NOX – der mechatronische Entertainer und andere humanoide Roboter auf der IdeenExpo

Am 30. August 2013 veröffentlicht von Jennifer Schenke

Mehrmals pro Tag wird es richtig voll am Stand von NiedersachsenMetall (MDP 17), denn dann tritt NOX, der mechatronische Entertainer, auf. Die halbstündigen Shows des 2,40 m großen Roboters sind ein echter Publikumsmagnet. NOX, der nicht nur aus Stahl und Aluminium, sondern auch aus einem superleichten Karbonfaser-Glasfasermix besteht, zieht alle Besucher in seinen Bann, wenn er mitten durchs Publikum stampft und mit den Zuschauern direkt spricht. Auch ich frage mich: „Wie funktioniert der bloß? Läuft der vollautomatisch oder steckt da ein Mensch drin?“. Die Lithium-Ferrumphosphat-Akkus des Roboters sind eine ganz neue Technologie, die bald auch bei Elektroautos verwendet wird. Zum Schluss der Show kann man sich mit NOX, der aus einer Kooperation mit der Hochschule Pforzheim hervorgegangen ist, noch fotografieren lassen. Dabei kann es passieren, dass NOX zwischendurch mal die Hand hebt oder etwas sagt und die Besucher damit während des Fotos überrascht. Die lustigen Fotos lassen sich direkt auf Facebook anschauen.

Imme-Kathrin Wasserscheidt von der Stiftung NiedersachsenMetall ist begeistert vom Andrang am Stand durch NOX: „Wir freuen uns, wenn die Jugendlichen vom Staunen ins Fragen kommen und dann zum Verstehen.“ NiedersachsenMetall, der Arbeitgeberverband der Metall- und Elektro-Industrie in Niedersachsen, fördert mit seiner Stiftung auch abseits der IdeenExpo Projekte, die Lust auf Naturwissenschaften & Technik machen sollen, z.B. werden Schule bei der Anschaffung von Roboterbaukästen unterstützt. „Wir wollen die Faszination für die Metall- und Elektro-Industrie entfachen und Lust auf eine Ausbildung oder ein Studium in diesem Bereich machen.“

Dass man nicht Student sein muss, um Roboter zu programmieren, zeigt der Stand der Industrie- und Handelskammer Hannover (MMS 17). Dort präsentieren Schüler verschiedener Altersklassen, von 8 bis 19 Jahren ihre selbstgebauten und programmierten Roboter, mit denen sie sogar an der internationalen Roboterolympiade teilnehmen. Wer Lust hat, kann zusammen mit NAO, einem etwa 60 cm hohen Roboter, „Gangam Style“ tanzen.

Den berühmten Tanz und weitere erstaunliche Kunststücke kann man NAO mit einer einfachen grafischen Programmieroberfläche beibringen. Aber NAO kann noch viel mehr! Studenten der Hochschule Hannover (ITS 16) haben eine Sommeruni für Schülerinnen und Schüler durchgeführt, bei der ein Programm entwickelt wurde, mit dem NAO sich selbstständig in einem Labyrinth zurechtfindet. Das ist gar nicht so einfach, denn dazu muss er nicht nur mit Ultraschall erkennen, wo die Wände des Labyrinths sind, sondern auch, wo sich Kreuzungen und freie Wege befinden. Die Studenten des Studiengangs Angewandte Informatik programmieren im Studium in mehreren Projekten mit NAO. Trotz schwieriger Bedingungen auf der IdeenExpo haben sie dem Roboter beigebracht, wie man „4 gewinnt“ spielt. Nicht nur die Lichtverhältnisse in Halle 9 waren zuerst eine Herausforderung, sondern auch die bunten T-Shirts der Scouts und Besucher, die die Farberkennung des Roboters stören können. Wer jetzt selbst Lust auf Programmieren bekommen hat: Die nächste Sommeruni ist schon in Planung!

Auch am Stand des Bundeslandes Bremen (LMM 08) gibt es einen NAO zu sehen – sogar einen Weltmeister. „So einen wünsch ich mir zu Weihnachten“, ruft ein Kind beim Anblick des winkenden Fußballspieler-NAOs. Ein NAO Roboter kostet aber weit über 10.000 Euro und die ganze Arbeit, die die Studenten in die Programmierung der 5er Fußballmannschaft vor der Weltmeisterschaft gesteckt haben, kann man gar nicht in Geld messen – als Weihnachtsgeschenk sind die Exponate also leider ein bisschen zu teuer. Die NAOs des Informatik-Studenten-Teams der Universität Bremen sind dieses Jahr schon zum vierten Mal Weltmeister im Roboter-Fußball geworden. Dabei ist das Laufen ohne Hinfallen inzwischen das kleinste Problem: Die Roboter müssen sich auf dem Spielfeld orientieren, den roten Ball erkennen und zu den Mitspielern abspielen, die über W-Lan geortet werden. Läuft doch mal ein Spieler Gefahr, ein Eigentor zu schießen, rufen ihn seine Teamkameraden zurück, indem sie ihm signalisieren, dass er umkehren muss. Und dabei ist die ganze Kommunikation völlig lautlos, also sozusagen „telepathisch“, über W-Lan.

Den ganzen Robotern auf der IdeenExpo zuzuschauen macht richtig viel Spaß, aber die Roboter-Programmierung ist keineswegs nur zum Spaß. Die Forschungsergebnisse und -erkenntnisse, die beim Roboterfußball gewonnen werden, werden auf andere Forschungsfelder übertragen und helfen z.B. bei der Entwicklung von selbstlenkenden Rollstühlen oder einer vollautomatischen Wohnung, wo die hohen Küchenschränke bei Bedarf von alleine nach unten fahren, damit man besser an das Geschirr kommt, ohne auf eine Leiter steigen zu müssen. Solche Erfindungen können besonders Rollstuhlfahrern oder älteren Menschen helfen und uns allen das Leben erleichtern. Ich jedenfalls hätte gerne solche Schränke!

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