Als Frau in einem MINT-Beruf. Ein Erfahrungsbericht.

Am 12. Juni 2019 veröffentlicht von IdeenExpo

Hi Leute, ich bin Nadine, 21  Jahre alt und studiere Wirtschaftsinformatik bei der AOK Niedersachsen.

Wenn ich erzähle, dass ich Wirtschaftsinformatik studiere, ist die Reaktion meist gleich: Zunächst wird geschwiegen und sich gefragt, ob man das jetzt richtig verstanden hat. Dann kommen die Fragen „Und wie kommst du als Frau darauf? Ist das nicht eher was für Männer?“  Statt einer positiven Reaktion auf eine Frau, die sich in einem männertypischen Beruf beweisen möchte, werde ich oft „etwas komisch“ betrachtet.

Nadine Mücke bei der Arbeit

©Michael Wallmüller

Die Veränderung beginnt mit uns selbst

Aber warum eigentlich? Heutzutage hört und liest man immer wieder Buzzwörter, wie die Frauenquote, die vermeintliche Gender-Pay-Gap oder die Unterrepräsentation von Frauen in MINT-Berufen. Dem soll in Zukunft entgegengewirkt werden. Aber wo beginnt die Veränderung? Ein Spruch, der mich persönlich begleitet, kommt von dem berühmten Widerstandskämpfer Mahatma Gandhi und lautet „Be the change you want to see in the world“. Die Veränderung beginnt also mit uns selbst, den Frauen. Keine Quote kann bewirken, dass es künftig mehr Frauen in unterrepräsentierten Berufsfeldern gibt, wenn wir nicht selbst tätig werden und uns für entsprechende Positionen qualifizieren. Es liegt an uns einen Wandel in Bewegung zu setzen und die Stigmatisierung von Berufen als „typische Männerberufe“ aus der Welt zu schaffen.

Wenn mir jemand vor 10 Jahren erzählt hätte, dass ich heute Wirtschaftsinformatik studiere, hätte ich es nicht geglaubt. Ich war kein „Nerd“ oder eine Überfliegerin in Mathe, die sich in ihrer Freizeit mit Computern beschäftigt hat. Erst in der Oberstufe kam ich in Kontakt mit der Informatik. Ich musste mich bei der Wahl eines sogenannten Abdeckerfaches zwischen Erdkunde und Informatik entscheiden. Durch die positive Erfahrung mit der Informatik in der Schule beschloss  ich, ein „Niedersachsen Technikum“ zu absolvieren. Hier machen Frauen mit Interesse an MINT-Berufen ein 6-monatiges Praktikum bei einem Unternehmen und schnuppern gleichzeitig in verschiedene Vorlesungen an Universitäten oder Fachhochschulen rein.

Informatik allein reicht mir nicht

Schnell wurde mir klar, dass ich zwar die Fachrichtung Informatik beibehalten möchte, mich die wirtschaftlichen Aspekte eines Unternehmens aber genauso interessieren. Beides miteinander zu vereinen erlaubt mir das duale Studium der Wirtschaftsinformatik bei der AOK Niedersachsen. Der Bewerbungsprozess ging schnell voran und nach erfolgreichem Einstellungstest und Assessment-Center begann ich im August 2016 mein Studium. Das ist nun fast 3 Jahre her und ich stehe kurz vorm Erreichen des Bachelorgrades. Alles in allem hat mich das Studium sehr gut auf den beruflichen Alltag vorbereitet. Die gelernten Inhalte konnte ich in den Praxisphasen anwenden und vertiefen. Und obwohl der Großteil des IT-Bereiches der AOK männlich ist, wurde ich stets herzlich aufgenommen und sehr gut betreut.

Wenn ich nach einem Highlight während des Studiums gefragt werde, fällt mir die Antwort nicht leicht. Es gab so vieles: Sehr positiv blicke ich zum Beispiel auf meinen Einsatz in einem AOK-Projekt zurück. Hier durfte ich als vollwertiges Teammitglied das Projekt in verschiedenen Aspekten vorantreiben und unterstützen.

Weniger Drama, aber ich brauchte ein dickes Fell

Gut gefallen haben mir auch die Vorlesungen an der Leibniz Fachhochschule. Durch die Aufteilung in kleine Gruppen von rund 30 Personen, war interaktives Lernen und der direkte Kontakt zum Dozenten möglich. Die Unterrepräsentation von Frauen fiel natürlich auch hier auf. In meiner Gruppe waren 28 Männer und gerade einmal vier Frauen. Da muss man zwischendurch schon mal ein dickes Fell aufweisen. Andersherum gab es so auch weniger Drama und Konflikte unter uns Studenten.

©privat

Ich würde mich wieder für ein duales Studium bei der AOK Niedersachsen entscheiden und empfehle jedem Mädchen, das sich für MINT-Fächer interessiert, diesen Weg zu versuchen und sich der Herausforderung einer männerdominierten Branche zu stellen!

Seid die Veränderung, die ihr in der Gesellschaft sehen wollt!

Dieser Beitrag ist im Rahmen des Engagements von der AOK Niedersachsen auf der IdeenExpo 2019 entstanden.

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