Autostadt Wolfsburg – Zwischen kleinen Autos und Ampeln

Am 9. Juni 2019 veröffentlicht von Katrin Janke

Es war ein schöner sonniger Dienstag im Mai. Welch’ Glück, dass es heute mal nicht regnet, denke ich mir, als ich in Wolfsburg über die Stadtbrücke zur Autostadt gehe. Der weite Ausblick in beide Richtungen von der Brücke hat etwas Malerisches an sich. Ja, es sind „nur“ Fabrik- und Unternehmensgebäude, doch das große Gelände, der weite Himmel und der Mittellandkanal geben mir das Gefühl – ich komme in eine eigene Stadt. In der Eingangshalle werde ich von Brenda begrüßt. Sie ist Pädagogin, Projektmanagerin des außerschulischen Lernorts der Autostadt und verantwortlich für die Planung von MINT-Bildungsangeboten. Und genau darum geht es heute: um das Programm der Autostadt Wolfsburg bei der IdeenExpo 2019.

Autostadt Schild

Der erste Schritt

Ich werde von ihr zum „ZeitHaus“ geführt. Unser Ziel ist eine Werkstatt. Dort treffen wir auf das Team aus Mitarbeitern der Inszenierten Bildung und des Protohauses Braunschweig, einer Hightech-Werkstatt. Gemeinsam arbeitet die Gruppe bereits seit einiger Zeit an den Messe-Exponaten. Alex von der Protostadt und sein Kollege leiten heute das Team an. Der geplante Arbeitsprozess für die Messe wird einmal „geprobt“, um zu sehen, an welchen Stellen mehr Erklärungsbedarf nötig ist oder wo noch Bauteile fehlen. Freundlich begrüßen mich alle und sogleich werde ich in den Arbeitsprozess integriert. Ich nehme an einem der Arbeitstische Platz und Brenda erklärt mir, was heute ansteht. Die Konstruktion und Programmierung von einem Modellauto und einer Modellampel. Hmm, das klingt nach komplizierter Physik. Aber fangen wir erst einmal. Und zwar klein, so wie man eben immer anfängt.

Katrins Autostadt Arbeitstisch

Geschmolzen, gelötet und versagt

Der Weg zur Modellampel ist kein leichter. Liegt es an mir oder an der Ampel? Am Ende wollte ich mir einfach nur die Haare raufen, doch ich fange lieber von Vorne an. Die Einzelteile liegen nun schön ausgebreitet vor mir: kleine Plättchen, bunte Drähte, LED-Leuchten, Dioden und das Gehäuse der zukünftigen Ampel. Zu meiner Rechten habe ich eine Lötstation. Das ist ein Netzgerät mit einem erhitzbaren Kolben. Dieser wird genutzt, um eine Metalllegierung zu erreichen. Ein Aluminium-Draht wird mit dem Lötkolben von 385 Grad Celsius geschmolzen und an die passende „Drahtstelle“ des Bauteils angebracht. Die geschmolzene Metallmischung kühlt schnell ab und wird fest. Zunächst schaue ich meinem Tischnachbarn Ingo über die Schulter, denn er lötet heute im Gegensatz zu mir nicht zum ersten Mal im Leben. Nun lege auch ich freudig los. Das Löten hat viel mit Feinmotorik und Geduld zu tun. Ich dachte immer ich wäre ein geduldiger Mensch, doch die Modellampel will mich genau an diesem Punkt herausfordern. Denn in meinem Eifer bemerke ich nicht, wie ich zwei Bauteilchen verkehrt herum „zulötete“. Mein Ärger ist groß. Doch es gibt nur zwei Lösungen: entweder die „Entlötlitze“ – ein Hilfsmittel, um Lötstellen aufzulösen oder von Vorne anfangen. Nein, ich bin so weit gekommen, da gehe ich nach einem kleinen Fehler auch diesen Weg weiter.

Katrin lötet eine Modellampel

Kupfer hilft immer

Bei der Entlötlitze handelt es sich um ein Band aus geflochtenen Kupferdrähten. Es wird auf die entsprechende Stelle gepresst und mit dem Lötkolben wieder erhitzt. Dabei schmilzt das Zinn in der Metalllegierung und wird vom Kupferdraht „aufgesogen“. Nicht umsonst gibt es den Ausdruck: jemandem etwas abkupfern. In der Physik werden nur eben nicht Worte, sondern Zinn „weggenommen“.
Ich komme immer besser voran und merke, dass fast alle Bauteilchen zusammengefügt sind. Zu meinem Bedauern muss ich erneut feststellen, dass die Drähte an einer Stelle falsch herum zugelötet sind. Das kann doch nicht wahr sein! Dieses Mal entscheide ich mich gegen den Kupferdraht und für einen Neuanfang. Denn einen Lötfehler zu beheben ist kein Zuckerschlecken. Ich bitte den Kollegen vom Protohaus Braunschweig um ein neues Bauteil und fange wieder an. Beim zweiten Mal fällt mir das Ganze schon viel leichter. Übung macht eben den Meister. Irgendwann halte ich dann glücklich das optisch nicht einwandfreie, aber immerhin fertige Ampelmodell.

