Ranga Yogeshwar: „Am meisten lernt man, wenn man selber Hand anlegen kann!“

Am 26. August 2013 veröffentlicht von Jennifer Schenke

Auf einem Kennenlern-Bogen habe ich erst vor wenigen Monaten auf die Frage, wen ich gerne einmal treffen würde, sofort „Ranga Yogeshwar“ geantwortet. Jetzt hatte ich auf der Ideenexpo tatsächlich die Gelegenheit, dem sympathischen Wissenschaftsvermittler ein paar Fragen zu stellen.

Vielleicht hatten Sie schon etwas Zeit, sich auf der Ideenexpo umzusehen. Welches Exponat, Experiment oder welche Veranstaltung gefällt Ihnen am besten?

Ein Lieblingsexponat habe ich nicht, aber eine „Lieblingsqualität“: Ich finde die Stände am besten, an denen man etwas selber machen kann: löten, schrauben, feilen. Es ist toll zu sehen, wie Kinder dann total fokussiert sind und sich nicht mehr ablenken lassen. Der Stolz mit den eigenen Händen etwas erschaffen zu können, kann das Interesse für Wissenschaft & Technik entfachen und weiter stärken. Besonders gefallen mir die Stände, wo Azubis als Wissensvermittler eingesetzt werden, die ihre eigene Begeisterung an die Ideenexpo-Besucher weitergeben.

Genau diese Begeisterung möchte die Ideenexpo Kindern und Jugendlichen vermitteln. Wann haben Sie selbst Ihre Leidenschaft für Naturwissenschaften & Technik entdeckt? Gab es da ein Schlüsselerlebnis?

Schon in meiner Kindheit habe ich verschiedene Dinge selbst gebaut, z.B. einen Detektorempfänger. Der bestand aus einer Klo-Rolle, die ich mit Kupferdraht umwickelt habe, als Spule, einem Drehkondensator, den ich aus einem alten Radio ausgebaut habe und einem Paar Kopfhörern. Es ist ein tolles Gefühl, wenn man dann an seinem selbst gebauten Radio Musik hören kann!

Hier auf der Ideenexpo wird an manchen Ständen ja auch gelötet und der Lötzinn, den man dazu benutzt, hat seinen ganz eigenen Geruch. Wenn ich dann an einem Stand vorbeigehe und das rieche, dann fällt es mir echt schwer, daran einfach vorbeizugehen und nicht sofort selbst mitzumachen.Ranga YogeshwarWenn Sie all die interessanten Themen aus der Forschung als Moderator präsentieren – vermissen Sie dann manchmal, selbst zu forschen?

Ich mag das Wort „Moderator“ nicht. Wissenschaft erklären und forschen schließt sich nicht aus, ich mache beides. Ich beschäftige mich vorher immer intensiv mit den Themen, über die ich informiere. Das ist mir auch sehr wichtig.

Privat forsche ich außerdem gerne  in der Astronomie und habe dazu meine eigene Sternwarte.

Heute am Sonntag, dem Familientag der Ideenexpo, sieht man auch viele staunende Eltern zusammen mit ihren Kindern auf der Ideenexpo. Ist es für Sie ein Unterschied, ob Sie Erwachsenen oder Jugendlichen Wissenschaft erklären?

Ja, auf jeden Fall! Jede Altersgruppe, von der Grundschule über die Pubertät bis zu Studenten hat ihre ganz eigenen Fragestellungen. Um erfolgreich etwas vermitteln zu können, muss man sich genau hineinfühlen in sein Gegenüber. Es ist wichtig, Kinder ernst zu nehmen. Für alle Altersgruppen gilt aber: Am meisten lernt man, wenn man selber Hand anlegen kann. Innovationen entstehen dadurch, dass etwas Neues geschaffen wird, und nicht durch bloßen Konsum von Technik.

Was wünschen Sie sich für die Förderung von Naturwissenschaften & Technik in der Zukunft von den Entscheidungsträgern?

Wir müssen früher loslegen, Kinder für Naturwissenschaften & Technik zu begeistern. Die fehlende Förderung in jungen Jahren ist ein strukturelles Problem. Da wünsche ich mir mehr ehrliches Engagement. Die Ideenexpo geht hier genau den richtigen Weg: Dieses Jahr gibt es noch mehr Exponate, bei denen man selber aktiv sein kann. Nicht nur Kinder können hier neue Dinge erleben. Auch für die Stiftungen, Verbände und Unternehmen  ist die Ideenexpo ein wertvoller Lernprozess. Niemand ist so ehrlich wie Kinder. Ihr Feedback hilft den Unternehmen, ihre Exponate noch besser zu machen. Gute, glaubwürdige Exponate sind wichtig, damit Begeisterung geweckt wird und damit der Funke für Naturwissenschaften & Technik überspringt. Daher ist die Ideenexpo für alle ein spannender Mitmach- und Lernprozess.

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Yogeshwar!

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