Fabrikplanung der Zukunft

Am 25. März 2015 veröffentlicht von Lena Gabbatsch

Immer wenn ich über das Werksgelände von Volkswagen in Wolfsburg fahre, bin ich beeindruckt: Beeindruckt von der Größe, den riesigen Hallen, dem geschäftigen Treiben, den Dimensionen insgesamt. Dabei ist Wolfsburg nur eine von insgesamt 118 Fertigungsstätten von Volkswagen weltweit – und es werden immer mehr. Kaum vorstellbar, wie so komplexe Fabrikanlagen in nur wenigen Jahren geplant und gebaut werden.

3D-FabrikplanungUnd genau diese Planung ist das täglich Brot von Dr. Alexander König und seinen Kollegen, den Zuständigen des Fachbereichs für Fabrikstruktur und Gebäudeplanung. Etwa 70 Personen betreuen alle Bauvorhaben an neuen Standorten weltweit. Bis in einer neuen Fabrik das erste Auto vom Band rollen kann, gibt es viel zu tun: Von der Grundstücksuche, über den ersten Spatenstich bis hin zur Inbetriebnahme müssen viele verschiedene Pläne gezeichnet, aktualisiert und immer wieder abgeglichen werden. Insgesamt dauert es 4 Jahre, bis der Bau einer neuen Fabrik abgeschlossen ist.

3D-FabrikplanungDie Fabrikplanung hat in den letzten Jahren eine Art „kleine Revolution“ durchlaufen und ihren Weg ins 21. Jahrhundert gefunden. Die 2D Baupläne, mit denen früher gearbeitet wurde, sind längst überholt und werden stattdessen heutzutage mit einer hochmodernen Software und in 3D konzipiert. Der Grundstein dieser virtuellen Fabrikplanung wurde 2010 mit einem Pilotprojekt der TU Ilmenau gelegt. Inzwischen wurde die dort entstandene Software zur digitalen Fabrikplanung weiterentwickelt und ist seit 2013 das Instrument, mit dem jede Fabrik schon vor dem ersten Spatenstich bis ins kleinste Detail geplant wird. Schon verrückt – aber dank der detailgenauen 3D- Abbildung der Fabriken in der Software hat man oft noch bevor der erste Bagger rollt, eine genaue Vorstellung davon, wie das Endergebnis einmal aussehen wird. Die Software bildet detailgetreu zum Beispiel Lüftungsrohre, Gas- und Stromleitungen oder Stützpfeiler ab, die auf Basis des Hallenlayoutsystems (HLS) erstellt wurden. Durch die realistische 3D-Darstellung kann man jederzeit eine Fabrikbesichtigung durch das virtuelle Werk machen.

3D-FabrikplanungAusgangspunkt jedes neuen Standortes ist immer die „Standardfabrik Chattanooga“. Chattanooga ist eine Stadt in Tennessee in den USA, in der Volkswagen vor einigen Jahren eine neue Fabrik baute – die erste, die komplett in 3D konzipiert wurde. Die Pläne dieser Standardfabrik dienen als Ausgangsbasis und werden dann entsprechend der Anforderungen des Automodells – was in der jeweiligen Fabrik gebaut wird – und des Standortes modifiziert. Ein großer Vorteil der neuen Art der Fabrikplanung ist, dass alle Planer immer auf den aktuellsten Planungsstand zugreifen können. Im Vergleich zum früheren Vorgehen gibt es so verbesserte Steuerungsmöglichkeiten. Außerdem können mögliche Fehlplanungen wie zum Beispiel die Kollision einer geplanten Stromleitung mit einem Abluftrohr vermieden werden. Eine große Erleichterung für alle Beteiligten, denn vor allem Kollisionen können einem das Leben schwer machen: Sie halten den Baufortschritt nicht nur zeitlich, sondern auch finanziell auf und erzeugen unnötige Kosten. Die neue Software erfordert zwar vorab möglicherweise mehr Planungsaufwand, aber im Nachhinein gibt es seltener böse Überraschungen. Langfristig also eine gute Entscheidung 🙂

3D-FabrikplanungDr. König erzählt mir, dass er nach all dieser Planung oft schon vor der ersten realen Besichtigung das Gefühl hat, die Fabrik wie die eigene Westentasche zu kennen – das Einzige, was ihn vor Ort immer wieder aufs Neue überrascht, sind die Dimensionen. Ein weiterer Vorteil: Man weiß selbst im Werk in Mexiko und an Orten, an denen man zuvor nur virtuell gewesen ist, immer, wo sich die nächsten Umkleiden, Eingänge und Toiletten befinden. Mich hat das Programm allein deswegen schon überzeugt!

Du würdest jetzt gerne virtuell ein Werk in Mexiko besichtigen? Auf der IdeenExpo hast Du dazu die Möglichkeit! Außerdem kannst dort bei einem virtuellen Fabrikrundgang verschiedene Aufgaben lösen, am Exponatstand der „Digitalen Fabrik“ einzelne Hallenabschnitte konzipieren und so selbst zum Fabrikplaner werden. Wir freuen uns darauf, gemeinsam mit Dir an der Fabrik von morgen zu arbeiten!

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