Bundesfreiwilligendienst bei den Johannitern – Ein Erfahrungsbericht von Anusha

Am 20. August 2020 veröffentlicht von Eileen Kirchner

Anusha ist 18 Jahre alt und kommt aus Göttingen. Ihr Abitur hat sie mit 17 bestanden und wusste danach nicht so recht, was sie machen möchte. Sie fühlte sich zu jung, um sich festzulegen und hatte noch nicht genügend Geld für eine Auslandsreise angespart. Sie wollte sich alles noch ein bisschen offen halten.

„Und zudem dachte ich halt, es wäre gut, etwas Sinnvolles zu tun, etwas für die Gesellschaft zu tun, wo man Menschen helfen kann und was mir bei meiner „Selbstfindung“ helfen kann.“

Anusha vor einem Einsatzwagen der Johanniter.

Über eine Ausbildungs- und Jobmesse ist sie auf die Johanniter mit einer Mitmachstation für Reanimation aufmerksam geworden.                                                    Eine Tätigkeit im medizinischen Bereich hat ihr Interesse geweckt und nach dem Abitur hat sie sich für den Bundesfreiwilligendienst beworben.                      Sie ist mittlerweile seit neun Monaten in den Bereichen Hausnotruf, Menüdienst und Erste- Hilfe- Ausbildung dabei.

 

Wir haben mit ihr über ihre Arbeit als Rettungshelferin gesprochen, wie die Corona-Pandemie ihren Job verändert hat und wie es für sie nach dem Bundesfreiwilligendienst weitergeht.

Wie sah denn vor der Corona-Krise ein normaler Tag als BFDlerin aus?

Also ein normaler Tag, das ist schwierig [lacht]. Also das ist kein Job, bei dem du von Arbeitsalltag reden kannst. Man arbeitet auch mal an den Wochenenden. Im Hausnotruf hat man ja auch 24-Stunden- Schichten, die eben immer ganz unterschiedlich verlaufen.

Seit Corona hat sich vieles verändert. In den ersten Monaten fanden keine Erste-Hilfe-Kurse statt. Erst seit Anfang Juni werden wieder Kurse, natürlich unter festgelegten Hygienebedingungen durchgeführt, die ich auch selber gebe. Und sonst halt Vorsichtsmaßnahmen, die wir in unseren Bereichen treffen mussten.

Hast du denn auch persönlich ein bisschen Bedenken, weil du ja doch mehr mit Menschen in Kontakt kommst, als jemand, der überwiegend im Büro arbeitet und auch im Home-Office tätig sein kann, was ja in dem Berufsfeld gar nicht geht.

Also Angst habe ich nicht so. Wo man natürlich drüber nachdenkt: Die meisten unserer Kunden sind ältere Menschen. Da sie demnach in der Risikogruppe sind, wäre eine Ansteckung unter Umständen für sie lebensgefährlich. Deswegen bin ich auch ziemlich vorsichtig. Also ich gehe außerhalb der Arbeit nicht unbedingt viel unter Menschen.

Merkt ihr denn, dass es auch bei euren Kunden ein größeres Potential gibt, dass sie sich mehr Sorgen und Gedanken machen über die aktuelle Situation?

Es gibt einmal die Sorte Kunden, die selber überall Mundschutz tragen und auch ganz, ganz, ganz vorsichtig sind. Und dann gibt es noch die Sorte, die einen praktisch umarmen wollen und die es eigentlich gar nicht ernst nehmen und sich auch ein bisschen darüber lustig machen. Also, es ist so 50:50, würde ich sagen.

Du hast vorhin Erste-Hilfe-Kurse erwähnt. Hattest du dafür auch eine Ausbildung?

Bestandsaufnahme: Alles dabei?

Genau. Ganz am Anfang vom BFD hatte ich erstmal einen Monat lang Rettungssanitäter-Grundlehrgang, das heißt: ganz viel medizinisches Grundwissen, was auch super, super spannend war. Dann habe ich eben den Erste-Hilfe-Trainer bei uns gemacht, das waren zwei Wochenenden Lehrgang mit anschließender Prüfung.

Gibt es denn ein sehr angenehmes und ein eher unangenehmes Erlebnis, was dir im Kopf geblieben ist?

