Die Fabriken werden schlau

Am 28. April 2015 veröffentlicht von Florian Feimann

Vor ein paar Wochen war ich auf der CeBIT und habe über Industrie 4.0 gebloggt. Auch auf der Hannover Messe war dieses Thema allgegenwärtig. Vor allem ging es auch um die sogenannte „Smart Factory“, also eine Fabrik, die sich alle neuen Entwicklungen der Industrie 4.0 zu Nutze macht und quasi selbst denkt.

Was bedeutet das nun genau? „Alles das digitalisiert werden kann, wird digitalisiert werden und alles was automatisiert werden kann, wird automatisiert werden“, hat es der Unternehmer Prof. Dr. Dr. August Wilhelm Scheer auf einer Podiumsdiskussion während der Hannover Messe zusammengefasst. Von der einfachen Umrüstung der Produktionsanlagen bis hin zu vollkommen neuen Fabriken mit neuartigen Produkten und neuen Geschäftsmodellen ist unter Industrie 4.0 also alles möglich.

Siemens und Maserati haben eine digitale Fabrik entwickelt und gebautSiemens hat zum Beispiel zusammen mit Maserati eine digitale Fabrik realisiert, in der von Entwicklung, Planung, Produktion bis hin zur Analyse der Abläufe alles digital geschieht. Das sorgt für mehr Effizienz und gleichzeitig höhere Flexibilität in der Fertigung. Alle Teams, die an Entwicklung und Herstellung des Autos beteiligt sind, können auf die gleichen Daten zugreifen und so schneller arbeiten. Zudem werden die Fehler in der Kommunikation verringert. Zugleich bietet diese Fabrik die Möglichkeit, trotz Massenfertigung im Werk das Auto sehr stark zu individualisieren und auf Kundenwünsche abzustimmen.

Dazu sind unzählige Sensoren und Messstationen innerhalb einer Fabrik notwendig, die alle nur erdenklichen Daten wie Temperatur, Zeit, Druck, Stromverbrauch, und vieles mehr messen und aufzeichnen. Diese Sensoren arbeiten aber nicht unabhängig voneinander, sondern sind allesamt durch das sogenannte Internet der Dinge miteinander verbunden.

Ein anderes Beispiel für Datenanalyse für Voraussagen sind Rennwagen wie hier ein Langstreckenfahrzeug von PeugeotSo enstehen riesige Datenmengen, die gespeichert und anschließend analysiert werden. Spannend wird es, sobald aus diesen Analysen Voraussagen abgeleitet werden können. Meistens werden diese Daten oder ein Teil davon in die Cloud hochgeladen und dort verarbeitet und genutzt. Das macht die Fabrik also „schlau“, denn sie weiß zum Beispiel ob die Werkstücke (zum Beispiel das Auto, das gerade am Band gebaut wird) in Ordnung sind und kennt den Zustand der Produktionsanlagen, sodass man eine Anlage warten kann, bevor sie ausfällt und minimiert so Stillstandszeiten. Weil sehr sensible Daten in die Cloud geladen werden, wird es notwendig, sie sicherer als bisher zu gestalten, um vertrauliche Geschäftsdaten vor Spionage und Diebstahl zu schützen.

Viele Experten sehen darin eine Chance für die deutsche IT-Wirtschaft, mit hohen Sicherheitsstandards und ihrer Erfahrung in der Industrie vom Aufschwung in der Industrie 4.0 zu profitieren. Deshalb hat der Branchenverband BITKOM ein 6-Punkte-Programm ausgearbeitet. Diese sechs Punkte sollen sicherstellen, das Deutschland auch in Zukunft ein führendes Industrieland und großer Wirtschaftsstandort bleibt. Wichtige Bestandteile dieser Programms sind neben IT-Sicherheit und einem hochleistungsfähigen Internet die Forderungen, Investitionen in der IT-Branche mit Investitionen in Maschinengüter gleichzustellen. Der BITKOM legt zudem großen Wert auf die Aus- und Weiterbildung von Fachkräften sowie öffentliche Förderungen von Forschung und Entwicklung, vor allem in mittelständischen Unternehmen.

Gleichzeitig ermöglichen die smarten Fabriken mit ihren neuartigen Strukturen völlig neue Geschäftsmodelle für Industrieunternehmen. Bisher hat man ein Produkt, zum Beispiel eine Maschine, entwickelt und anschließend an einen Kunden verkauft. Durch die aktuellen Entwicklungen wird es nun möglich, nach dem Verkauf die Daten, die die Maschine weiterhin erzeugt, zu analysieren und für die Weiterentwicklung zu nutzen. So wird die Maschine nicht nur schneller weiterentwickelt, sondern auch besser auf die Anforderungen der Kunden abgestimmt.

Es gibt noch unendlich viele andere Beispiele für die Möglichkeiten in der Industrie 4.0, deshalb bleibt es spannend, wie sie von Start-Ups und etablierten Unternehmen in Zukunft genutzt wird.

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