glück beim Berufseinstieg probieren kann und nicht erst nach zusätzlichen journalistischen Weiterbildungen oder gar einer Promotion. Für die Arbeit bei Spektrum der Wissenschaft eignet sich dieser Weg allerdings weniger.

Warum das? Ist die Promotion so wichtig?

Eine Promotion vielleicht nicht notwendigerweise, aber ein vollwertiges Studium einer Naturwissenschaft schon. Die Artikel in „Spektrum der Wissenschaft“ entstehen in enger Zusammenarbeit mit Forschern, sehr oft schreiben diese die Texte sogar selbst. Der Redakteur überprüft dann den Artikel und überarbeitet ihn insbesondere sprachlich – das verständliche Schreiben ist ja nicht unbedingt immer ein Talent von Wissenschaftlern. Dabei ist es wichtig, auf Augenhöhe mit den Wissenschaftlern über aktuelle Forschung reden zu können. Unsere Redakteure nehmen auch an Fachkonferenzen teil, um neue spannende Themen aufspüren zu können.

In anderen Publikationen oder Medien, wenn eher die populäre Vermittlung von Wissenschaft für Laien im Vordergrund steht, rückt die Bedeutung der akademischen Bildung in der Hintergrund. In allen Fällen ist es aber wichtig, möglichst verständlich erklären und schreiben zu können.

Der Weg zum Wissenschaftsjournalist klingt echt hart und steinig – ist von diesem Berufswunsch also doch eher abzuraten?

Den Beruf des Wissenschaftsjournalisten betrachte ich schon fast als eine Berufung, ähnlich etwa wie bei Lehrern oder Pfarrern. Wenn man es wirklich will, dann hat man auch eine Chance, dass man Erfolg hat. Man muss seinen eigenen Weg suchen und gehen – aber unmöglich ist es nicht! Es hilft natürlich schon, wenn man nicht ganz alleine eine Familie von seinem Gehalt als freier Autor bezahlen muss, sondern beide Partner Geld verdienen. Die Bezahlung für einen längeren Artikel klingt mit je nach Auftraggeber einigen hundert bis über tausend Euro auf den ersten Blick gar nicht schlecht – wenn man aber berücksichtigt, wie viel Zeit und Arbeit man dafür investieren muss und dass einem die Aufträge meist auch nicht gerade in den Schoß fallen, dann ist es schon ziemlich wenig für jemanden, der über 8-10 Jahre an der Uni in seine Ausbildung gesteckt hat.

Vielen Dank, Herr Hanser für das Interview!

 

Für mich als Studentin einer Naturwissenschaft und Hobby-Wissenschaftsjournalistin für den IdeenExpo-Blog war das Gespräch sehr aufschlussreich. Wissenschaftsjournalismus reizt mich persönlich schon länger und immer noch sehr, da ich sehr gerne anderen Menschen mein Wissen weitergeben und vermitteln möchte. Allerdings hält mich der unsichere Berufseinstieg und die schwierige Arbeitsmarktsituation davon ab, diesen Berufswunsch wirklich zu verfolgen.

 

Der Spektrum der Wissenschaft-Verlag bringt mehrere monatliche Wissenschaftsmagazine wie unter anderem „Gehirn und Geist“, „Sterne & Weltraum“, „epoc“ und eben „Spektrum der Wissenschaft“ heraus. Das Jugendmagazin „Spektrum neo“ gibt es auch als App; ebenso einige ausgewählte Sonderhefte. Alle Ausgaben oder einzelne Artikel können auch im Internet von der Homepage www.spektrum.de als PDF heruntergeladen werden, auf der man auch immer einen Artikel aus dem aktuellen Heft kostenlos findet. Außerdem gibt es jeden Tag 3 – 4 neue Kurzmeldungen aus der Welt der Wissenschaft.

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