Aus Liebe zum Detail

Am 9. April 2015 veröffentlicht von Lena Gabbatsch

Unsere Sinne benötigen wir jeden Tag. Sie helfen uns bei der Orientierung in unserer Umwelt und dabei, unseren Alltag zu bewältigen: Wir gucken nach heranfahrenden Autos, bevor wir eine Straße überqueren, wir hören auf das Klingeln unseres Telefons, wir riechen ob die Milch noch frisch ist. Aber welche Rolle spielen unsere Sinne bei der Arbeit? Eine viel größere als ich bisher dachte – das habe ich gemerkt, als ich „Aus Liebe zum Detail“ kennenlernte, ein Training, bei dem Volkswagen Nutzfahrzeuge Mitarbeiter gezielt ihre Sinne schulen. Im ersten Moment konnte ich mir gar nicht vorstellen, wie durch eine Schärfung aller Sinne die Arbeit in der Autoproduktion verbessert werden kann. Dass genaues Hinsehen helfen kann, um beispielsweise „auf den ersten Blick“ nach dem richtigen Teil zu greifen, konnte ich mir ja noch gut vorstellen – aber fühlen, hören oder gar riechen?

Doch dann hatte ich die Möglichkeit, einmal selbst ein solches Training mitzumachen und war fasziniert davon, bei wie vielen Arbeitsschritten geschärfte Sinne helfen können, effektiver und besser zu arbeiten. Olaf Freytag bietet „Aus Liebe zum Detail“ – Training am Standort Hannover und hat mir gezeigt, welche Übungen die Mitarbeiter machen, um Augen, Ohren, Nasen und Fingerspitzengefühl zu trainieren. Als erstes wird das Sehen geübt: bei verschiedenen Übungen geht es um die optische Begutachtung verschiedener Oberflächen und Materialien, wie zum Beispiel Holzmaserungen. Das Auge ist ein besonders wichtiger Sinn: man geht heute davon aus, dass bis zu 80 Prozent aller Umweltwahrnehmungen visuell erfolgen. Dem, was man „mit den eignen Augen gesehen“ hat, vertraut man besonders stark – dabei lässt sich unser Auge auch leicht täuschen, wie Du selbst bestimmt schon bei optischen Täuschungen erfahren hast. Durch das „Aus Liebe zum Detail“ – Training sollen die Mitarbeiter lernen, nicht immer nur dem ersten Blick zu vertrauen, sondern bei jedem Arbeitsschritt wirklich genau hinzusehen.

FühlenDann lerne ich den Bereich kennen, in dem der Fühlsinn trainiert wird. Besonders spannend ist hier ein Tisch, bei dem man ohne hinzusehen in Fächer greift, in denen sich verschiedene Gegenstände befinden. Es fühlt sich komisch an, sich nur aufs Tasten zu verlassen: Als ich in einem Fach plötzlich einen glitschigen „Slimy“ in der Hand habe, mache ich erst mal einen großen Sprung nach hinten. Versuche doch selbst einmal, verschiedene Gegenstände nur durch Fühlen zu erkennen: Du wirst merken, dass es schwerer ist als gedacht! Vor allem in der Produktion ist der Tastsinn wichtig: Die Oberflächen der verschiedenen eingesetzten Materialien unterscheidet sich stark voneinander. Ein erfahrener Mitarbeiter in der Produktion kann auf einer Oberfläche Unterschiede von nur wenigen Mikrometern ertasten.

Es folgt die Trainingsstation für den Hörsinn. Ich setze mir einen Kopfhörer auf und höre zunächst verschiedene Alltagsgeräusche wie das Pfeifen von Wind oder das Rauschen eines Wasserhahns. Ich erkenne ungefähr die Hälfte der Geräusche und finde das schon ganz gut, doch dann kommt die nächste Schwierigkeitsstufe: Ich höre nun Geräusche aus einem Auto. Den Blinker und das mechanische Wischen eines Scheibenwischers erkenne ich, doch bei vielen anderen Geräuschen bin ich ratlos. Wenn Du das nächste Mal in einem Auto sitzt, achte doch einmal darauf, wo Geräusche beim Fahren entstehen und ob Du erkennst, wo diese herkommen. Ein geschultes Ohr kann in der Produktion viel Zeit sparen: Ein geübter Mitarbeiter erkennt bereits an dem Geräusch des Türklappens, ob alle Schrauben schon an ihrem Platz sitzen.

RiechenAuf die nächste Station mit Übungen zum Riechen war ich von Anfang an besonders gespannt: Mit Gerüchen, die wir wahrnehmen, verbinden wir bestimmte Erinnerungen und Emotionen, zum Beispiel denke ich bei dem Geruch von Sonnencreme an meinen letzten Urlaub. Ein unangenehmer Geruch hingegen erzeugt sofort negative Gefühle. Gerade deswegen sollen in der Produktion möglichst angenehm riechende Teile verarbeitet werden. Volkswagen ist dieses Thema sehr wichtig, es gibt extra ein Team von „geeichten Nasen“, die den Geruch jedes verwendeten Teils bewerten. Verbaut werden dann nur Teile, die den Geruchstest bei diesen Profis bestanden haben. Da könnte ich sicherlich noch nicht mithalten, aber an der Riechstation kann ich die meisten der 20 vorhandenen Gerüche schon richtig zuordnen. Zum Abschluss lässt mich Olaf noch den „Duft“ eines Neuwagens von Volkswagen riechen. Und ich rieche: Nichts! Im Gegensatz zur noch vielfach verbreiteten Meinung, man könne in einem neuen Auto den typischen „Neuwagengeruch“ wahrnehmen, sind die heute gebauten Autos nahezu geruchsneutral.

Damit sind wir auch schon am Ende des Trainings angekommen. Ich bin beeindruckt davon, wie viel geschulte Sinne und gute Arbeit miteinander zu tun haben und dass Autoproduktion doch sehr „sinnliche“ Arbeit sein kann. Nur ein Sinn spielt hauptsächlich in der Mittagspause eine Rolle: der Geschmackssinn. Um an diesem Tag auch wirklich alle meine Sinne geschult zu haben, lasse ich mir natürlich die berühmte Currywurst von Volkswagen schmecken.

Wenn Du jetzt auch neugierig geworden bist, ob Du selbst eine Supernase oder Adleraugen hast, dann ist der SinnesParcours auf der IdeenExpo für Dich ein absolutes Muss! Neben anderen spannenden Exponaten findest Du da auch viele der Übungen wieder, die ich gerade beschrieben habe. Komm vorbei und stelle Deine Liebe zum Detail unter Beweis!

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