Frauen und Technik – passt perfekt zusammen! Ein Erfahrungsbericht (Teil 2).

Am 4. August 2020 veröffentlicht von Jekaterina Stael von Holstein

Im ersten Teil meines Erfahrungsberichtes über Frauen im MINT-Bereich habe ich euch von meinen schulischen Erfahrungen und meinem Studium erzählt.

Seit Anfang 2020 arbeite ich als Applikationsingenieurin im Außendienst bei KEMET Electronics, einem großen Elektronikhersteller für sogenannte passive Komponenten. Unter passiven Bauteilen versteht man die Bestandteile von Elektronik, die kein elektrisches Steuersignal für die Funktion benötigen. KEMET stellt im Bereich der passiven Komponenten u.a. Kondensatoren und Induktivitäten her. Diese werden beim Kunden vorgestellt und die daraus resultierenden Projekte müssen technisch-beratend betreut werden. Hier kommen wir als Applikationsingenieure (englisch: Field Application Engineer – FAE) ins Spiel, welche die technische Betreuung von Kunden und Projekten im Kundenkontakt übernehmen.

Ich wurde bei KEMET sehr herzlich aufgenommen und mein Training war sehr effektiv. Wenn ich zu Kunden rausfuhr, wurden nie Fragen bezüglich meines Geschlechtes gestellt, einzig und allein die Kompetenz und die Hilfe, die ich dem Kunden bei seiner Problemstellung zur Verfügung stellen konnte sowie natürlich ein wenig Sympathie waren wichtig für den Erfolg des Projekts.

Allerdings muss ich zugeben, dass im technischen Vertrieb sehr wenige Frauen arbeiten, was ich ein wenig schade finde. Es gibt einen hohen weiblichen Anteil im Innendienst, auch habe ich bei Kunden einige Damen im Einkauf gesehen. Aber was die technischen Gespräche anbetrifft, so handelt es sich um einen stark männerdominierten Bereich – egal ob Entwicklung, Produktmanagement, Management oder Außenvertrieb: Bis auf zwei bis drei Ausnahmen, habe ich nur Männer gesehen. Dabei ist meine Generation, welche erst vor Kurzem die Uni verlassen hat, viel progressiver.

Als FAE arbeite ich in Europa in einem Team von vor allem jungen Applikationsingenieuren zusammen und 30 Prozent sind Frauen. Auch kann ich mich glücklich schätzen in einem Unternehmen zu arbeiten, welchem Diversität sehr am Herzen liegt – 55 Prozent aller Angestellten bei KEMET weltweit sind Frauen (Stand 2019). Die Bemühungen des Personalmanagements liegen weiter darin, die Diversität in jeder Abteilung zu vergrößern und so Chancengleichheit herzustellen. In jedem Fall weiß ich, dass es an mir und meiner Leistung liegt, wie meine Zukunft in diesem Unternehmen aussieht, und nicht an meinem Geschlecht oder gar Hautfarbe.

Was kann ich den Jugendlichen da draußen für ihren beruflichen Weg mitgeben?

Lasst euch nicht entmutigen! Klar, es gibt leider immer noch viele Leute da draußen, welche typische Männer- und Frauenberufe unterscheiden. Diese Menschen können euch im Freundeskreis, in der Familie und auch in der Schule, an der Uni oder auf der Arbeit mit ihrer kritischen Meinung begegnen, aber es geht nicht um diese Ansichten. Wichtig sind eure Interessen, eure Ideen und eure Zukunftspläne! Fakt ist leider auch, dass es Menschen geben wird, die euch für diese Ideen Steine in den Weg legen werden. Aber wir befinden uns zum Glück in einer sehr offenen Gesellschaft, welche Diskriminierung immer weniger toleriert. Und es gibt stets mehr Förderprogramme – egal ob für Frauen in MINT oder auch für Männer in den stereotypischen Frauenberufen.

Außerdem kristallisieren sich kontinuierlich mehr Vorbilder heraus, die diesen Weg für uns bereits gegangen sind und uns mit Rat und Tat helfen, Stolpersteine zu umgehen. Und es gibt im Übrigen immer weniger solcher Stolpersteine. Ein kurzer Einschub: Um im MINT-Bereich zu arbeiten, muss man keine Kraft besitzen. Schwere Gerätschaften werden heute dank der Industrie 4.0 automatisiert bewegt, so dass der Mensch in der Werkstatt oder im Bau heutzutage weitgehend körperlich entlastet arbeitet.

Mädchen sind mit Sicherheit nicht blöder in technischen Fragen als Jungs. Und wenn das Interesse vorhanden ist und ein wenig Wille hinzukommt, kann man alles schaffen, was man sich vornimmt! Lasst euch nichts einreden – wenn es euch Spaß macht, traut euch einfach!

Stichwörter: , , , , ,

Kategorisiert in: