So verändert das Klima unsere Erde (1)

Am 26. Mai 2016 veröffentlicht von Florian Feimann

Interview mit Dr. Michael Theusner, Meteorologe und wissenschaftlicher Ausstellungsleiter im Klimahaus Bremerhaven

Teil 1:

Anfang des Jahres hatte ich die Möglichkeit, das Klimahaus in Bremerhaven genauer kennenzulernen. Das eine einzigartige Wissens- und Erlebniswelt zu den Themen Klima, Klimawandel und Wetter. Auf 11.500 Quadratmetern Ausstellungsfläche besuchen unsere Gäste unterschiedliche Klimazonen entlang des achten Längengrades Ost, erfahren die Zusammenhänge zwischen Wetter und Klima, erforschen Hintergründe der Klimaveränderung und lernen, was jeder einzelne zum Klimaschutz beitragen kann. Dort habe ich den Meteorologen Dr. Michael Theusner kennengelernt,  mit ihm habe ich mich lange über die Folgen des Klimawandels unterhalten und das Interview für Euch aufgezeichnet.

 

Dr. Theussner im Wetterstudio - Klimahaus Bremerhaven

Dr. Theussner im Wetterstudio – Klimahaus Bremerhaven

Stellen Sie sich doch einmal kurz vor.

Mein Name ist Michael Theusner, ich bin Diplom-Meteorologe mit Promotion, und einer der wissenschaftlichen Ausstellungsleiter hier im Klimahaus. Davon gibt es insgesamt drei und wir sind für die inhaltliche Arbeit im Haus mitverantwortlich. Wir sorgen dafür, dass wissenschaftlich alles stimmt und entwickeln auch neue Ausstellungskonzepte mit. Ich mache auch viel Öffentlichkeitsarbeit und halte Vorträge.

Ich habe vorher als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Leibniz Universität Hannover am Institut für Meteorologie und Klimatologie gearbeitet. Ich wollte aber nicht direkt in der Forschung arbeiten, sondern mich interessiert die Vermittlung des Problems Klimawandel sehr.

Welche Möglichkeiten haben Sie dafür im Klimahaus?

In der gesamten Ausstellung bekommen die Besucher das schon mit. Die Stationen in der Reise zeigen, wie die Menschen vor Ort damit klarkommen müssen. Wir haben auch Bildungsprogramme für Schulklassen, aber natürlich auch für Erwachsene.

Die Reise durch das Klimahaus führt entlang des Längengrads 8 Grad und 34 Minuten Ost.

Die Reise durch das Klimahaus führt entlang des Längengrads 8 Grad und 34 Minuten Ost.

Vieles im Klimahaus dreht sich um das Phänomen Klimawandel. Wie kommt der zustande?

Man weiß inzwischen auf jeden Fall, dass die beobachtete Erwärmung, die es weltweit gibt –ungefähr ein Grad in den letzten hundert Jahren – voll auf das Konto der Menschen geht. Ganz genau kommt es durch die enorme Freisetzung von Treibhausgasen, vor allem von CO2. Dieses entsteht beim Verbrennen von Erdöl und Kohle und durch die Veränderung der Umwelt wie das Abholzen der Regenwälder. Natürlich gibt es auch einfach immer mehr Menschen, sodass auch immer mehr Energie erzeugt werden muss. Man muss sich also noch mehr anstrengen, um den CO2-Ausstoß zu senken.

Kann man abschätzen, wie die Zukunft der Erde aussieht, wenn wir nichts ändern?

Ja, dafür gibt es die Klimamodellrechnung, die sagt „was wäre, wenn …“. Da sieht man, dass, wenn wir nichts tun und alle Vorkommen von Erdöl und Kohle verbrennen, uns die Natur das Heft aus der Hand nimmt. Da kommen Prozesse in Gang, die wir nicht stoppen können. Beispielsweise das Auftauen des Permafrostes sowie die Freisetzung von CO2 und Methan aus den freigelegten Böden. Da werden Treibhausgase entfesselt, die die Erwärmung immer weiter verstärken und so die Prozesse immer weiter hochschaukeln. Letztlich kann das zu einer Umweltveränderung führen, die so groß ist, dass man es sich kaum vorstellen kann.

Der Tiefpunkt der letzten Eiszeit ist gerade mal 20.000 Jahre her und da war es global ungefähr 3,5 Grad kälter als heute. Der Eisschild über Skandinavien, den es heute nicht mehr gibt, reichte damals bis Hamburg. Das hat sich über tausende Jahre verändert, aber jetzt könnten wir die gleiche Temperaturänderung in hundert Jahren bekommen. Da kann man sich vorstellen, dass viele Pflanzen und Tiere gar nicht so schnell reagieren können. Das kann potentiell ein großes Massensterben verursachen, sofern man nicht rechtzeitig gegenarbeitet. Für uns Menschen hat das natürlich die gleichen Konsequenzen.

