Mücken und ihre Tücken

Am 8. Juli 2020 veröffentlicht von Katrin Janke

Bsss… Mücken gehören zu den ältesten Lebewesen auf unserem Planeten und werden schon zu den Zeiten der Dinosaurier vermutet. Sie gehören innerhalb der Insekten zu den Zweiflüglern. Andere Bezeichnungen sind: Moskito, Stanze, Gelse oder Schnake. Ihr lateinischer Name lautet Culicidae. Die Paarungszeit von Mücken findet von März bis Oktober statt. Deswegen geht spätestens ab Juni die Mückensaison los. Autsch!

Auch wenn es dich überraschen mag, die meisten Mückenarten sind gar keine Blutsauger, sondern ernähren sich von Blütennektar sowie zuckerhaltigen Blüten- und Fruchtsäften. Stechmücken gehören zu denen, die sich hämatophag ernähren – das bedeutet, sie sind „Blutfresser“. Hämatophagie ist auch die Ernährungsweise von beispielsweise Blutegeln und Vampirfledermäusen. Außerdem sind es nur die weiblichen Stechmücken, die sich einen Blutsnack gönnen. Deswegen besitzen sie ein speziell dafür ausgerichtetes Mundwerkzeug – den Saugrüssel. Die Männchen stattete Mutter Natur mit Fühlern aus, während ihr Saugrüssel stark zurückgebildet ist. Warum nur die Weibchen stechen bzw. beißen, erfahren wir gleich.

Weltweit gibt es bis zu 3.500 Mückenarten, wovon 50 in Deutschland anzutreffen sind. Am häufigsten ist hier die Gemeine Stechmücke (Culex pipiens) anzutreffen. Im Grunde haben Mücken eine kurze Lebensdauer: Während die Weibchen bis zu acht Wochen leben können, werden Männchen nicht älter als zehn Tage. Die Ausnahme bilden befruchtete Weibchen, die sich im Herbst einen kältegeschützten Ort zum Überwintern suchen (Kältestarre).

Ein Männchen der Culex-Art, wahrscheinlich Culex pipiens.

 

Die weiblichen Stechmücken benötigen das Blut zur Fortpflanzung. Das geschlechtsreife Weibchen begibt sich zunächst in einen großen Schwarm aus männlichen Mücken, um sich befruchten zu lassen. Bei der Partnersuche hilft der ausgezeichnete Hörsinn der Mücken. Nach dem Summton erkennen sie den passenden Sexualpartner. Das Summen wird beim Flügelschlagen durch kleine Schwingkolben erzeugt und klingt bei jeder Art anders. Das Weibchen hat einen tieferen Summ-Ton (550 Hertz) als das Männchen (600 Hertz). Ist der richtige Partner gefunden, erhöhen beide die Summfrequenz auf 1.200 Hertz. Im Anschluss darauf benötigt das Weibchen (tierisches oder menschliches) Blut. Ohne die darin enthaltenen Proteine und das Eisen können die meisten Stechmücken-Arten keine Eier entwickeln. Aus diesem Grund begibt sich das Weibchen nach dem Paarungsakt auf die Jagd.

„Eischiffchen“ einer Culex-Mücke.

Spezialfähigkeiten

Mücken lassen sich vom Geruch leiten: sie bevorzugen den Duft von Milch-, Fett- und Aminosäuren, wie er auf der menschlichen Haut vorkommt. Zudem wurde herausgefunden, dass die Weibchen mithilfe ihrer Fühler die Umgebungsluft auf  Kohlenstoffdioxid (CO₂) analysieren und so ihre „Nahrungsquelle“ auf über 50 Meter Entfernung aufspüren können. Sie suchen sich den am besten riechenden Blutwirt aus und setzen zum Landeflug an.

Die Mücke sucht sich leicht zugängliche Hautstellen und misst mit ihrem Temperaturfühler die Wärme. So erkennt sie, wo das Blut nah unter der Hautoberfläche fließt. Mit ihrem Saugrüssel durchsticht sie die Haut und entnimmt Blut (meist ca. 0,005 ml). Dabei injiziert sie ihren Speichel (eine Art Blutverdünner) in die Wunde, wodurch die Blutgerinnung gehemmt wird. Das menschliche Immunsystem reagiert auf den „Eindringling“ (Mückenspeichel) indem es Histamin (C5H9N3) produziert. Die Folge: es juckt. Die Reaktion auf den Biss einer Mücke ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Während es bei einigen überhaupt nicht juckt, kommt es bei anderen zu starken allergischen Schwellungen.

