IdeenExpo – ein Event voller MINT-Wunder

Am 10. Juli 2019 veröffentlicht von Katrin Janke

Schule fertig und nun? Ausbildung, Studium, Ausland oder gleich arbeiten gehen? Die meisten blicken in ihre Zukunft noch völlig planlos. Eine Berufs-Veranstaltung kann da bestimmt weiterhelfen. Die IdeenExpo ist die Messe der MINT-Fächer – wobei es weniger eine typische Messe als eher ein Jugend-Event für Naturwissenschaft und Technik ist. Wenn du also in der Schule schon ein Fabel für knifflige Matheaufgaben, faszinierende physikalische Gesetzte oder spannende Chemie-Experimente hattest, dann ist die IdeenExpo voll dein Ding! Und wenn du einfach nur froh bist, die ganzen Regeln, Naturgesetze und komplizierten Begriffe endlich losgeworden zu sein, dann kann es dennoch sein, dass du auf der IdeenExpo eine neue Leidenschaft für MINT-Fächer entdeckst. MINT bedeutet übrigens: Mathematik – Informatik – Naturwissenschaften und Technik. Das klingt doch schon mal gut!

Planlos durch die IdeenExpo

Einige gehen planlos in ihre Zukunft – ich entschied mich planlos zur IdeenExpo zu gehen. Damit meine ich: Ich habe mir die Flyer und Broschüren vorher nur kurz angeschaut und mich dann vor Ort einfach treiben lassen. So wie dir etwas im Schaufenster, im Internet oder bei einer Veranstaltung zufällig ins Auge fällt, so bin ich durch die Hallen spaziert. Meine Neugier wurde als erstes von einem Stand geweckt, der einen Kraken mit Gold-Barren auf einem Podest präsentierte. Mich empfängt Sina – eine der Schülerinnen des Evangelischen Gymnasiums Nordhorn, die im Bereich GirlsMINT Camp mit anderen Mädchen eine selbst programmierte App vorstellt. „MADAKRA“ – so heißt das Projekt, was soviel wie „Marketing-Daten-Krake“ bedeutet. Aha, der Kraken will also an mein „digitales Gold“! Sina gibt mir ein Tablet und schon kann es losgehen. Zur Auswahl stehen unterschiedliche Spiele: Kraken Pong, TicTacToe und Angry Kraken. Ich tippe auf „Kraken Pong“ und stelle gleich fest, dass meine Reaktionszeit viel zu langsam ist. Nach dem schnell verlorenen Spiel wird Werbung eingeblendet. Ich soll mich für eine von zweien entscheiden – „Harry Potter-DVD“ oder „Twilight-Film“? Nach jedem Spiel wird erneut nach meinen Vorlieben für Nahrungsmittel, Kleidung und Unterhaltung gefragt. Zehn Minuten später erklärt mir Sina, dass nun ein ganzer Katalog an Werbedaten über mich vorhanden ist. Genau so funktioniert Werbung im Internet. Angeklickte Produkte werden mit einer bestimmten IP- oder E-Mail-Adresse in Verbindung gebracht. So hat ein Unternehmen nach und nach ein umfangreiches Profil seiner Kunden und kann ihnen noch kundenspezifischere Werbung zeigen.

Sina vom ev. Gymnasium in Nordhorn (Ideenfang Teilnehmer) beschreibt wie die App programmiert wurde

Beim nächsten Stand bleibe ich beim Thema „Digitales“– nur dass ich nun einen Handy-Halter bauen werde. Azubine Lisska von der Tischlerei „Tischler Nord“ begleitet den Prozess. Zunächst suche ich mir ein kleines flaches Stückchen Holz aus, an dem ich arbeiten möchte. Mit einem Lineal zeichne ich ein Paar Striche vor, die gleich durchgesägt werden. Wer denkt, eine Säge zu bedienen sei einfach, der hatte noch nie eine in der Hand! Das Geheimnis dabei ist – weniger Druck, dafür mehr Vorwärts- und Rückwärtsbewegungen. Nach dem Sägen mache ich mich an den Bohrer. Ich bohre das Loch, durch das ich später eine Lederschnur stecken werde. Die grobe Arbeit ist nun getan – doch ein letzter Schliff fehlt noch: mit Schleifpapier schleife ich die ungerade abgesägten Stellen solange, bis ich zufrieden bin. Zum Schluss reibe ich das Holzstück mit Öl ein – das sei gut für die Pflege des Holzes, versichert mir Lisska. Nach einem kurzen Test (ich will ja auch wissen, ob mein Handy-Halter überhaupt funktioniert) verabschiede ich mich zufrieden von diesem Stand.

