Copy and Paste: Klonen

Am 5. Oktober 2016 veröffentlicht von Erwin Völkening

Markus und Stefan sind Brüder. Markus interessiert sich für Astronomie und Fußball, während Stefan lieber angeln geht. Markus isst gerne Nudeln und Stefan gerne Pizza. Zwei normale Brüder mit unterschiedliche Interessen und Hobbies. Doch schon auf den ersten Blick sieht man, dass die beiden mehr gemeinsam haben: Markus und Stefan sind eineiige Zwillinge. Sie sind kurz nacheinander zur Welt gekommen und ähneln sich körperlich sehr.

Der Grund für diese Übereinstimmung ist, dass eineiige Zwillinge die gleiche Erbinformation, also die gleiche DNA, in sich tragen. Die DNA ist quasi der „Bauplan des Lebens“. In ihr ist festgeschrieben, wie ein Mensch aussieht, welche Haarfarbe er hat, welche Augenfarbe und so weiter. Haben zwei Menschen die gleiche DNA, sehen sie also prinzipiell auch gleich aus.
Im letzten Jahrhundert hat die Wissenschaft damit begonnen, dieses Phänomen künstlich zu reproduzieren. Man unternahm Experimente, um aus der DNA eines Tieres eine Kopie zu erzeugen. Dieser Vorgang ist uns heute als Klonen bekannt. Tatsächlich sind Zwillinge streng genommen nichts anderes, als natürliche Klone.MikroskopDen meisten ist im Zusammenhang mit der Klon-Forschung das Schaf Dolly bekannt, das erste künstlich geklonte Säugetier. Aber die Entwicklung ist fortgeschritten. Inzwischen hat sich eine regelrechte Klon-Industrie entwickelt, bei der Zuchtrinder, Rennpferde oder Haustiere geklont werden. Um ein Lebewesen zu klonen, wendet man das Verfahren des sogenannten „Nukleustransfers“ an. Übersetzt heißt das so viel wie „Kernübertragung“. Beim Nukleustransfer wird der Zellkern aus einer der Zellen des zu klonenden Lebewesens entnommen und in eine unbefruchtete Eizelle verpflanzt. Der Klon wird dann von einer Leihmutter ausgetragen und kommt normal zur Welt.

Neben dieser Art des Klonens – dem reproduktiven Klonen – bei der ein Lebewesen quasi „kopiert“ wird, gibt es das so genannte regenerative Klonen, das für medizinische Zwecke immer wichtiger wird. Hierbei gibt es zwei grundsätzliche Ansätze: Zum einen können aus den Zellen eines Patienten gezielt Organe nachgeklont und so ersetzt werden. Sobald diese Richtung ausreichend erforscht ist, wird dieser Weg eine Möglichkeit sein, Spenderorgane zu erzeugen, deren DNA der des Spenders exakt gleicht. Dies verhindert, dass die Organe abgestoßen werden. Mithilfe der regenerativen Medizin könnten sich so zum Beispiel auch Krankheiten wie Parkinson oder Querschnittslähmung heilen lassen. Zum anderen gibt es den Ansatz der Xenotransplantation („xeno“ = „fremd“), bei dem die Organe von Tieren durch genetische Modifikation mit dem Erbgut des Spenders so verändert werden, dass sie vom Körper ebenfalls nicht mehr abgestoßen werden und so eine Quelle für Spenderorgane darstellen können. Allerdings sind hier noch einige Hürden zu überwinden, wie beispielsweisedas Risiko von Vireninfektionen durch tierische Erreger zu verhindern.

Alles in allem bietet das Klonen viele Möglichkeiten für Forschung, Wirtschaft und Medizin. Dabei spielen aber auch moralische Fragen eine wichtige Rolle: Darf man überhaupt klonen? Ist es in Ordnung, menschliche Zellen zu verwenden? Und – ganz wichtig: Ist es eigentlich vertretbar, Menschen zu klonen?

Antworten darauf werden sich im Laufe der Jahre und Jahrhunderte wohl immer wieder ändern. Die Frage ist, inwiefern die Klontechnik Fluch oder Segen ist. Wenn sich hier gute Wissenschaftler finden, die das technisch Mögliche mit dem ethisch Erforderlichen verbinden, könnte uns das in vielen Lebensbereichen ein ordentliches Stück nach vorne bringen.

Deshalb werden hier immer wieder gute Forscherinnen und Forscher gebraucht, die die Klontechnik zu einem Mehrwert für die Menschheit machen können – Markus und Stefan und wir alle werden ein Auge darauf haben.

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