Alexander Gerst – mit dem Physikstudium auf die ISS

Am 5. Juni 2018 veröffentlicht von Florian Feimann

Alexander Gerst bricht am 6. Juni 2018 zu seiner zweiten Mission an Bord der Internationalen Raumstation ISS auf. In der zweiten Hälfte seiner 187-tägigen Zeit im Weltraum wird er sogar das Kommando der ISS übernehmen – als erster Deutscher überhaupt. Wie Alexander Gerst zum Astronauten geworden ist, welche Trainings er absolviert hat und welche Experimente in der Schwerelosigkeit durchgeführt werden sollen, lest ihr hier.

Alexander Gerst

Alexander Gerst in seiner Arbeitsmontur – Foto: ESA/ S. Corvaja

Alexander Gerst startete seine MINT-Karriere als Abiturient am Technischen Gymnasium in Öhringen. Anschließend bereiste er die Welt und begann ein Geophysik-Studium an der damaligen Universität Karlsruhe, nachdem ihn die Vulkane Neuseelands auf seiner Reise beeindruckten. 2010 wurde Gerst dann an der Universität Hamburg mit seiner Forschungsarbeit zur Eruptionsdynamik des antarktischen Vulkans „Mount Erebus“ promoviert.

Schon 2009 wurde er als einer von sechs neuen Astronauten der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) vorgestellt – nachdem er sich gegen mehr als 8400 andere Bewerber durchgesetzt hatte. Nach mehr als einem Jahr Ausbildung zum Astronauten wurde Gerst im November 2010 feierlich und offiziell zum Astronauten ernannt. Damit erreichte er das Ziel, dass er sich 1983 als damals Siebenjähriger selbst gesteckt hatte.

Von Mai bis November 2014 verbrachte Gerst während der Mission Blue Bot erstmals Zeit an Bord der ISS. Nach Thomas Reiter und Hans Schlegel war er damit erst der dritte Deutsche auf der Raumstation.

Die zweite Mission trägt nun den Namen Horizons, die von Juni bis Dezember 2018 dauern soll. In der zweiten Hälfte von Horizons soll Gerst dann das Kommando über die ISS übernehmen. Dennoch wird die Hauptarbeitszeit natürlich von vielen Experimenten gefüllt sein. Vor allem medizinische Versuche sollen durchgeführt und neue Verfahren getestet werden.

Sojus-Rakete

Die Sojus-Rakete, die Gerst und seine Kollegen zur ISS bringt, wird in Baikonur (Kasachstan) zum Aufstellen gebracht. – Foto: ESA/ S. Corvaja

Dazu gehört zum Beispiel das Experiment „Myotone“, das die biomechanischen Eigenschaften eines ruhenden menschlichen Muskels untersuchen soll. Mit den Erkenntnissen aus dem Versuch sollen neue Therapien zur Heilung von Knochenbrüchen entwickelt werden.

Auch das Analysesystem „Metabolicspace“, das Körper- und Stoffwechselfunktionen aufzeichnet, soll später die Anwendung auf der Erde leichter machen. Man kann es nämlich ganz einfach als Gurt am Körper tragen und muss nicht wie bisher einen Kabelsalat verschiedenster Messgeräte mitführen.

Fluoreszierende Zellen unter dem neuen Mikroskop Flumias – Foto: DLR

Auch neue medizinische Geräte sollen im Weltall getestet werden. Mit dem neuen Mikroskop „Flumias“ können Vorgänge in Zellen mit Fluoreszenz live beobachten werden. Die feinen Zellstrukturen und Stoffwechselprozesse werden an Bord der ISS untersucht, um Veränderungen von Immunzellen in der Schwerelosigkeit nachzuvollziehen.

Das sind aber nur wenige Beispiele der insgesamt 300 Experimente, die während der Mission Horizons auf der ISS durchgeführt werden sollen. Sie stammen von Forschungseinrichtungen aus aller Welt und sind meistens automatisiert. Denn die Zeit im All ist zu kostbar, als dass die Astronauten alle Versuche selbst durchführen könnten. Eine der wenigen Ausnahmen ist ein Experiment, bei dem Alexander Gerst den Zustand seiner Muskeln überprüfen muss. Regelmäßig misst er, ob sie beispielsweise verhärtet sind und wie sich sein Sportprogramm auswirkt. Damit wollen Forscherinnen und Forscher Reha-Programme auf der Erde verbessern. „Solche Experimente, bei denen wir als Versuchskaninchen dazu beitragen, dass Krankheiten auf der Erde besser verstanden werden, machen mir sehr viel Spaß“, erzählte Gerst bei der Vorstellungs-Pressekonferenz in Köln vor einigen Wochen.

Die meiste Zeit auf der ISS werden die Astronauten aber mit ganz anderen Dingen verbringen. Dazu gehören ganz normale Dinge wie Putzen, Sport treiben und Kochen. Übrigens: Alexander Gerst hat sich bei seinen sechs Wunschgerichten unter anderem Käsespätzle und Maultaschen zum Essen ausgesucht.

Zu den Highlights, die man in 400 Kilometern Höhe als Astronaut erleben kann, gehören natürlich Außeneinsätze im All. Die kommen meistens vor, wenn etwas an der Raumstation gewartet oder repariert werden muss. Während seines ersten Raumflugs war Gerst sechs Stunden und 13 Minuten außerhalb der Raumstation. Vielleicht erlebt es er in diesem Jahr wieder.

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