In 10-20 Jahren kommen auch immer Klimaprobleme hinzu und können Gründe für Flucht erzeugen, wenn es in bestimmten Regionen zum Beispiel immer wärmer wird und die Landwirtschaft dort Probleme bekommt.  Aber wenn wir es schon wissen, kann man ja auch etwas dagegen tun. Im IPCC Bericht kann man auch lesen, dass die meisten Nutzpflanzen nicht mehr in für sie optimalen Klimabedingungen angebaut werden und so eben auch der Ertrag abnimmt. Gegenden auf der Erde könnten praktisch unbewohnbar werden, weil es dort einfach so warm ist oder der Feuchtegehalt der Luft so ansteigen kann, dass wir dort unseren Körper durch Schwitzen nicht mehr kühlen können. Das sind die Extremszenarien, aber wir haben noch die Chance, diese zu vermeiden!

Kann der Klimawandel auch wirtschaftliche Folgen haben?

Es gab im letzten Jahr eine Veröffentlichung, in der man die Jahresdurchschnittstemperatur eines Landes mit der Pro-Kopf-Wirtschaftsleistung verglichen hat. Da sieht man, dass bei um 10 Grad die Wirtschaftsleistung am höchsten ist. Bei niedrigeren oder höheren Temperaturen nimmt die Wirtschaftsleistung ab. Wir in Deutschland haben ungefähr diese 10 Grad. Und wenn es in einem Land wirtschaftliche Veränderungen gibt, gibt es meist auch gesellschaftliche Änderungen und die Menschen verlassen diese Regionen.

Wie weit könnte man denn die Erderwärmung im besten Fall verringern?

Der beste Fall ist inzwischen schon das 2-Grad-Ziel. Nach meiner Einschätzung kann man weniger nicht schaffen. Dazu muss man sich nur die aktuelle Entwicklung angucken. Wir haben jetzt etwa 1,15 Grad über dem vorindustriellen Wert erreicht. Wenn man sich diesen Trend anschaut und ihn einfach so fortschreibt, wie er in den letzten 40 Jahren war, würde das 1,5-Grad-Ziel, wie es auch in Paris diskutiert worden ist, 2035 erreicht werden. Selbst mit dem sogenannten RCP 2,6 Szenario, das praktisch das optimale Szenario darstellt, würde man dieses Ziel wohl kaum schaffen. Klar wäre es schön, wenn wir es erreichen würden, weil es uns viele Probleme ersparen würde, aber es ist leider unrealistisch. Das 2-Grad-Ziel kann man noch erreichen, da die Erde so langsam auf die Freisetzung der Treibhausgase reagiert. Selbst wenn wir hypothetisch jetzt sofort alles auf Null setzen würden, heißt es ja nicht, dass die Erwärmung sofort gestoppt würde. Das ist das Problem, das wir mit der Freisetzung von CO2 in Gang gesetzt haben. Man sieht erst einmal 40 oder 50 Jahre kaum etwas und hat trotzdem schon vieles ausgelöst, was man nicht mehr aufhalten kann.

Die meisten Leute beschäftigen sich im Alltag ja gar nicht mit dem Thema. Viele haben auch andere Probleme in ihrem Alltag und beschäftigen sich nicht damit, was einen scheinbar nicht selbst betrifft. Das macht es umso schwieriger, deutlich zu machen, dass man ganz dringend etwas ändern muss. Deshalb ist es wichtig die Vorteile deutlich zu machen: ein gesünderes Leben, vielleicht zahlt man letztendlich auch weniger und unabhängig zu sein vom arabischen Erdöl – was ist daran schlecht?

Es gibt auch Menschen, gerade in den USA, die den Klimawandel anzweifeln. Was sagen sie denen?

Man sollte sich einfach mal die weltweiten Änderungen angucken und sehen, was so alles schon passiert. Davor die Augen zu verschließen, ist fatal. In diesen Regionen wird dann auch einfach nichts getan. Eine Stadt wie Miami zum Beispiel ist dauerhaft nicht zu retten. Wenn man nichts tut, kann es schnell auch zu regionalen Zusammenbrüchen kommen. Nachweislich werden Politiker, die den Klimawandel bezweifeln, von den großen Öl- und Kohlefirmen bezahlt und machen dann entsprechend diese Politik.

Das ist der erste Teil des Interviews mit Dr. Theusner. Im zweiten Teil geht es um die verschiedenen extremen Wetterphänomene, die durch den Klimawandel vermehrt auftreten. (Zum Interview Teil 2)

 

Eindrücke meines Besuchs im Klimahaus:

Aquarien mit 1 Million Liter Wasser sind Teil des Klimahauses.

Entlang des 8. Längengrades im Klimahaus – Aquarien mit 1 Million Liter Wasser sind Teil der Ausstellung.

Auf Samoa finden die Besucher einen Einbaum und die traditionelle Behausung Fale.

Entlang des 8. Längengrades im Klimahaus – Auf Samoa finden die Besucher einen Einbaum und die traditionelle Behausung Fale.

Bildquellen: Florian Feimann

 

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