So verändert das Klima unsere Erde (2)

Am 7. Juni 2016 veröffentlicht von Florian Feimann

Interview mit Dr. Michael Theusner, Meteorologe und wissenschaftlicher Ausstellungsleiter im Klimahaus Bremerhaven

Teil 2:

Der erste Teil meines Interviews hat sich vor allem mit dem Klimawandel im Allgemeinen befasst. Im zweiten Teil sprechen wir heute über extreme Wetterphänomene, die durch den Klimawandel gehäuft auftreten. (zum Interview Teil 1)

Dr. Theussner im Wetterstudio - Klimahaus Bremerhaven

Dr. Theussner im Wetterstudio – Klimahaus Bremerhaven

Der Klimawandel sorgt für extreme Wetterphänomene auf der Erde. Wie sehen die aus?

Wir sehen immer häufiger Hitzerekorde und extreme Temperaturunterschiede. Im letzten Sommer gab es die deutschlandweite Höchsttemperatur in Bayern mit 40,3 Grad – und das auch zwei Mal. Da lagen wir hier in Norddeutschland an einer Grenze. In Skandinavien war es zu der Zeit relativ kalt, im Süden Europas bis zur Mitte Deutschlands war es sehr lange sehr heiß. Wir lagen an einer Wettergrenze zwischen den beiden Extremen.

Diese Extreme hängen mit diesen blockierten Wetterlagen zusammen, die es möglicherweise durch die globale Erwärmung auch häufiger gibt als früher. Dabei bewegen sich die Hochdruckgebiete und Tiefdruckgebiete nicht mehr richtig weiter. Wenn dann ein Hoch über zwei, drei Wochen an einer Stelle liegt, kann es jeden Tag immer heißer werden. Wenn es sich dann ändert, gibt es extreme Temperaturumschwünge.

Wieso treten diese blockierten Wetterlagen nun so häufig auf?

Es gibt Hinweise darauf, dass diese blockierten Wetterlagen auch mit der starken Erwärmung der Arktis und der Veränderung des arktischen Meereises zu tun haben könnten. Es gibt ein kompliziertes Zusammenspiel, wodurch der Jetstream sehr große Wellenbewegungen macht. Diese großen Wellen haben die Eigenschaft, eher stehenzubleiben und sich nicht weiterzubewegen. In den Wellenbergen sitzen dann praktisch Hochdruckgebiete, die weit nach Norden strömen und an anderer Stelle lenken die Tiefdruckgebiete die Kaltluft aus der Arktis heraus. So strömt massiv Warmluft in die Arktis herein und dort, wo die Kaltluft hinfließt, ist das Wetter zu kalt und die Arktis dagegen viel zu warm. Das ist so, als würde man die Kühlschranktür offen lassen. Diese blockierten Wetterlagen sind eine ganz normale Wetterlage, die es jetzt viel häufiger gibt. Die Hintergründe werden aktuell erforscht.

Wie macht man das genau?

Man versucht das vor allem mit Klimamodellen nachzuvollziehen. Wenn man die beobachtete Eisbedeckung in das Modell einsetzt und andere Messwerte vorgibt, kann man nachvollziehen, dass sich tatsächlich mehr dieser blockierten Wetterlagen entwickeln können. Dadurch kann man auch bestimmt sagen, dass die Ursache die globale Erwärmung ist. Die heute niedrigere Eisbedeckung ist auf die globale Erwärmung, und damit auf uns Menschen zurückzuführen.

Man kennt die Klimamodelle und ihre Schwächen sehr gut. Man kann einfach mal die CO2-Konzentration belassen wie sie früher war und gucken, wie häufig dann extrem hohe Temperaturen auftreten. Lässt man die Klimamodelle mit der beobachteten, höheren Treibhausgaskonzentration rechnen, sieht man dann, dass die Wahrscheinlichkeiten für solche Temperaturrekorde erheblich gestiegen sind, weil so viel CO2 da ist und die Atmosphäre viel wärmer ist.

