Zeitumstellung – muss das sein?

Am 9. Januar 2019 veröffentlicht von Katrin Janke

Wir alle kennen es. Irgendwann im Frühling und im Herbst müssen wir an der Uhr drehen. Jedes Mal aufs Neue fragen wir uns: eine Stunde vor oder eine zurück? Und so Manchem hat die Zeitumstellung schon mehr als nur etwas Kopfzerbrechen bereitet. Wer Pech hat, kann auch mal eine Stunde später bei der Arbeit erscheinen.

Zeitumstellung – woher kommt der Gedanke?

Am letzten Sonntag im März um Punkt 2:00 Uhr wird die Uhr auf die Sommerzeit umgestellt. Das heißt für uns eine Stunde weniger schlafen, weil die Uhr vorgestellt wird. Am letzten Sonntag im Oktober wird um 3:00 Uhr diese Prozedur genau umgekehrt. Wir stellen die Uhr eine Stunde zurück (auf die Normalzeit bzw. Winterzeit) und können uns über mehr Schlaf freuen.

Noch bis Ende des 19. Jahrhunderts hatte jedes Land seine eigene Zeit, die sich am Stand der Sonne orientierte. Zeitunterschiede (von mehreren Minuten) waren teilweise sogar innerhalb eines Landes vorhanden. Dies änderte sich mit dem Bau eines europaweiten Eisenbahnnetzes. Einheitlichen Zeiten wurden zur Notwendigkeit und so wurde die Welt 1884 in 24 Zeitzonen eingeteilt. Seit dem gilt in Deutschland die Mitteleuropäische Zeit. So weit so gut, doch nun kommt die Zeitumstellung ins Spiel.

Zeitumstellung früher und heute

Zum ersten Mal stellte Deutschland seine Uhren im Sommer 1916 um. Doch als das Deutsche Kaiserreich durch die Weimarer Republik abgelöst wurde, schaffte man auch Zeitumstellung ab. Diese Regelung wurde auch im Dritten Reich so beibehalten. Dies ändere sich jedoch, als der Krieg ausbrach. Denn eine Stunde mehr Tageslicht bedeutete eine Stunde mehr Arbeitszeit. Später in der Nachkriegszeit wurde es dann so richtig verwirrend. Während in den westlichen Besatzungszonen eine Zeit herrschte, tickten die Uhren in der sowjetischen Besatzungszone und in Berlin zwei Stunden voraus. Es folgte zusätzlich eine Hochsommerzeit (die Uhr wurde noch eine Stunde später gestellt), die sich aber nicht lange hielt. Irgendwann stellte Deutschland seine Uhren gar nicht mehr um und war zwischen 1950-1979 ein „zeitlicher“ Außenseiter in Europa.

Zwei Umstände führten zur erneuten Einführung der Sommerzeit in Deutschland: Zum einen der Druck des europäischen Auslandes. Eine Anpassung an die Nachbarländer war nicht nur aus wirtschaftlicher Sicht sinnvoll. Andererseits hatte Deutschland gerade eine Ölkrise hinter sich und versprach sich von der Zeitumstellung einen Energiegewinn. Schon die englische Bezeichnung „Daylight Saving Time“ verdeutlicht den Ursprungsgedanken dahinter. Doch wie viel Wahres steckt hinter dieser Energiesparmaßnahme?

Ist die Zeitumstellung sinnvoll?

Seit Einführung der Zeitumstellung steht die Frage im Raum, ob diese wirklich sinnvoll ist. Mittlerweile haben wir Klarheit. Das Bundesumweltamt hat herausgefunden, dass im Sommer durch die Umstellung zwar elektrisches Licht gespart wird, dafür aber am nächsten Morgen umso mehr geheizt wird, vor allem in den kalten Monaten (März, April und Oktober). Daher geht das Bundesumweltamt sogar von einem noch höheren Energieverbrauch als sonst aus. So viel also zum Thema Sparsamkeit…

Zeitumstellung zum Strom sparen

Früher war man davon überzeugt Strom zu sparen

Auch Mediziner sprechen von negativen Auswirkungen auf den Schlafrhythmus. Grundsätzlich tue sich der menschliche Körper schwer mit ständiger Umstellung. Darunter leiden in erster Linie Menschen, die grundsätzlich unter einer Schlafstörungen leiden oder eine organische Krankheit haben.

Und zu guter Letzt haben Studien nachgewiesen, dass an einem Montagmorgen nach der Zeitumstellung mehr Autounfälle passieren als gewöhnlich. Da sieht man einmal mehr: wer gut schläft, ist konzentrierter.

Zeitumstellung – Europas Volk ist dagegen

Eine aktuelle europaweite Online-Umfrage zu dem Thema zeigte: Die meisten EU-Bürger (84 Prozent) wollen die Zeitumstellung abschaffen. Die EU-Kommission hat vorgeschlagen, die Zeitumstellung sofort abzuschaffen. Doch die Zweifel in den einzelnen EU-Ländern machten eine schnelle Entscheidung unmöglich. Beispielsweise Deutschland, Dänemark und Estland sind noch völlig unentschlossen. Während Griechenland vollkommen gegen die Abschaffung ist, haben sich Österreich und Finnland für die ewige Sommerzeit ausgesprochen. Wie wir sehen, ist man von einer Einigung noch weit entfernt. Irgendwann sollten sich jedoch alle mitteleuropäische Länder (vor allem Nachbarländer) auf eine Zeitzone einigen können. So etwas kostet natürlich Zeit. Deswegen können wir frühestens 2021 mit der Abschaffung der Zeitumstellung rechnen.

Und jetzt?

Die nächste Zeitumstellung ist am Sonntag den 31.03.2019 um 2:00 Uhr. Die Uhr wird dann um eine Stunde vorgestellt und wir haben wieder Sommerzeit. Und da wir offensichtlich noch mindestens ein paar Jahre mit der Zeitumstellung leben müssen, hier ein Merksatz: Vorne im Jahr werden die Uhren VORgestellt, hinten im Jahr werden sie ZURÜCKgestellt.

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