Die Blutmahlzeit wird ca. ein bis zwei Tage lang verdaut, dann ist das Weibchen bereit zur Eiablage. Die Eier legt es an der Oberfläche eines stehenden Gewässers ab (die Anzahl der Eier variiert zwischen 30 bis 300 Stück). Das Weibchen klebt die Eier zu einem sogenannten „Eischiffchen“ zusammen, welches dank der Oberflächenspannung und der Luftbläschen zwischen den Eiern auf dem Wassers schwimmen kann.

Der Ort für die Eiablage kann ein See / Teich, eine Regentonne, aber auch eine kleine Pfütze sein. Das Wichtige dabei ist, dass es ein ruhiges Gewässer ist. Aus den millimetergroßen Eiern schlüpfen nach einigen Tagen die Larven. Diese ernähren sich von Mikroorganismen oder anderen Larven und versorgen ihren Körper über ein Atemrohr am Hinterleib (wie ein Schnorchel) mit Sauerstoff von der Wasseroberfläche. Die Larven häuten sich vier Mal (Dauer: 1-3 Wochen) und verpuppen sich anschließend. Einige Tage später schlüpft aus der Puppe das erwachsene Insekt, welches in der Fachsprache Imago genannt wird. Hier kannst du dir die Larve und die Puppe einer Gemeinen Stechmücke genauer anschauen.

Biologisches Gleichgewicht

In der Natur gibt es kein Lebewesen ohne guten Grund. Zunächst einmal sind Mücken in jeden Stadium ihrer Entwicklung eine wichtige Nahrungsquelle für Tiere: als Ei / Larve im Wasser werden sie von Raubwanzen, Fischen und Libellenlarven gefressen, in der Luft hingegen dienen sie Spinnen, Vögel und Fledermäuse als Futter.

An blütenreichen, aber bienenarmen Orten (wie beispielsweise in Tundren-Wäldern im Norden) fungieren Mücken zudem als Bestäuber von Pflanzen. Da sie sich von Pflanzennektar ernähren, bringen sie die Pollen zur Befruchtung von einer Blüte zur nächsten.

Ebendort zwingen die Angriffe von großen Mückenschwärmen Rentier- und Karibu-Herden dazu weiterzuziehen. So werden die Gräser und Wälder vor Überweidung und Zertrampeln bewahrt. Überweidung ist die Folge, wenn zu große Weidentier-Herden an einer bestimmten Stelle zu lange grasen. Im schlimmsten Fall können dabei Wüstenbereiche entstehen, da die Pflanzen es nicht schaffen nachzuwachsen. In den besagten Tundren-Wäldern sind Mücken auch eine Nahrungsquelle für Zugvögel, die so auf ihrer langen Reise genug Futter haben.

Zu guter Letzt sind Mücken Kontrolleure der Populationszahlen ihrer Wirtstiere. Durch die Verbreitung von Krankheiten sorgen sie dafür, dass beispielsweise Hasen sich nicht ungehindert ausbreiten können.

Stille Gewässer sind der ideale Brutplatz für Stechmücken.

Gefahr im Verzug

Eigentlich sind Mückenstiche für den Menschen ungefährlich. Zwar verursacht der Mücken-Speichel eine Abwehrreaktion des Körpers, doch mehr als Jucken und Rötungen passieren nicht. Das Problem ist: beim Beißen übertragen Mücken Bakterien, Viren oder Würmer an den Wirt und somit auch tödliche Krankheiten. Dazu zählen vor allem verschiedene Fieberarten (Malaria, Zika, Dengue-, Gelb- oder West-Nil-Fieber) sowie verschiedene Arten der Filariose (Fadenwurm-Infektion) und Tularämie (Hasenpest). In Deutschland haben wir zwar ungefährliche Mückenarten, dennoch werden durch die Globalisierung Arten eingeschleppt, welche die genannten Krankheiten übertragen. Studien zufolge sterben pro Jahr ca. 1. Million Menschen durch Mücken.

Wissenschaftler sind stets auf der Suche nach effektiven Bekämpfungsmaßnahmen. Bis zu den 1970er Jahren wurde das Insektizid Dichlordiphenyltrichlorethan (DDT) genutzt, doch wegen schädlicher Nebenwirkungen für Tier und Mensch gesetzlich verboten. Seit Ende der 80er Jahre wird beispielsweise in den deutschen Rheinauen zur Stechmücken-Bekämpfung auf das Bakterium Bacillus thuringiensis israelensis zurückgegriffen. Dieses wird großflächig mittels Flugzeug / Hubschrauber verteilt. Das Bakterium zerstört die Darmwand der Mücken-Larven und verhindert so ihr Heranwachsen. Dieses Vorgehen ist jedoch teuer und kommt für viele Länder (vor allem für Entwicklungsländer) nicht in Frage. Alternativ wurden in manchen Weltregionen Brutgewässer von Mücken trockengelegt, was jedoch nur eine Ausnahmelösung darstellt.

