Die Pollen sind los – Und der Heuschnupfen spielt verrückt

Am 18. Mai 2018 veröffentlicht von Katrin Janke

Wer sich fragt, wozu es Pollenflüge überhaupt gibt und ob man sie nicht einfach abschaffen könnte, den muss ich leider enttäuschen. Der Pollenflug muss sein, denn er ist eine der beiden Methoden, wie sich die Natur fortpflanzt. Außer der Bestäubung durch den Wind, gibt es noch die bekannte Variante durch Tiere, meistens Insekten, wie zum Beispiel die summende Biene in unserem Garten. Doch zurück zu den Pollen. Bei den meisten Bäumen fängt es im Frühling an. Die Temperaturen steigen, alles fängt an zu blühen und zu grünen – eigentlich ein Grund zur Freude. Doch nicht für Allergiker. Wer Heuschnupfen hat, muss mit laufender Nase, tränenden Augen und juckendem Rachen kämpfen. Das kann den Alltag ganz schön einschränken.

Es ist warm und sonnig – ein Wetter, um draußen zu entspannen. Doch…Hatschi!

 

2018 – eine kleine Pollenexplosion
In diesem Jahr scheint bei vielen der Heuschnupfen noch schlimmer zu sein als sonst. Und es ist nicht nur der Schein, sondern Tatsache. Im Februar und März hatten wir viele kalte Wochen, was die Blütezeit vor allem von Haseln, Erlen und Birken verzögert hat. Manche Arten der Birke blühen früher und manche später. Aufgrund der niedrigen Temperaturen jedoch hat die Blütezeit bei allen Arten gleichzeitig eingesetzt – im April – und somit einen explosionsartigen Pollenflug bewirkt. Die rasant ansteigenden Thermometergrade sorgen auch bei anderen Baumarten für denselben Effekt. Während der Pollenflug der Birken langsam nachlässt, denn für gewöhnlich dauert dieser 20-25 Tage, fangen nun im Mai die Pollen von Gräsern mit dem Bestäubungsflug an.
Ein weiterer Baum, der dieses Jahr besonders stark blüht und ab Mai fliegt, ist die Fichte. Alle vier bis sieben Jahre haben ausgewachsene Fichten eine extreme Blütezeit, das sogenannte Mastjahr. Dann werden viel mehr Samen produziert als sonst. Durch die Trockenheit und die starken Winde zurzeit fliegen die Blütenpollen auch mal mehrere Kilometer weit und umhüllen alles in gelben Blütenstaub.

Hasel, Erle und Birke erlebten in diesem Jahr einen explosionsartigen Pollenflug im April. Im Mai blühen Gräser und Fichten besonders stark.

Als Abwehr gedacht, doch…
Was genau passiert im menschlichen Körper bei einer Pollenallergie? Grundsätzlich bedeutet Heuschnupfen eine überempfindliche Reaktion des Immunsystems auf eigentlich harmlose Blütenpollen. Wasserlösliche Proteine bzw. Eiweiße gelangen in den Körper und finden Andockstellen. In Folge dessen wird unter anderem Histamin freigesetzt. Das wiederrum führt zur allergischen Reaktion.
Eine Pollenallergie kann auf Bäume, Gräser, Getreide oder Kräuter auftreten, je nach genetischer Anfälligkeit. Von Ärzten wird sie als allergische Rhinitis bezeichnet, was übersetzt „allergischer Schnupfen“ bedeutet, und die am weitesten verbreitete Erkrankung des Immunsystems darstellt.
Beim Erstkontakt mit der Pollenart gibt es noch keine Abwehrreaktion. Stattdessen findet eine Sensibilisierung statt: das Immunsystem stellt sich in Angriffsposition und stuft diese Polle als „Feind“ ein. Es werden Antikörper gebildet und beim nächsten Kontakt wird sie bekämpft. Die Abwehrreaktion gegen die feindlichen Stoffe äußert sich dann in den typischen Symptomen von Heuschnupfen. Außer den Symptomen, die die Atemwege betreffen sowie Kopfschmerzen und Schlafstörungen, können auch andere Begleiterkrankungen verstärkt auftreten wie beispielsweise eine Bindehautentzündung, Asthma oder Neurodermitis.

Nach dem ersten Kontakt mit der „feindlichen Polle“ sensibilisiert sich das Immunsystem. Beim nächsten Kontakt fängt die Abwehrreaktion an.

