Mit Gift ins Radio – Mein Besuch beim Deutschlandfunk

Am 15. März 2018 veröffentlicht von Erwin Völkening

Vor einiger Zeit habe ich bei Unicode, das heißt, bei der Organisation, die die digitale Codierung für Schriftzeichen festlegt, einen Gift-Emoji eingereicht. Mein Antrag wurde zwar abgelehnt, sodass mein Vorschlag nicht auf eurem Handy zu finden ist, aber dafür hat sich durch meine Einreichung zufällig eine ganz andere, tolle Gelegenheit geboten!

Ich erhielt vor ein paar Wochen eine Email von der IdeenExpo, in der es hieß, dass sich der Deutschlandfunk Nova per Mail nach mir bezüglich des Emojis erkundigt hätte. Sucht man nämlich online nach meinem Namen, erscheint ganz oben dieser wunderbare Blog hier. Ich hab also bei dem zuständigen Redakteur des Radiosenders angerufen und erklärt, dass sie den richtigen Erwin gefunden haben. Da es nicht besonders viele Leute gibt, die ihre Freizeit für so einen Quatsch wie die Einreichung eines Emoji-Vorschlags verpulvern, hat man mich dann prompt zu einem Interview beim Deutschlandfunk Nova eingeladen.
Als der renommierte Top-Journalist, der ich ohne Zweifel bin, habe ich natürlich eins und eins zusammengezählt und erkannt, dass ich für den IdeenFinderBlog über MINT-Themen schreibe und Technik beim Radio ja nun nicht unterrepräsentiert ist (Na gut… Eileen von der IdeenExpo hatte die Idee, aber ich wäre da bestimmt auch drauf gekommen!). Also habe ich vorgeschlagen, dass Interview nicht per Standleitung von Zürich aus, sondern vor Ort im Funkhaus Berlin des Deutschlandradios zu führen und deren Pressestelle gebeten, mir eine kleine Recherche vor Ort zu ermöglichen.
Glücklicherweise hat das alles geklappt und ich habe mich wenige Tage später in meinen Flieger nach Berlin wiedergefunden.

Angekommen im Funkhaus habe ich mich dann mit dem Betriebsingenieur Frank Schönsee aus dem Bereich Sendung und Produktion getroffen und gemeinsam mit ihm den Standort erkundet.

Blogger Erwin und Moderator Dominik Schottner von Deutschlandfunk Nova.

 

Unter dem Dach des Funkhaus Berlin sind gleich zwei Sender des Deutschlandradios untergebracht: der Deutschlandfunk Nova und ganz primär der Deutschlandfunk Kultur. Ursprünglich hat das unter Denkmalschutz stehende Gebäude den „Rundfunk im amerikanischen Sektor“, kurz RIAS, beherbergt und stellt nun seit 1993 zusammen mit dem Funkhaus Köln die Heimat der bundesweit empfangbaren Sender des Deutschlandradios dar.

Der Schriftzug “RIAS” ist noch immer auf dem Gebäude des Deutschlandfunk zu finden.

 

Zuerst durfte ich mir den Bereich Audioproduktion und das angeschlossene Sendestudio des Deutschlandfunk Nova anschauen. Dort werden sowohl Sendungsbeiträge (wie später auch mein Interview) aufgenommen als auch bearbeitet. Außerdem werden von dort aus auch einige Sendungen live ausgestrahlt. Eigentliche Heimat des Deutschlandfunk Nova ist das Funkhaus in Köln, doch zufälligerweise wurde der Sendebetrieb gerade mal zwei Tage vor meinem Besuch erweitert, sodass die Sendung, bei der ich zu Besuch sein sollte – „Ab 21“ – nun von Berlin aus ausgestrahlt wird. Damit das Senden von mehreren Standorten reibungslos funktioniert, setzen die öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten in Deutschland auf ein bundesweites System namens HYBNET (hybrides Breitbandnetz), das die verschiedenen Sender mit einem leistungsstarken Glasfasernetz verbindet. Auf diese Weise ist der Sendebetrieb von verschiedenen Orten in der Bundesrepublik aus in gleichbleibender Qualität möglich.

Der Deutschlandfunk ist sich seiner analogen Geschichte bewusst – und zeigt diese auch seinen Besuchern.

