Wie managen wir die Digitalisierung?

Am 9. Juni 2020 veröffentlicht von Jekaterina Stael von Holstein

Digitalisierung – eines der vielen Themen, die in den Nachrichten heiß diskutiert werden. Das Schöne an der Debatte ist, dass wir uns alle gut vorstellen können, worum es geht. Wir leben bereits alle in einer sehr digitalen Welt und können uns das Leben ohne Internet, Smartphone, Tablet und WLAN wohl kaum vorstellen. Dies haben wir besonders während der Coronapandemie am eigenen Leib erfahren. Home Office, Unterhaltung, Bildung – alles läuft digital ab.

Doch gibt es mehrere Studien, die belegen, dass Deutschland, zumindest was die Digitalisierung angeht, viele Verbesserungen umzusetzen hat. Schon alleine im Vergleich zu vielen europäischen Ländern gibt es in Deutschland nicht überall freies WLAN und auch der Handyempfang ist nicht immer gut. Die Upload- und Downloadgeschwindigkeit könnte vielerorts besser sein und die Kinder sollten mehr über Computer und digitale Sicherheit an den Schulen lernen.

Dabei vergessen wir auch gerne, dass es nicht nur um den Alltag geht, sondern auch z.B. um die Industrie 4.0. Hierbei werden die Geräte und Maschinen immer mehr miteinander vernetzt und die Prozesse werden digitalisiert und automatisiert. Die Warenwirtschaft könnte so optimiert werden und die Wirtschaftlichkeit dadurch gesteigert werden. Beispiele aus dem Alltag wären die bargeldlose Bezahlung via Smartphone oder Smart Homes, wo selbst die Heizung digital gesteuert werden kann.

Die Digitalisierung ist im ständigen Wandel und Fortschritt. Nun stellt sich die Frage, wie man diese begreifen, ordnen und managen kann. Es gibt so viele digitale Geräte und Neuheiten, da fällt es einem schwer zu entscheiden, welche Aspekte wichtig sind, welche ein Förderungspotential haben und welche bald eventuell nicht mehr von Bedeutung sind. Genau diese Frage stellen sich auch die Experten, die die Digitalisierung fördern möchten. Um durch den Wald der vielen Begrifflichkeiten zu kommen, hier ein kleines Lexikon für euch.

Kleines Lexikon der Digitalisierung

Einige der folgenden Begriffe sind klar verständlich, andere nicken wir ab, denn wir können uns ungefähr vorstellen worum es geht und dann gibt es Begriffe, die wir überhaupt nicht zuordnen können. Ein paar Wichtige möchte ich im Folgenden ein wenig erläutern:

Digitalisierung wird auch auf der IdeenExpo groß geschrieben

Digitalisierung: Ursprünglich ist der Begriff gedacht, um den Wandel von einem analogen Signal in ein digitales zu beschreiben. Ein Beispiel, was du sicherlich kennst, ist, wenn du eine Tonaufnahme von dir anhörst, wobei deine (analoge) Stimme in ein digitales Signal umgewandelt wurde. Heute steht die Digitalisierung für einen Trend, bei dem die digitalen Technologien immer mehr Zufluss erfahren und durch Automatisierung die Effizienz von Prozessen verbessern. So können wir dank unserer Smartphones schnell die richtige Verkehrsanbindung finden, ohne dass wir uns in einer neuen Gegend auskennen müssen. Ähnliches passiert in der Industrie: Je mehr Prozesse digitalisiert werden, desto mehr können diese strukturiert werden und so wird deren Ablauf beschleunigt.
Außerdem steht die Digitalisierung dafür, dass wir die IT (Informationstechnik) zur Verbesserung unseres Alltags, ob im Büro oder zu Hause, nutzen. Dies fängt beim Internet und Smartphone an und geht weiter zur Nutzung von Virtual Reality. Vor allem ein guter Handyempfang und das schnelle Internet möchte die heutige Politik überall in Deutschland besser umsetzen und dies insbesondere in ländlichen Gebieten. 4G steht dabei für die vierte Generation des Mobilfunks und ist ein Standard für mobiles Internet bei Smartphones, welches überall in Deutschland in den nächsten Jahren verfügbar sein soll. Der Nachteil an digitalen Technologien ist, dass diese relativ schnell altern und so zügig durch bessere Modelle ersetzt werden müssen. So gibt es mittlerweile als Standard neben 4G auch 5G. Trotz der Aufrüstung werden die Daten, die wir herunterladen, immer größer, weswegen wir keine andere Wahl haben als aufzurüsten (upgraden), um schnell an Informationen zu kommen.

