Die Krabbelmonster aus der Autostadt

Am 22. Juni 2017 veröffentlicht von Erwin Völkening

Es ist IdeenExpo! Als gewissenhafter Blogger habe ich mir natürlich vorgenommen, euch so viel wie möglich von der Veranstaltung zu berichten. Mal ein Artikel zu jenem Stand, mal ein kurzer Text zu dieser tollen Idee oder einfach nur ein kleines Interview. Beim Schlendern durch die IdeenHallen und bei Highlights, wie dem Besuch der Veranstaltung mit meinem besten Freund am Tag seiner Abi-Entlassung (Damit er sich direkt schon mal einen Berufszweig für die Zukunft raussuchen kann – der Junge soll ja was Anständiges werden!), ist mir dann, je weiter die IdeenExpo voranschritt, irgendwann aufgefallen, dass ich hauptsächlich einfach ziellos auf der Veranstaltung rumrenne, tolle Exponate anschaue und sehr nette Leute kennenlerne, anstatt meiner journalistischen Pflicht nachzukommen. Dementsprechend gibt es meinen Artikel nach Ende der IdeenExpo, denn wie der Volksmund so schön sagt, kommt doch das Beste zum Schluss!

Also folgendes: Ich möchte über Insektenroboter sprechen. Beziehungsweise, ich möchte über etwas sprechen, dass von allen Beteiligten liebevoll als Insektenroboter bezeichnet wird, was allerdings streng genommen weder ein Insekt noch ein Roboter ist.

Die Konstruktionen um die es gehen soll, erblicken am Stand der Autostadt auf der IdeenExpo das Licht der Welt. Die sechsbeinigen Krabbelmonster kommen in verschiedenen Größen vor und bewegen sich, anders als man es vielleicht bei der Auto(!)stadt erwartet, nicht auf Rädern, sondern mit Hilfe eines solarbetriebenen Motors im „Körper“ der Insekten, der eine Unwucht zur Rotation bringt und die kleinen Käfer so über eine glatte Fläche vibrieren lässt.

Das ist ja grundsätzlich schon mal nett, aber vielleicht nicht direkt ein Grund für einen Artikel. Nein, die Existenzberechtigung dieses Textes speist sich aus einer anderen Information: Denn die Insektenroboter krabbeln nicht einfach auf dem Stand herum, sondern sie werden in einem Mini-Workshop von den Besuchern selbst hergestellt. Und dabei kommt es auf eine Menge Geschick und Kreativität an, wie ich dem Fertigungsverfahren, das ich im Rahmen meiner „Industriespionage“ für den IdeenFinderBlog in Erfahrung bringen konnte, entnehmen kann.
Im ersten Schritt werden Kupferdrahtstäbe in Form gebogen und entsprechend der gewünschten späteren Beinlänge der Krabbler gekürzt.

Als nächstes wird ein kleiner Elektromotor an eine Solarzelle über ein Kabel angelötet. Danach sind Sorgfalt, Schnelligkeit und Geduld gefragt: Denn nur wer Körper und Beine des Insektenroboters sorgfältig zusammenklebt, schnell genug arbeitet, bevor der Heißkleber abkühlt und geduldig wartet, bis alles fixiert ist, kann am Ende einen fertigen Insektenroboter in Händen halten. Am Schluss werden die Beinchen noch zu recht gebogen und ein Paar Fühler wird angebracht. Fertig ist ein in echter Handarbeit hergestelltes Einzelstück, dass die Besucher behalten und mit nach Hause nehmen dürfen.

Auf dem gesamten Stand der Autostadt geht es viel um eigenverantwortliches Arbeiten. Dabei werden sowohl Kenntnisse über Werkstoffe und Verfahren vermittelt, als auch Soft Skills, wie Geduld und Resilienz. Bei einem anderen Workshop auf dem Stand beispielsweise, geht es um einen Miniaturauto-Wettrennen, bei dem die verschiedenen Teams ihre Fahrzeuge immer weiter optimieren und am Ende gegeneinander antreten lassen. Und das Beste ist: Auch wenn die IdeenExpo vorbei ist, gibt es in der Autostadt in Wolfsburg immer noch die Möglichkeit, an einer Vielzahl interessanter und technisch orientierter Workshops teilzunehmen. Das gilt auch für besagtes Autorennen und das funktioniert so gut, dass wir sogar einen Artikel darüber im IdeenFinderBlog haben.

Wie ihr seht, ist mein Artikel zwar spät, aber deshalb nicht weniger aktuell! Denn die IdeenExpo ist zwar nur alle zwei Jahre, aber Wissenschaft und Technik werden immer gebraucht!

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