Jedes Wetterphänomen findet in der Atmosphäre statt und die ist nun mal anders als früher. Letztlich ist also jedes Wetterphänomen vom Klimawandel betroffen, aber das muss sich ja nicht sofort sichtbar auswirken. Auch Niederschläge können dann potentiell stärker ausfallen und das beobachtet man auch so.

Welche Phänomene gibt es noch?

Man beobachtet mittlerweile größere Schneestürme mit Rekordschneemengen in den USA. Aber die Wassertemperaturen im Atlantik sind zum Teil nur drei Grad wärmer als früher. Die Tiefdruckgebiete drehen sich im Uhrzeigersinn, sodass es viel mehr Warmluft vom Atlantik ansaugt und wenn diese Luft auf die Kaltluft trifft, gibt es größere Schneemengen. Es gibt mehr Schnee, weil sich die Atmosphäre erwärmt. Paradox, oder? Die Ozeane entziehen der Atmosphäre einen Großteil der Wärme und bewahren uns so davor, dass sich die Atmosphäre noch stärker erwärmt. Etwa 90 Prozent der Energie, die durch die Treibhausgase zusätzlich in der Atmosphäre ist, verschwindet in den Ozeanen.

Wirken sich die warmen Ozeane auch anders aus?

Das sieht man auch bei den tropischen Wirbelstürmen. Es gibt nicht unbedingt mehr, aber die Stärke der starken Wirbelstürme nimmt zu, weil sie die Energie aus dem warmen Meerwasser aufnehmen. Fidschi hatte vor Kurzem den stärksten bekannten Wirbelsturm der südlichen Hemisphäre und ist frontal davon getroffen worden. Im Pazifik gab es im letzten Jahr so viele Wirbelstürme wie noch nie zuvor, viele davon extrem Stark. Das hängt aber auch mit dem Wetterphänomen El Niño zusammen.

Gibt es auch Regionen, in denen es durch den Klimawandel kälter wird?

Es gibt viele Regionen auf der Welt, in denen es rekordwarm ist, aber im Nordatlantik ist es rekordkalt gewesen im letzten Jahr. Da ist es seit einigen Jahren eigentlich immer zu kalt. In Grönland schmilzt durch die globale Erwärmung sehr viel Festlandseis. Das fließt in den Nordatlantik und kühlt praktisch den Nordatlantikstrom. Bei uns ist es aber trotzdem viel zu warm. So wird der Temperaturunterschied immer größer, was dort die Entstehung von Tiefdruckgebieten begünstigen kann.

Wir haben jetzt viel darüber geredet, was die Menschen angerichtet haben. Wie kann man am besten helfen, die Folgen zu begrenzen?

Möglichst wenig CO2 freisetzen heißt die Antwort, also zügig von den Fossilen Energieträgern Kohle, Erdöl und Erdgas wegkommen und die unerschöpflichen, regenerativen Energieformen verwenden. Das hat für uns einen enormen, langfristigen, gesellschaftlichen Nutzen. Weltweit. Abgesehen von der globalen Erwärmung durch das CO2 werden bei der Verbrennung der fossilen Energieträger auch so unglaubliche Mengen an Schadstoffen freigesetzt, dass es allein schon deswegen besser wäre, von ihnen weg zu kommen. Da hätte man sich auch gleich diverse Abgasskandale gespart.

Vielen Dank für das Gespräch und Ihr Fachwissen!

 

Eindrücke meines Besuchs im Klimahaus:

Im Bereich Antarktis herrschen minus sechs Grad.

Entlang des 8. Längengrades im Klimahaus – Im Bereich Antarktis herrschen minus sechs Grad.

Lebende Tiere wie dieser Leguan finden sich in allen Klimabereichen.

Entlang des 8. Längengrades im Klimahaus – Lebende Tiere wie dieser Leguan finden sich in allen Klimabereichen.

 

Die Flora und Fauna unterschiedlicher Klimaregionen sind im Klimahaus zu finden.

Entlang des 8. Längengrades im Klimahaus – Die Flora und Fauna unterschiedlicher Klimaregionen sind im Klimahaus zu finden.

Fotos: Florian Feimann

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