Gespräche über CoVid-19 souverän meistern

Am 20. April 2020 veröffentlicht von Erwin Völkening

Immer wieder gibt es Ereignisse, die im alltäglichen Umgang viele Gespräche dominieren: die WM, Wahlen oder besondere Wetterereignisse beispielsweise. Doch selten gibt es etwas, das so groß, so weltumspannend ist, dass man sich keine fünf Minuten mit jemandem unterhalten kann, ohne dass das Gespräch unweigerlich darauf gelenkt wird. Das Coronavirus, SARS-CoV2, ist so ein Ding. Es fordert nicht nur unsere Selbstdisziplin, zu Hause zu bleiben oder in systemrelevanten Berufen die Gesellschaft am Laufen zu halten, heraus, sondern es zwingt uns alle, uns zumindest ein bisschen mit dem Thema auszukennen, damit keiner denkt, wir seien uninformiert.

Deshalb hier ein kleiner Überblick über die wichtigsten Begriffe und Fakten rund um die Pandemie, sodass ihr in der Lage seid, kompetent auch durch die hundertste Corona-Diskussion durchzukommen.

Was ist ein Virus?

Fangen wir ganz am Anfang an: Ein Virus ist in erster Linie nicht viel mehr als eine Nukleinsäure (Desoxyribonukleinsäure = DNA, Ribonukleinsäure = RNA), die in einer Proteinhülle sitzt. In dieser Form, außerhalb einer Wirtszelle, bezeichnen wir es als Virion. Registrieren die Rezeptoren auf der Proteinhülle nun eine geeignete Wirtszelle, wird der Strang mit Erbinformation in diese Zelle injiziert, woraufhin der Wirt dazu umprogrammiert wird, neue Kopien des Virus herzustellen. Dieser einfache Mechanismus reicht aus, um das Virus in die Lage zu versetzen, sich stetig zu vermehren. Das Kapern der Wirtszelle kann dabei verschiedene Effekte auf die Zelle selbst haben und sie stark verändern oder zerstören. Das und die Reaktion des Wirtsimmunsystems führen in komplexen Organismen schließlich zu Symptomen, wie zum Beispiel Husten oder Niesen, die die Verbreitung des Virus möglich machen.

Was ist ein Coronavirus?

Die Coronaviridae oder Coronaviren sind eine ganze Familie von Viren, die verschiedenste einzelne Arten umfasst. Der Name entstammt dem lateinischen Wort für Krone und bezieht sich auf unter dem Mikroskop erkennbare Spike-Proteine, die in alle Richtungen vom Virion abstehen. Coronaviren lösen bei uns Menschen verschiedene Atemwegsinfektionen aus. Bekannte Vertreter dieser Virenfamile verursachen SARS (Severe Acute Respiratory Syndrome, Schweres Akutes Atemwegssyndrom) und MERS (Middle East Respiratory Syndrome, Mittelöstliches Atemwegssyndrom). Bei Coronaviren handelt es sich um RNA-Viren.

Was ist ein RNA-Virus?

RNA, also Ribonukleinsäure, unterscheidet sich von der bekannteren DNA, also Desoxyribonukleinsäure durch den als Baustein verwendeten Zucker (Ribose statt Desoxyribose), eine der vier Basen (Uracil statt Thymin) und die Struktur. RNA ist nicht in der bekannten Doppelhelix aufgebaut, sondern nimmt meist die Form eines einfachen Strangs an, also einer Einfachhelix. Bei RNA-Viren ist die Erbinformation innerhalb der Proteinhülle des Virions in einer RNA kodiert.

Was sind SARS-CoV2 und CoVid-19?

SARS-CoV2 steht für das Virus SARS Coronavirus 2, das Ende vergangenen Jahres im chinesischen Wuhan in der Region Hubei vermutlich von einem Tier auf den Menschen übertragen und von dort aus global verbreitet wurde. Die durch dieses Virus ausgelöste Krankheit bezeichnen wir als CoVid-19, also Coronavirus Disease 19. Der Name weist dabei auf die Virenfamilie und das Jahr (2019) des ersten Falls hin.