Bloggerijn Katrin an der Handsäge

Als Tischler sägt, bohrt und schleift man viel

Von Handwerksarbeit geht es nun zur Laborarbeit. An einem Tisch von der Uni Hamburg stellt mir Elsa, eine der wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen der Uni, einen ganz bestimmten Stoff vor – Superabsorbent Polymer. Bevor sie mir verrät, welche Eigenschaften dieser hat, lässt sie es mich selbst herausfinden. Ich soll in ein Becherglas zunächst etwas Wasser und dann etwas von dem oben genannten Stoff geben – ein unscheinbares Pulver. Anschließend soll ich die Flüssigkeit vermischen. Ich mische und mische und merke, dass die Konsistenz der Flüssigkeit sich verändert. Sie wird gel-artig und immer fester. Nach etwas Natriumchlorid und einer weiteren Misch-Einheit hat die (nicht mehr so flüssige) Flüssigkeit wieder ihre ursprüngliche Erscheinungsform erlangt. Offensichtlich wird das Pulver dazu genutzt, um Wasser zu binden. Als Einsatzorte für diesen (magischen) Chemie-Stoff sind mir gleich Baby-Pampers und Binden für Frauen eingefallen. Der Chemie sei Dank! Was würden wir nur ohne Baby-Pampers tun?

Do it yourself-Lack

Begeistert vom Mischen chemischer Elemente treibt es mich zu dem Stand des Unternehmens Worlée. Das deutsche Familienunternehmen produziert seit 165 Jahren chemische, natürliche und kosmetische Rohstoffe. Auf der IdeenExpo bietet der Rohstoff-Experte die Herstellung eines eigenen Lackes an. Gleich zu Beginn fällt mir eine große bemalte Figur auf. Ich bin wohl nicht die Erste, die Lust auf Kreativität bekommen hat. Azubi Christoph erklärt mir den Ablauf. Ich mische mit Dovanol angelöste (gelbe und blaue) Farbpigmente erst mit einem Bindemittel, dann kommt ein Verdicker hinzu und das Lösemittel „Propylenglykol“. Alles wird auf einer Waage penibel ausgemessen, denn ein Lack hat nur dann die gewünschten Eigenschaften, wenn das Verhältnis der gemischten Stoffe korrekt ist. Mit meinem eigenen dunkelgrünen Lackgemisch knie ich mich neben die bereits sehr bunt bemalte Figur und hinterlasse auch eine „Farbspur“. Nach getaner Arbeit stelle ich fest, dass meine Hände farblich in Mitleidenschaft gezogen wurden. Mit Wasser kriege ich den Lack nicht weg – das weiß ich von Christoph. Hier gilt der bekannte Lehrsatz der Chemie: „Gleiches löst sich in Gleichem.“ Der hergestellte Lack ist auf Wasser-Dovanol-Basis gemacht und löst sich somit am besten mit einer Wasser-Dovanol-Lösung. Logisch!

Lackfigur auf der IdeenExpo 2019

Das Anpinseln der Figur mit eigenem Lack ist durchaus beliebt

Reise in den (Mikro-)Kosmos

Nicht weit entfernt bleibt mein Blick an einigen Mikroskopen hängen. Biologie fand ich schon immer interessant! Mir zur Seite steht Rascal, der eine Ausbildung bei der Medizinischen Hochschule Hannover macht. Ich lege eines der kleinen Plättchen, Objektträger genannt, in das vor mir stehende Mikroskop ein und schaue fasziniert auf die „biologische Landschaft“, die sich vor meinen Augen erstreckt. Rascal erzählt mir, was ich da genau sehe: es ist der Querschnitt von der Niere einer Ratte. Ich kann es kaum glauben, denn die roten und gelben Stäbchen und Teilchen erinnern mich eher an einen unbewohnten Planeten. Als genauso interessant stellen sich auch die Querschnitte von Speiseröhre, Lunge und Zunge heraus. Zu seinem Alltag als Medizinisch-Technischer Laboratoriumsassistent gehört unter anderem die Fertigstellung von Querschnitten der Organe einer Ratte. Auf Nachfrage erfahre ich mehr: die frischen Organe des getöteten Tiers werden als erstes in Formalin eingelegt, damit der Verwesungsprozess gestoppt wird. Danach wir das Organ in Paraffinwachs aufbewahrt, damit es hart wird. Erst dann kann mit einem Mikrotom – einem speziellen Schneidegerät – ein Mikrometer dickes Stück abgeschnitten werden und auf einem Objektträger platziert werden. An dieser Stelle erfahre ich, dass die bunten Farben, die ich durch das Mikroskop sehe, nicht natürlicher Herkunft sind. Die Organe werden gefärbt, wobei die Farbe durch die Ladung der einzelnen Organteile bestimmt wird.

Nach einem Blick in den Mikrokosmos unser Welt beschließe ich noch einen Ausflug in dem Makrokosmos zu wagen. Die Stiftung Planetarium Berlin ist dafür genau das Richtige. Nach einer ordentlichen Wartezeit darf ich mich entspannt in einer Liege niederlassen und meinen Blick nach oben richten. Eine Sprecherin des Instituts nimmt uns auf eine virtuelle Reise in den Weltall mit. Wir starten mit einigen Sternenbildern und verfolgen bald schon aus nächster Nähe den ersten bemannten Raketenflug zum Mond. Die Schwerelosigkeit und die endlose Weite sind überwältigend. Das Abenteuer endet mit einem (bisher nur virtuell erlebbaren) Flug zum Mars. Beflügelt von den grenzenlosen Möglichkeiten der Menschheit mache ich mich auf den Heimweg. Das anfangs planlose “Umherirren” auf der IdeenExpo hat mir letztendlich tatsächlich geholfen, einen Plan von MINT zu bekommen.

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