 

Doch was ist eigentlich im Normalfall notwendig, damit der Ton vom Studio überhaupt ins Radio kommt? Nun, zuerst einmal wird der Ton in ein elektrisches Signal umgewandelt, dann über das HYBNET an die Erdfunkstelle im hessischen Usingen übermittelt und von dort per Satellit an Sendemasten in ganz Deutschland übertragen. Dort wird das Signal dann in Form von elektromagnetischen Wellen analog verbreitet. Dafür, so erklärte es mir Frank Schönsee, gibt es zwei gängige Verfahren, um die Informationen zu codieren: AM und FM. Bei beiden Verfahren geht es darum, eine Trägerfrequenz zu modifizieren, um die notwendige Audiofrequenz darin übermitteln zu können. Das erste Verfahren, AM, steht für Amplitudenmodulation. Bei diesem Verfahren wird die Trägerwelle, das ist die Frequenz die man am Radio einstellt, mit dem deutlich niederfrequenteren Nutzsignal in ihrer Maximalauslenkung modifiziert (das heißt, die Wellenberge und -täler werden verändert. Der ursprünglich „glatte“ Wellenberg wird – vereinfacht gesagt – so manipuliert, dass er die Auslenkungen der Audiowelle abbildet). Das zweite Verfahren, FM, steht für Frequenzmodulation. Hierbei wird nicht die Amplitude, sondern die Frequenz der Radiowelle verändert. Der Sender sendet also nicht nur auf der exakten eingestellten Frequenz, sondern auf einer gewissen Bandbreite darum herum. Die unterschiedlichen Frequenzen stehen dabei für unterschiedliche Audio-Outputs. Das Empfangsgerät liest also quasi die Unterschiede in der Frequenz und übersetzt diese in Schwingungen der Lautsprechermembran – also in Schall.
Der Deutschlandfunk Nova sendet übrigens gar nicht auf diese (klassische) Weise! Immer mehr Radiosender setzen auf andere, digitale Sendeverfahren und der DLF Nova gehört dazu. Satellitengestützte Verfahren wie DVB-S ermöglichen es dem Deutschlandradio sogar, einige Sendungen in Surround-Qualität auszustrahlen.

Die Produktion – hier wird Radio gemacht.

Ganz wichtig: Die Regler.

 

Eine hohe Sendequalität nützt natürlich aber nichts, wenn das Ausgangsmaterial nicht bereits in hoher Qualität vorliegt. Aus diesem Grund ist ein Radiostudio vollgestopft mit Technik. Aber: Laut dürfen die Computersysteme natürlich nicht sein, weswegen die gesamte Rechenleistung früher in einem separaten Raum abgewickelt werden musste und heutzutage über spezielle lüftungsfreie Systeme geschieht. Ein Radiomoderator muss auf mehr Dinge achten, als man zuhause am Empfangsgerät denkt. So muss er beispielsweise stets den Aussteuerungsmesser im Blick behalten, der die Einhaltung der Pegelvorgaben überwacht. Ein Radiosender darf sowohl von der Signalstärke her einen gewissen Lautstärkebereich nicht verlassen als auch mit der tatsächlich wahrgenommenen Lautstärke, der „Loudness“, nicht den normierten Bereich verlassen, da der Ton sonst übersteuert.

Der Aussteuerungsmesser – eines der wichtigsten Arbeitsinstrumente für einen Radiomoderator.

Beim Deutschlandradio sind Mitarbeiter aus den verschiedensten technischen Bereichen tätig. Elektrotechniker, Toningenieure und viele weitere Spezialisten sind notwendig, um eine optimale Übertragung der Inhalte vom Studio in die Welt sicherzustellen. Selbstverständlich gehören zu einem Radiosender auch noch Autoren, Redakteure, Mediengestalter, Moderatoren, etc. dazu. Bei einem Abstecher ins Studio des Deutschlandfunk Kultur konnte ich sogar live miterleben wie eine Nachrichtensendung produziert wurde.

Am Ende meines Besuchs war ich zurück im Studio um mein kurzes Interview aufzunehmen. Ihr findet es unter diesem Link ab Minute 14:07. Das Interview fand im gleichen Studio statt, das ich auch mit Herrn Schönsee besucht hatte und lief im Grunde genommen wie ein normales Gespräch ab. Trotzdem war es natürlich um einiges spannender!

Es war also ein wirklich toller Tag! Nicht nur konnte ich meine eigene Stimme später zum ersten Mal im Radio hören, sondern ich hatte auch einen einzigartigen Einblick in die Arbeit eines Radiosenders und all dessen, was dafür notwendig ist, um ein Programm im ganzen Land auszustrahlen!

Wie ein normales Gespräch – und doch ganz anders: Ein Interview beim Radio.

 

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