Als ein Nebenbegriff der Digitalisierung würde ich gerne den Begriff der Digitalen Revolution einführen. Dieser existiert bereits länger und ist darauf begründet, dass die Elektronik Einzug in unseren Alltag fand. Dies hat den Anfang im Wandel von analogen zu digitalen Technologien. Für viele entspricht das in etwa der Umstellung von Kassetten und Disketten auf CDs und später MP3- Dateien. In der Industrie wurden die Prozesse digitalisiert, so dass man von schweren, hand- und motorbetriebenen Maschinen auf CNC und SPS-Steuerung umstieg – dank der Programmierung als auch der Nutzung elektronischer Bauteile. Immer mehr Büros sind auf Computer und moderne Betriebssysteme mit vielfältig verwendbaren Programmen gewechselt. So hat die digitale Revolution Veränderungen in der Wirtschafts- und Arbeitswelt als auch im Privaten hervorgebracht. Die digitale Revolution geht weiter und wird immer durch die Digitalisierung vorangetrieben.

Big Data ist ein englischer Begriff, welcher übersetzt Massendaten bedeutet. Dadurch, dass wir so viele Daten durch die Nutzung der digitalen Technologien sammeln und produzieren, z.B. bei Facebook oder Instagram (Social Media, Massenmedien), ist die Größe der Datenmengen enorm und komplex. Das bedeutet in technischer Hinsicht, dass ein sicherer Weg zur Verarbeitung und Speicherung gefunden werden muss, denn kaum jemand möchte, dass sehr persönliche Nachrichten und Informationen ungewollt und vor allem für die falschen Personen öffentlich gemacht werden. In sozialer Hinsicht haben Massendaten ebenfalls eine Bedeutung. Nicht nur, dass wir schnell an Informationen kommen, wir können schnell ungewollt von Organisationen überwacht, unser Konsumverhalten kann beeinflusst und unsere Persönlichkeitsrechte können dadurch verletzt werden. Für viele ist es ein gesellschaftlicher Umbruch, denn die Beziehungen zwischen den Menschen, wie man sich kennenlernt und auch miteinander umgeht, wie man sich für eine Uni oder einen Job bewirbt, das alles hat sich in den letzten zehn Jahren enorm verändert. Noch in den 90ern glich eine Nutzung von Smartphones der Science Fiction.

Smart Home (eHome, Smart Living, Ambient Assisted Living) beschreibt die Nutzung der IT für das Zuhause. Das Ziel dieser Nutzung ist eine Verknüpfung der einzelnen Technologien, um mehr Komfort in den Wohnräumen zu schaffen. Das kann die Haustechnik betreffen – so gibt es Kühlschränke, durch die wir eine Einkaufliste auf unser Smartphone bekommen können – aber vor allem die Unterhaltungselektronik bietet mit der Vernetzung durch intelligente persönliche Assistenten (Alexa, Google, Siri), Smart TV, Smartphone und vielen weiteren Gerätschaften ein tägliches Erlebnis und Wohlgefühl für das Zuhause. Was sicherlich nicht (oder noch nicht) in jedem Haus zu finden ist, ist die komplette Vernetzung der Gerätschaften zu Hause, mittels derer auch von unterwegs die Heizung niedriger gestellt werden kann oder die Lampen bei Bedarf angeschaltet werden können. Damit verbunden ist der Begriff des Smart Metering, welches die Regulierung des Energieverbrauchs zu Hause umsetzt. Bei Smart Home nicht zu vergessen ist der Aspekt der Sicherheit, da auch Sicherheitsalarm, Notruf und automatische Verriegelung des Hauses solcher Wohnräume automatisiert und digital abrufbar sind.

