Autostadt Wolfsburg

Am 2. Juli 2015 veröffentlicht von Florian Feimann

Autostadt„In der ersten Stufe wollten wir ein würdiges Auslieferungszentrum bauen.“ So schreibt der ehemalige Volkswagen-Vorstandsvorsitzende Ferdinand Piëch in einer Biographie über die Idee der Autostadt in Wolfsburg. Letztlich ist aus einem Auslieferungszentrum ein Park geworden, der seit nun 15 Jahren die Werte des Konzerns erlebbar macht. Da gerät die Abholung des neuen Autos fast zur Nebensache. Ich durfte mir die Autostadt ansehen und  habe an einem Workshop zum Thema Autodesign teilgenommen.

Zusammen mit einer Schulklasse aus Neustadt habe ich die Grundlagen des Autodesigns gelernt und habe mein neues Wissen direkt in ein eigenes Modell umgesetzt. Unterstützung gab es von zwei pädagogischen Mitarbeitern der Autostadt. Das gesamte Workshop-Programm der Autostadt wird von 70 Mitarbeitern geleitet! Mehr als 400000 Menschen haben dieses Angebot mit dem Leitsatz „Erleben, Erfahren, Erinnern“ alleine im Jahr 2014 wahrgenommen.

In der Autostadt kann man aber auch Dinge lernen, die nichts mit Autos zu tun haben. Für Kinder und Jugendliche bietet die Autostadt zum Beispiel Kochkurse mit saisonalen Zutaten aus der Region an – so wie sie auch in allen Restaurants des Parks verarbeitet werden. Mein persönlicher Favorit ist die VW-Currywurst!

Autostadt-Automuseum ZeithausZurück in den Workshop: Zunächst erhielten wir während eines Besuchs im einen Einblick in die Geschichte des Automobils und die unterschiedlichen Design-Epochen. Spannend war für mich vor allem zu erfahren, woher der Kotflügel seinen Namen hat. Das Bauteil war ursprünglich nämlich tatsächlich dazu da, die Insassen vor Kot zu schützen. Die Erklärung leuchtet ein: die ersten Autos waren nicht mehr als motorisierte Kutschen und mussten sich die Straßen auch mit vielen Kutschen teilen. Die Pferde machen auf die Straße und der Kotflügel sollte herumspritzende Perfdeäpfel aufhalten, so wie ein Schutzblech am Fahrrad den Radfahrer vor spritzendem Wasser schützt, wenn er durch eine Pfütze fährt.

BugattiWir hörten auch Anekdoten aus der Autogeschichte. So hat zum Beispiel Ettore Bugatti auf einem seiner ersten Autos eine kleine Schnecke als Kühlerfigur gewählt, weil seine Frau diese Tiere so gerne mochte. Oder wir erfuhren vom Ursprung der Sportwagenschmiede Lamborghini: Ferruccio Lamborghini produzierte von 1948 bis 1964 selbst Traktoren und fuhr privat einen Ferrari. Als er Enzo Ferrari Verbesserungsvorschläge für dessen Sportwagen machte, lehnte er mit der Begründung ab, ein Traktorenhersteller habe keine Ahnung von solchen Fahrzeugen. Daraufhin baute Lamborghini einen Sportwagen nach seinen eigenen Vorstellungen. Noch heute stellt Lamborghini neben den Supersportwagen auch Traktoren her.

AutomodellNachdem wir uns also Anregungen geholt hatten, legten wir selbst Hand an. Losgelegt haben wir mit zwei Schaumstoffteilen und vier „Holzreifen“. Diese Teile bestimmen die grobe Form des späteren Automodells. Anschließend modelliert man mit Plastilin die Feinheiten des Fahrzeugs – ganz so wie es in der Designabteilung von Volkswagen auch passiert.
Werkzeug zum ModellierenDort haben die Designer allerdings deutlich mehr Arbeit: etwa 3000 Zeichnung fertigt ein Zeichner dort im Jahr an. Wir hatten etwa vier Stunden Zeit, um unser eigenes Auto zu modellieren. Da sollte man nicht versuchen, das kunstvollste Design überhaupt zu kreieren, sondern lieber ein Fahrzeug mit einfachen Formen wählen, damit keine Frustration aufkommt. Spaß macht es sowieso!

Nach dem Workshop habe ich mich dann noch in der Autostadt umgesehen. Von Skoda und Seat, über Volkswagen, Audi und Porsche bis hin zu Lamborghini und Bugatti präsentiert der Volkswagen-Konzern dort in MarkenPavillons seine neuesten Fahrzeuge.

Ausblick über das Volkswagen-WerkZum Abschluss wartete noch ein Highlight auf mich. Es ging hoch auf einen der beiden Auslieferungstürme, in denen insgesamt 800 Volkswagen auf ihre Abholung warten. Die Aussicht aus 48 Metern Höhe habe ich mir trotz meiner Höhenangst nicht entgehen lassen. Und es hat sich gelohnt! Von dort oben hatte ich einen tollen Ausblick über die Stadt und das Volkswagen-Werk, am Horizont konnte man sogar den Harz erahnen.
AuslieferungsturmDie Technik in den beiden Türmen ist im wahrsten Sinne des Wortes rekordverdächtig. Die Autos werden von einer Art Fahrstuhlsystem aus ihren Stellplätzen geholt, um sie in das Kundencenter zu bringen. 2014 ist das System im Guiness Buch der  als schnellstes automatisches Parksystem der Welt ausgezeichnet worden.

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