Polyurethan – Dieser Kunststoff ist einfach überall!

Am 8. Juni 2017 veröffentlicht von Katrin Janke

Ich war auf Erkundungstour durch die BASF Polyurethanes in Lemförde bei Osnabrück. Die BASF ist der größte Chemiekonzern der Welt. In Zahlen gesprochen: mehr als 110.000 Mitarbeiter an über 350 Standorten weltweit. Gleich am Eingang wehen sechs bunte Flaggen, alle mit dem Firmenmotto „We create chemistry“ beschriftet. Beim Werkschutz bekomme ich einen eigenen Besucherausweis und schon geht es los.

Ein gut ausgeschilderter Weg führt zur BASF in Lemförde.

Ein Tag als Chemielaborant auf der Messe
Die BASF in Lemförde ist auf Polyurethane spezialisiert, was der Name ja schon verrät. Polyurethane, kurz PU oder PUR, sind Kunststoffe, die aus einer chemischen Reaktion von Polyolen und Polyisocyanaten gewonnen werden. Dieser Prozess wird Polyadditionsreaktion genannt.
Angela, die Verantwortliche für Personalmarketing, begleitet mich durch den Tag. Sie erzählt mir vom Unternehmen und von dem Programm für die IdeenExpo.
Bei einem gemeinsamen Stand in der LifeScienceArea wird erstmals ein 360°-Film gezeigt, der den Ausbildungsberuf Chemielaborant an der BASF und zwei weitere “chemische“ Berufe in anderen Unternehmen vorstellt. Außerdem können Besucher der IdeenExpo selber experimentieren. Mit der Unterstützung durch die Ausbilderin Manja und drei Azubis der BASF Lemförde soll dieses Mal erforscht werden, warum Obst und Gemüse so bunt und gesund sind.

Auf den ersten Blick wird klar – Polyurethan ist in vielen Alltagsgegenständen enthalten.

Komplizierter Name, einfache Benutzung
Unser erster Anlaufpunkt auf dem 35 ha großen Gelände ist der Showroom. Dort gibt es reichlich Kunststoff: zum Anschauen, Anfassen und Ausprobieren. Sofort wird mir klar: Polyurethan ist im Alltag von jedem wiederzufinden. Am meisten wird es zur Dämmung von Häusern und bei der Herstellung von Autoteilen wie beispielsweise dem Lenkrad, dem Schalthebel oder den Sitzpolstern genutzt. Außerdem enthalten viele Spezialartikel den besonderen Kunststoff. Auch in der Freizeit darf PU nicht fehlen: die Sohle von Schuhen, Gummistiefel und Skiern und noch vieles mehr werden daraus hergestellt.

Der „Walk of Foam“ im Showroom – der Schaum-bepflasterte Weg.

So vielfältig wie Polyurethan sind auch die Ausbildungsmöglichkeiten
Bei Polyurethan werden grundsätzlich zwei Arten unterschieden – weich und hart, oder geschäumt und kompakt. Bei den Schäumen kann noch in „offenzellig“ und „geschlossenzellig“ unterschieden werden. Die offenzelligen Schäume eignen sich aufgrund ihrer Elastizität für Möbel und Matratzen. Die geschlossenzellige Variante findet in der Wärme- und Kältedämmung Anwendung, denn durch die Geschlossenzelligkeit wird die Wärmeleitung verhindert.

Nachdem ich weiches und hartes Polyurethan mit Händen und Füßen erlebt habe, machen wir uns auf den Weg ins Ausbildungslabor.
Mit einer Schutzbrille ausgestattet, betreten wir den Raum. Mehrere Chemielaboranten-Azubis hantieren mit Kolben herum, welche mit durchsichtiger Flüssigkeit gefüllt sind. Zurzeit bereiten sie sich auf ihre Abschlussprüfung in ein paar Wochen vor. Als ich eine zukünftige Chemielaborantin anspreche und sie nach dem Vorgang frage, klingt erst einmal alles kompliziert. Doch nach einiger Erklärung verstehe ich es: Durch Verdünnung soll der Anteil an Säure in der Flüssigkeit bestimmt werden. Alle Azubis haben dieselbe Aufgabe nur mit anderem Anteil an Säure in der Flüssigkeit. Diese und ähnliche Aufgaben bekommen die Azubis täglich und bereiten sich so optimal vor. Während der Ausbildungszeit verbringt ein Chemielaborant ein Drittel der Zeit im Ausbildungslabor, ein Drittel in der Facheinheit und ein Drittel in der Berufsschule. Später im Beruf wird die Laborarbeit einen großen Anteil neben Büro- und Technikumsarbeit ausmachen.
Die BASF Lemförde bietet neben sieben verschiedenen Ausbildungsberufen, wie Produktionsfachkraft in Chemie, Chemielaborant, Chemikant, Industriekaufmann, Kaufmann für Büromanagement, Industriemechaniker und Elektroniker in der Fachrichtung Betriebstechnik, vier duale Studiengänge in den Bereichen Maschinenbau, Wirtschaftsingenieurwesen, Administration und Informationstechnologie an. Azubis werden sofort in die große BASF-Familie integriert und arbeiten als vollwertiges Mitglied des Teams.