Katrin mit fertiger Modellampel und dem Robot Nano Car

Codierung der Lichter

Weißt du wie viele Ampelphasen es gibt? Na klar – drei: Rot, Geld, Grün. Das klingt auf den ersten Blick richtig, ist jedoch falsch. Tatsächlich sind es vier. Und genau die soll ich im nächsten Schritt mit einer Software codieren. Dafür stellt die Autostadt das Open Source-Programm „mBlock Scratch“-zur Verfügung. Es ist speziell für Kinder und Jugendliche entwickelt worden, um das Programmieren und Codieren zu erleichtern. Statt einer komplizierten Programmiersprache gibt es hier einfache „Blöcke“ mit Anweisungen, eine Art visuelle Programmiersprache. Diese sogenannten „Blocks“ müssen logisch angeordnet werden, um so Codes für bestimmte Abläufe festzulegen. Auch beim Programmieren kenne ich mich bisher gar nicht aus. Doch die anwendungsfreundliche Software erscheint mir nach einer kurzen Einführung von Projektleiterin Brenda schnell verstanden. Ich ordne die vier Ampelphasen in einzelnen Blöcken an: 1) Rot, 2) Rot und Gelb, 3) Grün, 4) Gelb. Dieser Kreislauf wiederholt sich immer und immer wieder. Genau deswegen ist auch die letzte gelbe Phase so wichtig, denn die Ampel soll ja nicht nur von „oben nach unten“ funktionieren, sondern auch zurück. So, meine Codes sind fertig. Nun müssen diese an meine Ampel weitergeleitet werden. Kein Problem, dafür ist in meiner Ampelkonstruktion ein „Arduino-Nano-Board“ mit programmierbarem „micro controller“. Über ein USB-Kabel werden meine codierten Blöcke auf den „micro controller“ überspielt. Fertig ist meine Modellampel, die beim zweiten Anlauf auch tatsächlich funktioniert.

Modellampel programmieren

Und das Modellauto?

Für das Modellauto habe ich an diesem Tag leider keine Zeit mehr. Alle Kollegen im Raum sind sowohl mit der Ampel als auch mit dem Auto fertig geworden, doch mir macht das nichts aus. Denn ich weiß – das waren mein erstes Löten, meine erste Codierung und meine erste Modellampel! Netterweise hat mein Tischnachbar Ingo ein Modellauto für mich mitgebaut, das ich mitnehmen durfte. So hatte ich am Abend, wieder in Hannover, die Gelegenheit das Modellauto an die App „ArduinoBlue“ anzuschließen und über einen virtuellen Joystick auf dem Display meines Handys durch die Gegend fahren zu lassen. Über Bluetooth wurde das Auto zu einem autonomen Fahrgestell. Wow, das war ein wirklich bewegender Tag: für mich, meine Ampel und mein Auto.

Workshops in „Robotik“ und „Autonomes Fahren“

Die Erfahrungen, die ich in der Autostadt Wolfsburg gesammelt habe, können auch die Besucher der IdeenExpo machen. Am Messestand können Neugierige entweder eine Modellampel oder ein Modellauto konstruieren und programmieren. Angeleitet werden sie von Mitarbeitern der Inszenierten Bildung und und von den Schülerinnen und Schülern der Technik-AG der Neuen Schule Wolfsburg. Die Autostadt Wolfsburg hat sich gemeinsam mit Zehntklässlern zwei Jahre lang dem Thema „Autonomes Fahren“ gewidmet. Nun teilen die Jugendlichen ihre Erfahrungen mit den Besuchern der Messe.

Autostadt Robot Nano Car

Ein weiterer Programmpunkt ist der Bau eines „FIRST Tech Challange Roboters“. Live auf der IdeenExpo wird von Tag eins in Zusammenarbeit mit der „RobotIGS-AG“ der IGS Göttingen ein Roboter konstruiert. Das Fahrgestell, der Greifarm und die Elektronik des „IdeenExpo-Bots“ sollen innerhalb von fünf Tagen angefertigt werden. Am letzten Tag des Jugend-Events (Sonntag, 23.06.) werden die Fähigkeiten des Roboters in einer Arena auf die Probe gestellt. Wird es ein Heimspiel oder gewinnt die internationale Konkurrenz? Kommt zum Stand der Autostadt Wolfsburg Halle 9, Stand PK-04 und findet es heraus!

Dieser Beitrag ist im Rahmen des Engagements von der Autostadt auf der IdeenExpo 2019 entstanden.


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