Virtual Reality (VR) und Augmented Reality (AR) sind zwei eng verwandte Begriffe, die durch die neusten Fortschritte der Digitalisierung langsam ihren Weg in unseren Alltag finden. Einige hatten bereits das Vergnügen, VR kennenzulernen. Hierbei bekommt man eine Brille aufgesetzt und befindet sich plötzlich in einer anderen Welt. Diese Welt ist entweder programmiert oder stellt eine dreidimensionale Aufnahme einer echten Situation oder Umgebung dar. Es handelt sich also um eine digitale Umgebung, weswegen der Begriff virtuelle Realität (virtual reality) benutzt wird. Der Benutzer kann sich in dieser Welt in Echtzeit entweder komplett zu allen Seiten bewegen oder er ist auf das Schwenken seines Kopfes in alle Richtungen eingeschränkt. Um die Dreidimensionalität in Echtzeit darzustellen, wird auf jedes Auge ein Bild projiziert, was einen Stereoeffekt, ähnlich der Soundanlagen, erzeugt. Um das VR-Erlebnis zu vergrößern, gibt es neben der Brille auch 3D-Mäuse, Datenhandschuhe (Eingabegerät in Form eines Handschuhs), Flysticks sowie ein sogenanntes omnidirektionales Laufband, auf dem ein Mensch in alle Richtung laufen kann und so in der virtuellen Welt eine Laufbewegung in die gewünschte Richtung vorgibt. Bei Augmented Reality (erweiterte Realität) wird die von uns bekannte analoge Welt mit Hilfe von der digitalen erweitert, meist durch visuelle Effekte. Dies kann durch mehr oder weniger einfache digitale Effekte geschehen, wie die Anzeige des Abseits beim Fußball, oder sogar durch Hologramme, die durch das Aufsetzen einer AR-Brille plötzlich im Raum erscheinen und sich bewegen. Neben dem unglaublichen Unterhaltungswert können diese Technologien z.B. der Wissenschaft helfen, Verhaltensweisen von Mensch und Tier besser zu verstehen, Rettungskräften bei Einsätzen in engen Räumen nützlich sein oder schwierige Sachverhalte durch Visualisierung verständlich machen. Diese Technologien versprechen eine sprichwörtliche Zukunft zum Anfassen, denn es soll möglich sein, virtuelle elektronische Geräte durch reale Berührung zu bedienen.

Conversational Commerce bezeichnet die Kommunikation mittels verschiedener Kanäle der Technik. Dabei kann es sich um Live-Unterstützung auf Webseiten handeln, um Live-Chats via Nachrichtenprogrammen mit einer realen Person oder einem Chatbot oder um Spracherkennung wie bei einigen Telefonhotlines. Dies können Unterstützungsmöglichkeiten für den Kunden oder/und gleichzeitig weitere Werbemöglichkeiten für das Unternehmen sein. Conversation commerce wird also auch als e-commerce bezeichnet, bei dem den Kunden Artikel mit besonderer Beachtung ihrer Präferenzen angeboten werden. So bekommen junge Frauen typischerweise eine andere Werbung während des Surfens angezeigt als junge Männer, da die Interessen der beiden Gruppen durchschnittlich unterschiedlich sind.

Internet der Dinge (Internet of Things, kurz IoT) ist ein weiterer Begriff, bei welchem man die Bedeutung nicht auf den ersten Blick erkennt. IoT-Systeme verbinden kabellos verschiedene Geräte miteinander, über das Internet oder über ein eigenes Netzwerk. Neben der Kommunikation unter den Geräten werden Daten erstellt, gesammelt, gesteuert und/oder verarbeitet, es gibt also eine Zusammenarbeit der Geräte. Man spricht auch von einer globalen Infrastruktur für IT-Unternehmen. Ziele sind eine einfache und schnelle Nutzung der Geräte, bei welcher relevante Informationen direkt erfasst werden und sofort verfügbar sind. Dabei kann diese Technik für Smart Homes, Büros und Industrie genutzt werden. Im einfachsten Sinne ist das Internet der Dinge auch ein QR-Code, das wir auf dem Handy einlesen lassen können und dadurch Informationen bekommen können, wie z.B. eine Webseite mit einer Umfrage.

Als Teil des Industrie 4.0.-Begriffes taucht auch immer wieder Smart Factory auf. Mit Hilfe von IoT-Systemen möchte man eine Umgebung schaffen, bei der die Logistik und die Fertigung für sich und untereinander so weit vernetzt sind, dass weitestgehend kein menschlicher Eingriff nötig ist, um den laufenden Prozess aufrechtzuerhalten. Dabei sollen neben der Großfertigung und -lieferung auch individuelle Teilprozesse möglich sein. Eine Technologie ist dabei am vielversprechendsten: RFID (radio-frequency identification). Mittels Radiofrequenzerfassung können die Daten von Produkten bei der Lagerung und Verwaltung erfasst werden.