Zurzeit experimentiert die Wissenschaft mit Kohlenstoffdioxid und „vorgetäuschtem Menschendurft“ an Gewässern, um eine kontrolliertere Fortpflanzung von Mücken zu gewähren. Diese Lösung steckt jedoch noch in den Kinderschuhen.

Vorbeugen, aber wie?

  1. Brutstellen vermeiden: Wer Mücken im eigenen Garten keine Chance geben will, kann die Regentonnen wöchentlich leeren oder diese bewusst „mückendicht“ abdecken.
  2. Passende Kleidung: Weite, helle Kleidung anziehen, denn von dunklen Farben werden sie angezogen. Geschlossene Socken und Schuhe schützen die Füße.
  3. Passender Schutz: Insektenschutzgitter sind wohl der wirksamste Weg, sich die kleinen Plagegeister vom Leib zu halten. Anti-Mücken-Mittel sind zwar auch eine Möglichkeit, doch die Wirksamkeit lässt selbst bei den besten Mitteln nach ca. 8 Stunden nach. Zudem sind einige Mückenarten mittlerweile gegen das häufig verwendete chemische Insektenabwehrmittel Diethyltoluamid (DEET) resistent.
  4. Licht spielt keine Rolle: Die landläufig verbreitete Meinung, beim Lüften das Licht auszumachen, würde gegen Mücken helfen, ist ein Irrglaube. Wie wir bereits oben erfahren haben, finden Mücken uns anhand von Körperdüften und -ausdünstungen wie Kohlenstoffdioxid, Schweiß und Wärme.
  5. Gut abduschen und möglichst wenig Parfüm: Mücken werden von süßen, blumigen sowie von der im Schweiß enthaltenen Milchsäure angelockt. Im Sommer ist es daher ratsam, sich vor dem Essen auf der Terrasse gründlich zu duschen.
  6. Anti-Mücken-Düfte: Zitrone, Bergamotte, Zimt, Eukalyptus, Zeder, Sandelholz, Kampfer, Zitronenverbene und Neem gehören zu den Düften, die Mücken meiden. Ein weiterer Mücken-Abschreck-Duft ist Knoblauch. Wer genug davon isst, sollte gut geschützt sein. Denn nicht nur der Atem riecht anschließend danach, sondern auch die Haut.
  7. Anti-Mücken-Pflanzen: Die passenden Kräuterpflanzen schrecken die Mücken schon beim Anflug zur Wohnung ab. Geeignet dafür sind Thymian, Rosmarin, Minze, Salbei oder Zitronenmelisse.

 

Die Schnake – oft der Grund für einen Schreck, aber für den Menschen ungefährlich.

Erste Hilfe

Erst summt es lästig, dann juckt es auf der Haut. Wer bereits gestochen wurde, sollte so schnell wie möglich handeln. Gegen den Speichel der Mücke hilft der eigene Speichel. Klingt unglaublich, ist aber wahr: Der menschliche Speichel hat leicht desinfizierende Eigenschaften.

Des Weiteren hilft Kühlen. Dafür können Eiswürfel in einem Beutel auf die entsprechende Stelle gelegt werden. Die Blutgefäße ziehen sich zusammen und die Abwehrreaktion des Körpers wird gebremst. So lässt auch der Juckreiz etwas nach.

Eine andere Möglichkeit ist Hitze. Da der Mückenspeichel aus Eiweiß besteht, kann ein gezielter heißer Wasserstrahl die Entzündungsreaktion mildern. Ebenso wirksam sind Säuren und Basen: einfach Essigwasser, Zitronensaft oder Soda / Natron auf den Mückenstich geben.

Alternativ kann auf die juckende Stelle ein Gel aus Aloe Vera oder Menthol aufgetragen werden, das kühlend und entzündungshemmend wirkt.

Und das Wichtigste zum Schluss: nicht Kratzen! Beim Kratzen wird nicht nur die Haut geschädigt, sondern auch der Mückenspeichel großflächiger verteilt. Das bedeutet dann: noch mehr Jucken.

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