Die nächste Revolution der Raumfahrt?

Am 9. Mai 2018 veröffentlicht von Florian Feimann

Vor mehr als 50 Jahren löste der Start des Apollo-Raumfahrtprogramms in den USA eine regelrechte Weltraum-Euphorie aus, die in der ersten bemannten Mondlandung von Apollo 11 gipfelte. Damals war das ein unvorstellbar ambitioniertes Projekt.

Start der Falcon Heavy; Quelle: spacex.com

Am 6. Februar 2018 gelang der amerikanischen Firma SpaceX mit dem erfolgreichen Start der Schwerlastrakete Falcon Heavy ein Meilenstein ihrer Firmengeschichte. In Zukunft könnten diese und noch größere Raketen bei der Versorgung von Raumstationen oder sogar der Besiedlung anderer Planeten helfen. Das ist jedenfalls die Vision des SpaceX-Chefs Elon Musk, der auch den Elektroautohersteller Tesla leitet.

Das Besondere an der Falcon Heavy ist ihr Aufbau. Die Rakete besteht nämlich im Grunde aus drei modifizierten Raketen des kleineren Typs Falcon 9, die kombiniert wurden und so eine Nutzlast von bis 63,8 Tonnen in das Weltall transportieren können. Zum Vergleich: Die Falcon 9 kann bis zu 23 Tonnen Nutzlast transportieren, mit dem Space Shuttle konnten maximal 16,4 Tonnen zur ISS gebracht werden. Damit ist die Falcon Heavy aktuell die leistungsfähigste Rakete und wird auch historisch nur von wenigen anderen Systemen wie zum Beispiel der Saturn V übertroffen. Bis zum Mars könnte Falcon Heavy immerhin noch 16,8 Tonnen Nutzlast befördern. Die Atlas V Rakete, die zum Beispiel den Marsrover Curiosity befördert hat, hat auf dieser Distanz eine Nutzlast von nur rund 4 Tonnen.

Vergleich mehrerer Raketen; Quelle: Space X, Blue Origin, NASA

 

Dabei soll es aber in Zukunft nicht bleiben: SpaceX entwickelt bereits eine noch größere Rakete, die Big Falcon Rocket (BFR), die nach aktuellen Planungen im Jahr 2022 erstmals zum Mars aufbrechen soll. Schon zwei Jahre später soll eine erste bemannte Mission zum Roten Planeten starten. Die BFR soll dann eine Nutzlast von 150 Tonnen mit sich führen können – nach mehrfachem Auftanken im All sogar bis zum Mars. Elon Musk und SpaceX haben aber schon in der Vergangenheit oftmals zu optimistische Pläne vorgelegt. Das war auch bei der Falcon Heavy so, deren Erstflug Musk 2009 schon für das Jahr 2012 ankündigte. Die Verzögerungen sollen an der Zusammenführung der drei Triebwerke gelegen haben – als „schockierend kompliziert“ hat Musk diese Aufgabe in einem Interview bezeichnet.

Start der Falcon 9; Quelle: spacex.com

Wie alle Raketen von SpaceX ist die Falcon Heavy so gebaut, dass ihre Antriebe wiederverwendet werden können. Dank dieser neuen Konstruktionsweise sinken die Kosten für Transportflüge ins All. Aber wie schafft man das? Die Triebwerke der Raketen sind so gebaut, dass sie gesteuert durch einen Autopiloten wieder auf der Erde landen können. Dieses System wurde schon bei der Falcon 9 eingesetzt. So konnten zwei von drei Triebwerken beim Erstflug der Falcon Heavy wieder sicher in Cape Canaveral landen. Das dritte Triebwerk, das auf einer schwimmenden Plattform einige hundert Kilometer vor der US-Küste im Atlantik aufsetzen sollte, zerschellte jedoch mangels Treibstoffs auf der Wasseroberfläche. Auch diese Triebwerke waren zum Teil bereits bei früheren Flügen als Falcon 9 im Einsatz.

Der Erstflug war dennoch ein Erfolg, denn die Oberstufe der Rakete, damit ist eine der unterschiedlichen Antriebsmodule von Falcon Heavy gemeint, brachte die Nutzlast, in dem Fall ein Elektroauto vom Modell Tesla Roadster, in Richtung Asteroidengürtel. Zielorbit, also die Umlaufbahn, auf der die Nutzlast ausgesetzt werden sollte, war eine elliptische Sonnenumlaufbahn im Bereich von Erd- bis Marsorbit. Der Tesla Roadster soll also später einmal um den Mars kreisen. Der Tesla ist bei diesem Testflug eine simulierte Nutzlast – und gleichzeitig natürlich auch ein guter Marketingcoup für Musks zweite Firma. Normalerweise werden zum Beispiel Betonblöcke als Testlast eingesetzt. Im Roadster haben die Mitarbeiter von SpaceX noch eine Puppe im Raumanzug platziert.

Quelle: spacex.com

Die nächsten Flüge mit der Falcon Heavy sind bereits geplant. Die Starts sollen noch Ende 2018 stattfinden. Im September sollen militärische und wissenschaftliche Satelliten ins All befördert werden.

Übrigens: die Buchung einer Falcon Heavy für einen Start kostet ungefähr 90 Millionen US-Dollar. Die Falcon 9 liegt bei knapp über 60 Millionen US-Dollar, obwohl sie nur ein Drittel der Nutzlast transportieren kann. In der Falcon Heavy sind aber mehr wiederverwendbare Teile verbaut, sodass der Preisanstieg etwas unterproportional ausfällt.

Falcon Heavy auf dem Stützpunkt; Quelle: spacex.com

Ähnlich wird es sicherlich auch bei der BFR aussehen. Die Big Falcon Rocket könnte damit zu einem wichtigen Transportmittel bei der Versorgung von Raumstationen wie der ISS werden und bei der Errichtung einer Basis auf dem Mond helfen, wie es Elon Musk auch schon angekündigt hat. Tatsächlich könnte eine Mondbasis eines der größten Zukunftsprojekte der NASA werden.

Musk hat aber wieder einmal größere Pläne: die BFR soll 2022 erstmals zum Mars aufbrechen und dort nach Ressourcen für einen Rückflug zur Erde suchen. Zwei Jahre später sollen dann gleich vier Big Falcon Rockets zum Roten Planeten fliegen – zwei unbemannt, zwei mit Besatzung. So soll zunächst eine Marskolonie und später die erste Siedlung von Menschen auf dem Mars ermöglicht werden. Ursprünglich hatte SpaceX sogar vor, Weltraumtouristen mit der BFR ins All zu fliegen.

Die ersten Menschen auf den Mars zu bringen, ist mindestens genauso ambitioniert wie die erste Mondlandung. Aber die Raumfahrt hat immer wieder gezeigt, dass diese Projekte erfolgreich durchgeführt werden können.

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