Was bedeuten die Begriffe Endemie, Epidemie und Pandemie?

Diese drei Begriffe kategorisieren Krankheiten hinsichtlich ihrer Verbreitung. Eine Endemie ist zeitlich und räumlich begrenzt, eine Epidemie ebenfalls, verbreitet sich aber schneller und weiter. Eine Pandemie schließlich bezeichnet ein globales Phänomen. CoVid-19 ist inzwischen fast überall auf der Welt zu finden und wird dementsprechend als eine Pandemie klassifiziert.

Was sind Inkubationszeit, Prävalenz, Inzidenz und Basisreproduktionszahl?

Diese Begriffe fallen im Zusammenhang mit der Pandemie immer wieder. Sie charakterisieren die Ausbreitung von Krankheiten. Inkubationszeit bezeichnet den Zeitraum zwischen der Infektion und dem Einsetzen der Symptome. Mit im Mittel fünf bis sechs und teils bis zu 14 Tagen ist diese bei CoVid-19 recht lang. Die Prävalenz gibt an, wie viele Menschen mit einem Erreger infiziert sind (die „Flatten The Curve“-relevante Kurve) und die Inzidenz gibt die Zahl der Neuinfektionen an. Die Basisreproduktionszahl, die mit R0 bezeichnet wird, sagt aus, wie viele Menschen von einem Infizierten durchschnittlich angesteckt werden. Die Grippe hat meist einen R0-Wert von ca. 1 – 2. Die Basisreproduktionszahl von CoVid-19 liegt ohne Maßnahmen schätzungsweise bei 2 – 3,3 (Quelle: RKI).

Welche Symptome verursacht CoVid-19?

Die häufigsten Symptome der Krankheit sind trockener Husten, Fieber und Schnupfen. Auch von einem verringerten Geruchs- und Geschmacksinn wird berichtet. CoVid-19 kann in ca. 2% der Fälle zu folgenschwereren Lungenentzündungen führen. Da wir die Krankheit noch nicht vollständig verstanden haben, ist es sinnvoll, sich immer mal wieder in seriösen Quellen zur Symptomatik zu informieren, da mit der Zeit neue Erkenntnisse dazu kommen. Husten und Schnupfen stellen im Rahmen von Tröpfcheninfektion den Hauptverbreitungsweg des Virus dar. In vielen Fällen zeigen sich bei Infizierten gar keine oder nur sehr milde Symptome, was das Risiko birgt, das Virus unbemerkt zu verbreiten.

Was nun?

CoVid-19 ist eine neue Herausforderung und niemand hat ein klares Rezept, wie wir damit umgehen sollten. Dennoch gibt es einige Maßnahmen, die wir größtenteils bereits umsetzen, die dazu geeignet sind, die Lage abzumildern. Je weniger Menschen man trifft, desto weniger Menschen kann man anstecken und je mehr man sich die Hände wäscht, desto schlechter stehen die Chancen für Krankheitserreger darauf zu überleben (tatsächlich ist Seife unheimlich effektiv gegen die schützende Lipidschicht der Coronaviren). Wie wir weiterverfahren, wird sich in einem Diskurs von Wissenschaft, Politik und Gesellschaft zeigen. Irgendwann in nicht allzu ferner Zukunft wird die Pandemie vorüber sein. Konzertbesuche, Treffen in Parks oder Urlaube werden sich dann sicherlich ein bisschen besonderer anfühlen als vorher.

Bis dahin: Bleibt, wenn möglich, zu Hause und sucht euch irgendein neues Hobby. In einem hochgelobten, kürzlich ins Deutsche übersetzten Kurs der Universität Helsinki könnte ihr beispielsweise alles rund ums Thema künstliche Intelligenz lernen: https://www.elementsofai.de/.

Die Inhalte in diesem Artikel stellen keine medizinischen Informationen dar. Alle Angaben sind ohne Gewähr. Aktuelle, verlässliche Informationen zu CoVid-19 können auf der Website des Robert Koch-Instituts https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/nCoV.html eingesehen werden.

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