Eine Auszubildende bei der Arbeit im Chemielabor.

In der Forschung
Dem Ausbildungslabor folgt das Forschungslabor. Dieses ist immer gut verschlossen, einen Schlüssel haben nur autorisierte Personen. Eine davon ist die Ausbilderin Manja, welche bei der IdeenExpo beim Experimentieren mithelfen wird und auch eine Rolle im 360°-Film spielt.
Wir setzen wieder die Schutzbrillen auf, der Hinweis auf der Tür dazu ist nicht zu übersehen, und betreten den Raum. Manja möchte uns zeigen, woran sie gerade arbeitet und öffnet einen der Behälter. Dort gießt sie etwas hinein. Schnell verschließt sie den Behälter wieder und stellt ihn in eine Maschine, welche die Stoffe in einem dichten Vakuum-Raum vermischt. Durch eine passende Rezeptur kann im Voraus festgelegt werden, welche Eigenschaften das Produkt haben wird, zum Beispiel wie schnell der fertig gemischte Kunststoff trocknet.

Endspurt als Azubi – bald steht die Abschlussprüfung an.

Die mischende Vakuum-Maschine hat ihr Werk vollbracht und die fertige Masse wird in eine offene Form gegossen. Manja hat die Form bereits im Voraus auf die Heizplatte gestellt, sodass der Härtungs-Prozess sehr schnell geht und ich bald die fertig getrocknete Kunststofffolie begutachten kann. Sehr elastisch, das muss man schon sagen.
Zum Schluss präsentiert uns Manja zwei Kunststoffbälle – einen roten und einen blauen. Gleiches Gewicht, gleiche Beschaffenheit, keine Unterschiede. Doch der Schein trügt. Ich soll jeden der Bälle jeweils in eine Hand nehmen und diese aus gleicher Höhe auf den Boden fallen lassen. Zu meiner Überraschung bleiben nicht beide Bälle unten. Der blaue Ball hüpft meiner Hand wieder freudig entgegen. Es läge an einer neuen Rezeptur, die sie erforscht, lässt uns Manja wissen. Dabei werde der Rückprall des Balles durch bestimmte Komponenten verstärkt.

Schutzbrille im Forschungslabor und feste Schuhe und Hose im Technikum.

Innovativer Laufschuh
Stärkung ist das richtige Stichwort. Nachdem wir in der Kantine zu Mittag essen und wieder neue Kräfte getankt haben, geht es zu unserer letzten Station des Tages – zum Technikum. Mir werden die großen komplexen Maschinen präsentiert, Granulat-Kügelchen zum Anfassen gegeben und vorgefertigte Schuhsohlen aus Polyurethan gezeigt. Während im Forschungslabor das Augenmerk auf Innovation und Erforschung gerichtet ist, geht es im Technikum um die Entwicklung von „maßgeschneiderten“ Produkten gemäß dem Kundenwunsch.
Eine Etage höher wird mir abschließend die neueste Innovation von BASF Lemförde vorgestellt – Infinergy. Das ist expandiertes thermoplastisches Polyurethan (E-TPU), welches seine erste Verwendung in der Zwischensohle des neuen „Energy Boost“-Laufschuhs von adidas gefunden hat. Das besondere an Infinergy ist die einzigartige Mechanik, die gleichzeitig sehr elastisch und temperaturresistent ist. Diese Kombination führt zu einer hohen Rückprallelastizität und ist somit ideal für einen Laufschuh.
In einem speziellen Raum wird mir der Entstehungsprozess von Infinergy vorgeführt: Die aufgepoppten „Granulat-Kügelchen“ werden durch einen Schlauch zwischen zwei Metallplatten eingeblasen. Anschließend findet die Zufuhr von Dampf und Druck statt. Dieser Vorgang erfordert Gehörschutz, weil “dampfender Druck“ laut ist. Nach zwei bis drei Minuten wird der Kunststoff mit Wasser gekühlt und das fertige Produkt fällt aus den geöffneten Metallplatten heraus. Ich darf den besonderen Kunststoff anfassen und fühle eine warme, feuchte Schaumstoffmasse. Damit endete mein aufregender Tag bei der BASF Polyurethanes.

Der Werbebanner für Infinergy.

Wer hätte gedacht, dass Kunststoff aus Polyurethan so vielfältig ist und eine so wichtige Rolle in unserem Alltag spielt. Wer Interesse daran hat, einen Einblick in den Ausbildungsberuf des Chemielaboranten zu bekommen, die BASF näher kennenzulernen oder einfach Lust hat, etwas Neues über gesundes und buntes Gemüse zu erfahren, sollte dem Stand bei der IdeenExpo unbedingt einen Besuch abstatten.

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