„Möchten Sie eine Tüte für 10ct?“ – Mein Weg zu weniger Müll

Am 13. Juni 2018 veröffentlicht von Reena Mahlandt

Seit Mitte des Jahres 2016 hören wir diesen Satz immer häufiger an der Kasse. Hintergrund ist das Ziel der Bundesregierung, den Verbrauch von Plastiktüten durch Gebühren zu reduzieren und das Umweltbewusstsein in der Bevölkerung zu steigern. Bei einem Spaziergang durch den Park nach einem sonnigen Wochenende ist von steigendem Umweltbewusstsein nicht viel zu sehen – der Müll vom gemeinsamen Grillen mit Freunden wird häufig einfach liegen gelassen.

Müll im Park – nach sommerlichen Grillabenden leider kein seltenes Bild in der Öffentlichkeit

Umweltschutz ist heutzutage in aller Munde, allerdings sehen sich viele nicht in der Verantwortung, etwas zu ändern, nach dem Motto was könne eine einzelne Person schon bewegen? Ich möchte euch in diesem Artikel ein paar Hinweise geben, wie jeder einzelne mit kleinen Veränderungen etwas zum Thema Müllvermeidung und damit zum Umwelt- und Klimaschutz beitragen kann.

2015 sind in Deutschland laut statistischem Bundesamt 402,2 Millionen Tonnen Müll angefallen, dabei ist gut die Hälfte der Bau- und Abbruchindustrie zuzuschreiben. Etwa 15% gehen auf Produktion und Gewerbe zurück, dicht gefolgt von den Haushaltsabfällen mit knapp 13%. Und genau hier ist jeder einzelne von uns in der Verantwortung, diesen Anteil zu reduzieren! In Deutschland herrscht im Vergleich zu anderen Ländern ein ausgereiftes Mülltrennungs- und Recyclingsystem. Doch auch dieses System stößt an seine Grenzen, so kann nach wie vor nicht jedes Material sortenrein getrennt werden, fließt somit in die Müllverbrennung und wird nicht weiterverwertet.

Müll, der allerdings gar nicht erst im Mülleimer landet, landet früher oder später in den Meeren, jährlich sind das zwischen 4,8 und 12,7 Millionen Tonnen. „[Selbst] der mittlere Wert von acht Millionen Tonnen würde ausreichen, um Manhattan 34-mal knöcheltief unter Abfall verschwinden zu lassen“ , sagt Roland Geyer von der University of California. Bei der Recherche zu diesem Thema sind mir zwei Probleme besonders deutlich geworden. Zum einen haben die Menschen schon lange keine Kontrolle mehr über die Müllstrudel und deren Verbreitung in den Meeren und zum anderen sieht sie keiner. Nach dem Motto „aus dem Auge aus dem Sinn“ gibt es in der Bevölkerung kein ausgeprägtes Bewusstsein über die Müllproblematik.

Aus Plastik wird Mirkoplastik – und das ist nur schwer bis gar nicht filterbar und landet über Nahrungskreisläufe letztlich wieder in unseren Körpern. Bildquelle: Caroline Power Photography: Eine Unterwasser-Ansicht des Plastikmülls. In: utopia.de

Besonders problematisch ist Plastikmüll. Anders als andere Materialien ist Plastik nicht biologisch abbaubar. Über die Jahre zerfällt es in immer kleinere Partikel – das sogenannte Mikroplastik. Diese Partikel verbreiten sich unkontrolliert in den Meeren und werden von den Meerestieren unbemerkt gefressen. So kann es letztlich sein, dass wir durch den Verzehr von Fisch unseren eigenen Plastikmüll wieder auf dem Teller liegen haben.

Was kann nun jeder einzelne tun, um die Müllproduktion zu reduzieren? Hier ein paar Tipps, die jede(r) ohne großen Aufwand in seinem Alltag umsetzen kann.

