Wie Kreuzfahrtschiffe sauber werden

Am 4. April 2018 veröffentlicht von Florian Feimann

Die Schifffahrt und vor allem Kreuzfahrtschiffe stehen immer wieder in der Kritik von Umweltaktivisten. Grund dafür: Die Ozeanriesen werden meist mit Schweröl oder Marinediesel angetrieben und liegen in vielen Häfen nah am Stadtzentrum. In diesem Jahr soll mit der AIDAnova aber das erste Kreuzfahrtschiff in Dienst gestellt werden, das mit dem umweltfreundlichen Treibstoff Flüssigerdgas LNG (Liquified Natural Gas) angetrieben wird.

Die LNG-Motoren der AIDAnova auf dem Weg zur Meyer Werft.

 

Die Meyer Werft aus Papenburg hat sich in jahrelanger Forschungs- und Entwicklungszeit hier einen Technologievorsprung gesichert. Ganz einfach ist der Einsatz von LNG nämlich nicht. Zum einen ist die Lagerung schwierig, weil Erdgas erst bei -161°C flüssig wird und entsprechend bei diesen kalten Temperaturen aufbewahrt werden muss. Das macht die Konstruktion und den Bau von Schiffen mit Flüssiggas-Antrieb sehr komplex, denn natürlich müssen auch neue Sicherheitsmaßnahmen gefunden werden.

Zum anderen sind noch nicht viele Häfen mit der nötigen Infrastruktur für die Versorgung von Schiffen mit LNG ausgerüstet. Die notwendigen Anlagen entstehen gerade quasi zeitgleich mit den ersten flüssiggasbetriebenen Kreuzfahrtschiffen. Viele Schiffsbetreiber arbeiten dabei mit den Gaslieferanten zusammen.

Die Reedereien setzen aber nicht ganz freiwillig auf umweltfreundliche Techniken. Auch auf See gibt es nämlich so etwas wie die Umweltzonen, wie ihr sie in großen deutschen Städten findet, und mit denen geregelt wird, welche Autos in eine Innenstadt fahren dürfen. In der Seefahrt werden gleich ganze Gebiete, wie zum Beispiel die Ostsee, zu solchen besonderen Zonen erklärt, in die man mit einem Schiff nur hineinfahren darf, wenn der Treibstoff strengen Grenzwerten entspricht. Da geht es zum Beispiel um den Schwefelgehalt.

Mit dem Schweröl, das bisher meistens in Schiffsmotoren verbrannt wird, hält man diese Grenzen aber nicht ein. Deshalb mussten in den vergangenen Jahren schon viele Schiffe mit Filteranlagen, den sogenannten Scrubbern, ausgerüstet werden. So einen Scrubber kann man sich wie eine riesige Dusche für die Abgase vorstellen, die vom Maschinenraum im Schiffsbauch bis zum Schornstein ganz oben am Schiff reicht. Mit dieser Dusche wäscht man dann sozusagen die Schadstoffe aus den Abgasen heraus. Diese Übergangstechnologie wird nun vom LNG als Treibstoff abgelöst.

Das Heck der AIDAnova liegt im Dezember 2017 im Hafen der Meyer Werft. Hier sind bereits die Motoren verbaut.

 

Die größten Vorteile bietet LNG natürlich bei den Abgas-Emissionen. So werden beispielsweise die ausgestoßenen Schwefeloxide auf null reduziert. Auch Feinstaube gibt es keine mehr. Zudem wird mit LNG-Antrieb weniger Kohlendioxid ausgestoßen – hier haben die Scrubber bisher noch keine Reduzierung bewirkt.

Die genauen Effekte von Scrubbern und LNG-Antrieb auf die Reduzierung von Abgasen hat die Meyer Werft übrigens sehr detailliert in einem Blogartikel erklärt.

Das Flüssigerdgas ist aber nicht vollkommen neu für die Kreuzfahrtbranche. Weil Umweltschützer immer wieder beklagen, dass die großen Schiffsdieselmotoren auch in Häfen laufen und Abgase produzieren, setzen einige Reedereien und Häfen auf die sogenannte Landstromversorgung. Das Schiff bekommt also den nötigen Strom für Licht, Klimaanlage, Küche und alles andere nicht von den eigenen Anlagen, sondern von Land. Natürlich kann man nicht einfach einen Stecker in das Schiff stecken, daher gibt es eigene Versorgungsschiffe wie die LNG-Barge im Hamburger Hafen. Diese Barge ist ein Ponton, auf dem ein kleines Kraftwerk aufgebaut ist, das auch LNG benutzt, um den Strom für die Kreuzfahrtschiffe zu erzeugen.

Die Kreuzfahrtbranche geht hier also mit gutem Beispiel voran. Aber das ist leider nur ein kleiner Schritt, weil von den weltweit knapp 60.000 Ozeanriesen nur etwa 400 Kreuzfahrtschiffe sind. Aber: auch bei Fähren und Tankern wird teilweise schon auf den Gasantrieb gesetzt. Dennoch sind in Sachen Umweltschutz auch alle anderen Sparten der Schifffahrt gefordert!

Mit dem Brennstart hat der Bau der AIDAnova im Februar 2017 offiziell begonnen. Den Startschuss gaben (von links) Bernard Meyer (Geschäftsführer Meyer Werft), Felix Eichhorn (President AIDA Cruises) und Tim Meyer (Geschäftsführer Meyer Werft).

 

Mit der AIDAnova wird LNG erstmals weltweit in einem Kreuzfahrtschiff eingesetzt. Die Meyer Werft hat mit dem weltgrößten Kreuzfahrtanbieter, der Carnival Corporation aus Miami in den USA, einen großen Kunden für Kreuzfahrtschiffe mit Flüssiggasantrieb gefunden. Insgesamt werden bis 2023 neun Schiffe für Carnival mit der neuen Technologie von den Werften der Meyer-Gruppe gebaut. Dazu gehören auch die drei Schiffe für AIDA. Auch die Reederei Disney Cruise Line lässt drei Schiffe mit LNG-Antrieb in Papenburg bauen. Damit ist dann auch Captain Mickey Mouse künftig umweltschonend unterwegs.

Die Meyer Werft arbeitet mit Partnern derweil schon an den Antriebssystemen der nächsten Generation. Im Forschungsprojekt „e4-Ships“ wurden beispielsweise Konzepte für Brennstoffzellen auf Schiffen entwickelt. Und tatsächlich sollen bereits 2022 und 2024 die ersten beiden Kreuzfahrtschiffe mit Brennstoffzellen ausgeliefert werden. Sie dienen dann im Gegensatz zum LNG nicht als Energiequelle für den Antrieb des Schiffes, sondern zunächst zur Versorgung des Hotelbetriebs mit Elektrizität.

Habt ihr jetzt Lust bekommen, euren eigenen Anteil zur Zukunft der Kreuzfahrtbranche beizutragen? Die Meyer Werft sucht ständig nach Auszubildenden, dualen Studenten und Fachkräften. Schaut einfach mal bei Meyer Career vorbei.

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