Sind Zeitreisen möglich?

Am 16. April 2014 veröffentlicht von Jennifer Schenke

Zeitreisen

Der Gedanke an Zeitreisen beflügelt schon seit langem die Fantasie von Autoren und Filmmachern. Wie verlockend wäre es, in die Vergangenheit reisen zu können und den Lauf der Dinge zu ändern? Oder einfach bei großen historischen Ereignissen als stiller Beobachter dabei sein zu können und sie selbst mitzuerleben? Oder reizt dich mehr ein Blick in die Zukunft? Heute schon wissen, was morgen für Lottozahlen gezogen werden, wäre auf jeden Fall enorm praktisch!

Doch sind Zeitreisen überhaupt physikalisch möglich oder nur Fiktion?

Die Antwort ist klar: Jein! Während Reisen in die Zukunft rechnerisch möglich sind, sind Reisen in die Vergangenheit nur in sehr umstrittenen Modellen, die bisher experimentell gar nicht bestätigt sind überhaupt rechnerisch möglich – und tatsächlich möglich für Menschen sind sie auch in diesen Modellen absolut nicht. Das heißt aber auch, dass der Zeitreisende in die Zukunft dann für immer dort bleiben muss, zurückreisen geht nicht! Damit ist mein Plan mit den Lottozahlen schon mal dahin! 🙁

Das bekannteste Gedankenexperiment zu Zeitreisen ist das sogenannte „Zwillingsparadoxon“ bei dem ein Zwilling auf der Erde bleibt und der andere mit einem Raumschiff zu einem weit entfernten Ziel und zurück fliegt, das fast so schnell wie Lichtgeschwindigkeit ist. Durch den Effekt der Zeitdilatation, der nach der speziellen Relativitätstheorie von Albert Einstein auftritt, vergeht die Zeit für den Astronauten, von der Erde betrachtet, langsamer als für den Erdbewohner. Es wirkt so, als würde die Zeit im schnell fliegenden Raumschiff „langsamer“ laufen als auf der Erde. Am Ende der Geschichte wird dann oft erzählt, wie der Astronauten-Zwilling nach nur wenigen Jahren (seiner Zeit) auf die Erde zurückkehrt und seinen Bruder als alten Opa antrifft!

So ein starker Altersunterschied ist aber in der Realität gar nicht möglich, da der Mensch nicht jede beliebig starke Beschleunigung aushält. Wenn ein Ferrari mit voller Kraft von 0 auf 100 km/h beschleunigt, spürt man das schon ganz schön stark im Bauch – viel mehr hält ein Mensch auch gar nicht aus – bei einer doppelt so starken Beschleunigung wäre schon Schluss mit lustig. Würde man das Raumschiff also auf eine menschenlebenverträgliche Weise beschleunigen, so sind Zeitreisen in die ferne Zukunft ausgeschlossen, da man für die Reise ein Jahr in die Zukunft selbst schon 347 Tage unterwegs ist – also kaum „voran kommt“.

Dazu kommt noch, dass Raumschiffe viel zu schwer sind, um sie so stark beschleunigen zu können. Wenn man die Fernsehbilder von Cape Canaveral sieht, schleichen die Raketen ja eher nach oben, statt wie ein Ferrari loszuschießen! Und auch eine Reisegeschwindigkeit nahe der Lichtgeschwindigkeit ist für Raumschiffe eher schwierig zu erreichen, denn die schnellste Rakete, die jemals von der Erde abgefeuert wurde, eine Atlas V, die zum Pluto unterwegs war, flog in der schnellsten Phase gerade mal mit über 50.000 km/h, während die Lichtgeschwindigkeit mehr als 1.000.000.000 km/h beträgt – also gerade mal 0,005%. Nötig wären mindestens 10% der Lichtgeschwindigkeit, eher mehr!

Zeitreisen bleiben also leider – oder zum Glück? – Fiktion.

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