Einfach plastikfreie Alternativen, die es überall zu kaufen oder leicht selbst zu machen gibt

Wer schon einmal im Supermarkt versucht hat, möglichst wenig Verpackung zu kaufen, wird gemerkt haben, dass man dabei schnell an seine Grenzen stößt. Manches Obst und Gemüse wird ausschließlich in Plastikfolie verpackt verkauft, wie auch die meisten gekühlten Produkte. Einen Anfang kann man machen, in dem man einen Jutebeutel mitbringt und keine Plastiktüte an der Kasse kaufen muss und auch beim Obst und Gemüse auf die Tüten komplett verzichtet oder sich eigene Obstnetze mitbringt. Joghurt und Milch kann statt in Plastikverpackungen in Glasbehältern gekauft werden und auch an der Fleisch- und Käsetheke könnt ihr – auf Nachfrage – euren eigenen verschließbaren Behälter befüllen lassen. Alternativ könnt ihr frisches Obst und Gemüse ohne Verpackung auf dem Wochenmarkt kaufen. Mittlerweile sind außerdem in vielen Städten Unverpackt-Läden vertreten. Hier könnt ihr zu normalen Bioproduktpreisen von Mehl über getrocknete Früchte bis hin zu Reinigungsmitteln alles in euren eigenen Behältern kaufen. Gewürze könnt ihr hier meist sogar zu günstigeren Preisen bekommen als im Supermarkt!

Gemüse- und Obstnetze. Quelle: ecoyou.de

Auch im Bad häufen sich die Plastikverpackungen, aber auch hier gibt es Alternativen. Ihr könnt beispielsweise eure Plastikzahnbürste durch eine abbaubare Bambuszahnbürste, die Wattestäbchen mit Plastikstäbchen durch welche mit Papierstäbchen oder auch die herkömmlichen Wattepads durch wiederverwendbare Pads aus Handtüchern austauschen. Diese könnt ihr euch sogar selbst zusammennähen und damit bares Geld sparen, nach der Benutzung schmeißt ihr sie einfach in die Waschmaschine und könnt sie so unzählige Male wiederverwenden. Schließlich könnt ihr anstelle der flüssigen Shampoos, Haarpflegekuren und Duschgele feste Seife verwenden, auch hier spart ihr Geld und Müll!

Jeder kennt es, nach dem Essen bleibt meist noch eine Portion übrig. Diese wird dann in Frischhaltefolie verpackt in den Kühlschrank gestellt. Auch hier könnt ihr Müll einsparen! Für runde Formen wie Gläser oder auch Gurken oder Zitronen könnt ihr sogenannte Frischehauben verwenden und für eure Auflaufform oder Salatschüssel gibt es wiederverwendbare Frischhaltefolie aus Silikon. Außerdem könnt ihr ganz einfach auf Alufolie verzichten, packt euer Frühstück für die Schule / Arbeit einfach in eine Brotdose.

Einen immer größer werdenden Faktor in der Müllproduktion spielt der Onlinehandel. Warum sollten wir auch in die Stadt fahren? Meist ist die richtige Größe für die neue Jeans oder die gewünschte Farbe für das neue T-Shirt sowieso nicht mehr vorrätig, wir sparen uns also den Weg, bestellen ganz bequem online und am nächsten Tag ist das Paket schon da. In dem Karton ist aber meist nicht nur die bestelle Ware drin, sondern auch eine Menge Füllmaterial! Überlegt bei eurer nächsten Bestellung vielleicht doch ein zweites Mal, ob es wirklich notwendig ist, online zu kaufen.

Generell sollten wir wohl alle wieder anfangen unsere Einkäufe mehr zu hinterfragen. Brauchen wir wirklich alles jetzt sofort, günstig und neuwertig? Ich denke ein zentrales Stichwort ist wiederverwenden – repariert, kauft Qualität, tauscht, leiht aus und schmeißt weniger weg!

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