 

Nicht nur die Gene sind Schuld
Doch nicht nur die genetische Veranlagung führt zu immer mehr Heuschnupf-Betroffenen. Auch die moderne Lebensweise ist ein verstärkender Faktor. Wissenschaftler gehen davon aus, dass das Übermaß an Sauberkeit in industriellen Ländern dabei eine Rolle spielt. Wenn der Körper noch in früher Kindheit mit immer weniger Krankheitserregern in Kontakt kommt, ist das Immunsystem unterfordert und fängt an, harmlose Substanzen wie Pollen oder Nahrungsmittel als gefährlich einzustufen und wehrt diese ab. Eine weitere Ursache für die Zunahme an Allergien sehen Wissenschaftler im Klimawandel und der Zunahme an Umweltschadstoffen. Die immer wärmer werdenden Temperaturen und der erhöhte CO2- sowie Feinstaub-Ausstoß machen die Pollen „aggressiver“. Die Folge davon ist eine stärkere Allergen-Bereitschaft im menschlichen Körper. Außerdem wurde wissenschaftlich nachgewiesen, dass zukünftige werdende Mütter bereits bei der Geburt des Kindes vorsorgen können: In den ersten vier Monaten soll ausschließlich gestillt und dann erst schrittweise Beikost zugeführt werden. Dies soll die Entwicklung von Allergien hemmen.

Bei Pollenalarm hilft Lüften: auf dem Land am besten spät abends, in der Stadt hingegen früh am Morgen.

 

Erste, Zweite und Dritte Hilfe für Betroffene
Wer Symptome von Heuschnupfen an sich feststellt, sollte nicht lange zögern oder warten bis sie schlimmer werden. Schnelles Handeln ist angesagt. Eine konsequente Behandlung ist besonders wichtig, um die Ausbreitung auf untere Atemwege wie die Lunge zu verhindern. Dann kann es nämlich zu einem allergischen Asthma bzw. dem sogenannten „Etagenwechsel“ (Wechsel von oberen Atemwegen zu den unteren) kommen und der Arzt sollte sofort aufgesucht werden.
Zunächst wäre es sinnvoll, bei einem Facharzt untersuchen zu lassen, auf welche Pollenart man allergisch reagiert. Akute Hilfe bringen Nasenduschen mit Salz und Kühlkompressen auf die Augen. Danach gibt es drei mögliche Wege, die man einschlagen kann: eine Allergen-Karenz, Medikamente gegen Heuschnupfen oder eine Hyposensibilisierung. Die Allergen-Karenz beinhaltet das Vermeiden jeglichen Kontakts zu den auslösenden Pollen. Das bedeutet: sich einen Pollenkalender anschaffen, um genau zu wissen, wann die „eigenen gefährlichen Pollen“ Flugzeit haben und tägliche Pollenvorhersagen beachten. Außerdem sollte jeden Tag gelüftet werden (wer ländlich wohnt von 19 bis 24 Uhr, in der Stadt ist die Zeit von 6 bis 8 Uhr geeignet). Nach einem starken Regen sollte länger gelüftet werden. Auch tägliches abduschen und Haarewaschen hilft, sich von Pollen zu befreien. Das Schlafzimmer sollte als pollenfreie Zone eingerichtet werden. Deswegen ist es ratsam, sich im Bad umzuziehen und getragene Kleidung gleich in den Wäschekorb zu legen. Häufiges Staubsaugen und Wischen, ein Pollenschutzvlies sowie ein Pollenregler im Auto sind weitere nützliche Tipps. Wer seine Wäsche trocknen will, sollte dies während der Pollenflugzeit nur drinnen machen, um einer bösen Überraschung zu entgehen. Die Allergen-Karenz-Methode kann gut funktionieren, doch gestaltet sich als anstrengend und kräfteraubend. Deswegen raten Ärzte oft dazu, in der „eigenen“ Pollenflugzeit zu verreisen. Die wenigsten Pollen gibt es am Meer und im Gebirge.
Der weniger komplizierte Weg sind Medikamente gegen Heuschnupfen. Diese sind gezielt auf die Linderung der Symptome ausgerichtet. Tabletten wirken nach etwa 1,5 bis 2,5 Stunden und enthalten Antihistaminika, also Stoffe, welche die körpereigene Substanz Histamin aufheben. Medikamente mit Cetirizin bewirken ein eingeschränktes Reaktionsvermögen und Müdigkeit. Menschen, mit Nierenfunktionsstörungen sollten damit jedoch aufpassen. Der Wirkstoff Loratadin hingegen hat den Vorteil, dass er nicht müde macht, ist jedoch für Menschen mit Leberfunktionsstörungen nicht geeignet. Spezielle Nasensprays enthalten oft Glukokortikoide wie zum Beispiel Cortison. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass man damit lieber sparsam umgehen sollte, da der Körper bei zu hoher Anwendung dagegen immun werden kann.
Die letzte und zeitaufwendigste, gleichzeitig aber nachhaltigste Methode ist die Hyposensibilisierung. Bei regelmäßigen Arztbesuchen werden dem Betroffenen Injektionen, Tabletten oder Tropfen verabreicht, die wie eine Art Impfung wirken. Dabei wird das Immunsystem nach und nach an die Allergene gewöhnt und greift diese nicht mehr an. Eine solche Therapie dauert jedoch oft jahrelang.

Für welchen Weg ihr euch auch entscheidet, wünsche ich jedem eine gute und schnelle Besserung, damit ihr das schöne Frühlingswetter genießen könnt.

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