Meine tote Topfpflanze

Am 17. März 2016 veröffentlicht von Erwin Völkening
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Erwins Pflanze

Ungefähr einmal im Monat begieße ich eine Pflanze auf meinem Fensterbrett – was völlig absurd ist, da die „Pflanze“ seit nunmehr zwei Jahren nicht viel mehr ist als ein verdorrter Stiel. Da ich auch vorher mit meinem „Einmal-im-Monat-gießen“ nicht der beste Gärtner war, ist das Gewächs schon längst vertrocknet.

Jeder weiß, dass Pflanzen Wasser zum überleben brauchen, doch warum genau ist das eigentlich so?

Die Antwort ist für viele mit Sicherheit keine besonders neue Erkenntnis: Pflanzen betreiben zum Überleben Photosynthese. Hierbei finden in den Blättern Prozesse statt, bei denen Lichtenergie in chemische Energie umgewandelt wird. Für die Reaktion zu den energiereichen organischen Produkten, die die Pflanze benötigt, werden in der Regel Wasser und Kohlenstoffdioxid verwendet. Darüber hinaus braucht die Pflanze auch deshalb Wasser, um im Boden enthaltene Mineralien aufzunehmen, aus denen sie Strukturen wie Rinde, Blätter oder Blüten aufbaut.

Kakteen, angepasst an extreme Bedingungen, wie Hitze und Wasserarmut

Doch der Wasserbedarf von verschiedenen Pflanzen unterscheidet sich enorm: Reis beispielsweise ist derart wasserbedürftig, dass er nur direkt im Wasser gedeihen kann, wohingegen zum Beispiel Kakteen aufgrund ihrer Eigenschaft, sich mit Wasser vollzusaugen und sich durch eine sehr dicke, beschichtete Schale vor dem Verdunsten des Wassers schützen zu können, sogar an extrem trockenen Orten gedeihen können.

Ein echter Überlebenskünstler ist die Rose von Jericho. Dieses Gewächs hat die verblüffende Eigenschaft, sich bei extremer Trockenheit einfach zusammenzurollen und ein beinahe komplettes Austrocknen so zu überstehen. Beim nächsten Regenschauer entfaltet sich die Pflanze. So kann die Rose von Jericho bis zu mehrere Monate ohne frisches Wasser auskommen.

Die Rose von Jericho, überlebt mehrere Monate ohne Wasser

Die Rose von Jericho, überlebt mehrere Monate ohne Wasser

Übertroffen wird diese Leistung allerdings von einem anderen Lebewesen: dem Bärtierchen. Diese winzigen Tiere (kleiner als ein Millimeter) haben im Laufe der Evolution erstaunliche Überlebenstricks entwickelt. Im effektivsten Zustand, dem sogenannten „Tönnchen“ können die Bärtierchen extreme Temperaturschwankungen, hohe Strahlungsdosen und auch einen absoluten Wassermangel überleben. Die Bärtierchen versetzen sich hierfür in einen Anhydrobiose genannten Zustand, in dem ihr gesamter Stoffwechsel auf null heruntergefahren wird. Im Extremfall kann ein Bärtierchen so mehrere hundert Jahre ohne Wasser überleben. Tatsächlich haben die Tiere bei einem Experiment sogar einen zehntägigen Aufenthalt im freien Weltraum überlebt!

Möglicherweise ist eine Pflanze nicht ganz das richtige für mich. Eventuell sollte ich mir lieber ein Haustier zulegen … vielleicht ein Bärtierchen oder so, das muss ich wenigstens nicht gießen.

Übrigens sind derartige Überlebenstricks auch für die Wissenschaft interessant. So besteht die Hoffnung, extreme Überlebenskünstler, wie das Bärtierchen, an den unwirtlichsten Orten auf der Erde und vielleicht sogar im All zu entdecken. Außerdem sollen die Selbstkonservierungsfähigkeiten des Tieres näher untersucht werden, um so die Haltbarkeit von Lebensmitteln oder die von Transplantationsorganen zu erhöhen.

Wer sich für solch spannende Dinge interessiert, sollte sich auf jeden Fall auch einmal mit Bereichen der Biologie jenseits der Schulbiologie auseinandersetzen. Denn diese gehen weit darüber hinaus, wie man beispielsweise Topfpflanzen richtig behandelt, und können, wie oben beschrieben, die verrücktesten und interessantesten Themen, wie sogar das Überleben im All behandeln!

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