Chemie rettet 2200 Jahre alte Krieger

Am 13. Juli 2018 veröffentlicht von Florian Feimann

„Es gibt sieben Weltwunder, doch die Terrakotta-Armee ist eigentlich das achte Weltwunder.“ Das hat der ehemalige französische Staatspräsident Jacques Chirac 1987 in das Gästebuch der dazugehörigen Ausstellung in China geschrieben. Er hat damit vielleicht durchaus recht, denn die Terrakotta-Armee gehört wohl zu den bedeutendsten archäologischen Funden des 20. Jahrhunderts.

Generäle, Bogenschützen, Infanteristen, Offiziere, Wagenlenker: Sie alle stehen oder knien lebensgroß in der Grabanlage des ersten Kaisers von China, Qin Shihuangdi. Aus 7300 Figuren, wie Experten schätzen, besteht die berühmte Terrakotta-Armee. Entdeckt wurde sie 1974 und gehört mittlerweile zum Unesco-Weltkulturerbe. Wie groß die Grabanlage des ersten Kaisers wirklich ist, die im 3. Jahrhundert vor Christus errichtet wurde, weiß niemand. Bisher wurden ungefähr 200 Beigabengruben auf einer etwa 50 Quadratkilometer großen Fläche um den mächtigen Grabhügel entdeckt. In drei dieser Gruben versammeln sich die Krieger.

Mit dem Fund wurden auch einige Herausforderungen für die Wissenschaft eröffnet – nicht nur für Archäologen. Denn es gibt ein riesiges Problem: Die Farbe der kunstvoll bemalten Figuren platzt nur wenige Minuten nach der Ausgrabung von der Oberfläche ab und ist unwiederbringlich verloren. Denn: seit mehr als 2000 Jahren liegen die Terrakotta-Krieger in feuchter Erde, sodass sich Wasser in den Poren des Lacks ansammelt. Werden diese Terrakotta-Teile ausgegraben und bei weniger als 84 Prozent Luftfeuchtigkeit aufbewahrt, trocknet der Lack dann aus, rollt sich zusammen und platzt einfach ab.

Um das zu verhindern, arbeiten seit vielen Jahren deutsche und chinesische Forscher an neuen Methoden, um die Bemalung der Terrakotta-Krieger zu konservieren. Zu ihnen gehört der mittlerweile pensionierte Professor Dr. Heinz Langhals von der Ludwig-Maximilians-Universität in München. Dort wird auch weiterhin, zum Beispiel am Lehrstuhl für Restaurierung, Kunsttechnologie und Konservierungswissenschaft, geforscht.

Prof. Langhals zufolge waren anfangs bestehende technische Lösungen zur Restaurierung der Terrakotta-Krieger nicht in der Lage, die faszinierenden Naturfarben, mit denen die Figuren vor über 2200 Jahren kunstvoll bemalt wurden, zu erhalten. Aber: „Unsere Analytik schreitet glücklicherweise voran und die Verfahren zur Erhaltung der Farbe werden immer besser“, sagt der Chemiker, der bereits mehrfach selbst vor Ort war und die Ausgrabungen besucht hat.

Er wurde Teil der Forschung zu neuen Konservierungsmethoden, weil zu seinen Fachgebieten sowohl Farbstoffe und Pigmente als auch makromolekulare Stoffe gehören. Nach neustem Forschungsstand werden nun Kunststoffe eingesetzt, um die kunstvolle Bemalung zu erhalten.

Bei dem aktuellen Verfahren wird Polyethylenglycol (PEG) mit Kompressoren auf die Figuren aufgetragen. Dabei wird PEG gegen den größten Teil des Wassers im Lack ausgetauscht. Der Nachteil dieser Methode: Die Figuren wirken dunkler als im Original. Auch können bei dieser Behandlung noch Risse im Lack auftreten, wenn das Wasser schneller verdunstet als das Lösungsmittel aufgetragen wird. Eine bessere Konservierung der Farben, aber auch die Erhaltung der bereits ausgestellten Figuren, sind Herausforderungen, die noch vor den chinesischen Denkmalschützern liegen.

Wer jetzt neugierig ist und mehr über die Terrakotta-Armee erfahren will, hat aktuell und noch bis zum 19. August 2018 die Chance, die Ausstellung in Bremen zu besuchen. Dort gibt es auch Informationen zu den Forschungen von Prof. Langhals und seinen Kolleginnen und Kollegen. Im BLG-Forum in der Überseestadt ist ein Besuch von mittwochs bis sonntags zwischen 10 und 18 Uhr möglich. Weitere Informationen zur Ausstellung gibt es unter www.terrakottaarmee.de.

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