Wir leben die Zukunft bereits heute und doch müssen wir sie so gestalten, dass sie für alle gleich zugänglich ist. Wie kriegen wir das gemanagt?

Digitales Management als Studiengang

Deutsche Universitäten bieten viele interessante Studiengänge an, die in ihrer Vielfalt kaum zu überbieten sind. Neben dem klassischen Studium z.B. in Maschinenbau, BWL oder Physik, gibt es eine Varietät an wirtschaftstechnischen Studiengängen wie Wirtschaftsingenieurwesen, Wirtschaftsinformatik und eben auch digitales Management. Die Inhalte dieses Studienganges gibt es übrigens an einigen Universitäten, jedoch unter anderen Namen und mit verschiedenen Schwerpunkten. Schon allein die Bezeichnung des Studienganges „digitales Management“ hörte sich für mich vielversprechend an, denn diese trifft den Kern der Herausforderung Digitalisierung.
Da ich mich übergangsweise für das Wirtschaftsingenieurstudium (Bachelor) eingeschrieben habe und mein Studiengang und der Studiengang Digitales Management zusammen die Begrüßung der Erstsemester im WS 19/20 hatten, habe ich mich gewundert, was das überhaupt für ein Studiengang ist? Da die Annoncierung des Studienganges relativ frisch war, haben sich wohl nur wenige Studenten getraut, sich für dieses Studium einzuschreiben, zumindest waren im Hörsaal nur einige Leute anzutreffen. Doch dann traf ich diese Kommilitonen sowohl beim Programmieren in Java als auch in Mikroökonomik und da habe ich Parallelen zwischen den Themen des Studienganges und den Herausforderungen der Digitalisierung gesehen.

Die Inhalte des Studienganges umfassen neben den Grundlagenfächern wie Mathematik viele wirtschaftswissenschaftliche Grundlagen, ähnlich denen eines Wirtschaftsingenieurs in seinem Bachelorstudium, so auch BWL, aVWL, Buchführung, Unternehmensführung und Vieles mehr. Darüber hinaus wird den Studierenden viel Basiswissen in Informatik  nähergebracht. Sie lernen die Grundlagen der Datenbanken, Rechnernetze und des Big Data Management. Darüber hinaus können Fächer wie Relationship Management, Rechnergestützte Modellierung und Optimierung sowie Digital Marketing behandelt werden, die Auswahl sieht jedoch sicherlich an anderen Universitäten etwas andersaus. Hier habe ich nur eine kleine Auswahl an behandelten Fächern vorgestellt, denn im Studiengang Digitales Management müssen inklusive der Bachelorarbeit 180 LP erbracht werden, was eine Regelstudienzeit von 6 Semestern oder 3 Jahren ausmacht.
Man wird also darauf vorbereitet, als künftiger Manager die digitale Auf- und Umrüstung in den Unternehmen vorzunehmen. Und solche Experten sind sehr gefragt, es gibt eine große Anzahl an neuen Berufsbildern, die unterschiedlichste Bezeichnungen tragen, z.B. Chief Digital Officer, Data-Analyst, Digital Process Manager oder Customer Experience-Spezialisten. Nicht zu vergessen ist natürlich die Umstellung der Arbeit auf fast reines Home Office während der Coronapandemie in vielen Branchen, welche Türen geöffnet hat für eine veränderte Arbeitswahrnehmung, die selbst nach der Pandemie weiterhin fortbestehen wird.

Zum Abschluss ein paar Worte

Das Thema Digitalisierung ist komplex und die Auswahl der Begriffe, die hier erklärt wurden, kann sicherlich um viele weitere ergänzt werden. Die Entscheidung, welche Aspekte wichtig sind und welche nicht, ist schwierig zu treffen, denn trotz dessen, dass man für die Zukunft baut, kann sich der eigentliche Augenblick anders als gedacht herausstellen. Wer weiß, ob eine andere Technologie vielleicht interessanter und effizienter ist? Auf das falsche Pferd zu setzen, kann viele Ressourcen verschwenden und im Endeffekt nutzlos sein. Doch nichts zu tun bedeutet gleichzeitig einen Rückschritt und eine Verschwendung des Potentials. Die Ausbildung von Experten zum Thema Digitalisierung ist wichtig und richtig und so bieten die meisten technischen Studiengänge auch Vorlesungen zum Thema Informatik und Management an. Das sind die zukünftigen Experten, die uns in ein neues Zeitalter führen können und unsere Gesellschaft nachhaltig verändern werden.

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