Ich habe meine Kollegen sehr gern, ich arbeite super gern mit ihnen zusammen und freue mich, wenn ich sie sehe.
Ansonsten, dass momentan jeder Kunde oder Patient sagt: Schön, dass Sie da sind. Und dass sie sich sehr freuen, dass man ihnen überhaupt hilft.
Und schlechtere Sachen… Blöd ist, wenn die Kunden eher unfreundlich oder undankbar sind.

Ist der Job im Bundesfreiwilligendienst auch körperliche Arbeit?

Also im Hausnotruf fahren wir ja mit dem Caddy zu unseren Patienten. Das kann schon körperliche Arbeit werden, zum Beispiel wenn jemand gestürzt ist und man die Person hochheben oder aufhelfen muss.

Was hat sich aufgrund der Corona-Situation an deiner Arbeit verändert?

Wie vorhin erwähnt, die Erste-Hilfe-Kurse sind in der ersten Zeit nicht mehr durchgeführt worden. Jetzt finden sie unter festgelegten Hygienebedingungen wieder statt. Dann haben wir uns jetzt für den Hausnotruf anders aufgestellt: Da ist es jetzt eben so, dass wir nur noch mit Masken und Handschuhen die Besuche machen. Beim Notruf ist es auch so, dass wir sowieso nach jedem Einsatz zum Beispiel den Notfallrucksack desinfizieren, vor einer Übergabe das Auto desinfizieren, und wenn wir einen Corona-Verdacht haben, z.B. Fieber oder irgend sowas, dann desinfizieren wir Auto und Rucksack mit einem potenteren Desinfektionsmittel, welches auch länger einwirkt und ziehen uns um. Ansonsten eigentlich gar nicht so viel, also die Arbeitszeiten sind ja immer noch gleich. Ich bin auch sowieso sehr froh, dass ich noch arbeiten darf und nicht zu Hause rumsitzen und mich langweilen muss.


Ein paar Fakten

Der Unterschied zwischen Bundesfreiwilligendienst und Freiwilligem Sozialen Jahr:

Der einzige Unterschied ist das Alter. Das FSJ kann jeder bis zum 27. Lebensjahr absolvieren, das BFD in jedem Alter. Dauer: Das FSJ dauert in der Regel 12 Monate. Die Mindestdauer beträgt sechs Monate, die Höchstdauer 18 Monate. Es beginnt in der Regel am 1. September und endet am 31. August des darauffolgenden Jahres. Abweichend davon kann aber auch früher oder später begonnen werden.

Arbeitsbereiche:

Krankentransport | Behindertenfahrdienst | Hausnotruf | Menüservice | Breitenausbildung | Jugendarbeit | Kindertageseinrichtungen

Vergütung:

Taschengeld | Verpflegungspauschale |Fahrtkostenzuschuss
 25 Seminartage | 29 Tage Urlaub

Voraussetzungen:

Führerschein Klasse B | Einwandfreies polizeiliches Führungszeugnis |                             Freude am Umgang mit Menschen


Hast du denn vor, später etwas im medizinischen Bereich zu machen oder sogar in dem Beruf zu bleiben?

Tatsächlich vor dem Bundesfreiwilligendienst überhaupt nicht. Ich hatte schon Interesse an Medizin, aber nicht so, dass ich in dem Bereich arbeiten wollte. Und das war auf jeden Fall schon gut, das [Interesse] ist auf jeden Fall gewachsen und ich finde es eigentlich ziemlich cool, das weiterzumachen. Aber ich bin mir auch nicht so ganz sicher, ob ich für immer in diesem Beruf bleiben wollen würde.

Würdest du es aber nach der Schule jedem empfehlen, sich für den Bundesfreiwilligendienst zu entscheiden?

Auf jeden Fall! Ob das jetzt ein FSJ oder BFD ist, ist völlig egal. Es ist von mir aus auch egal, in welchem Bereich und ob man das jetzt ein Jahr macht oder nur sechs Monate, denn ich finde, schon ein paar Monate im Arbeitsleben geben einem einiges an Erfahrung mit und bringen einem ordentlich Selbstbewusstsein. Man lernt, sich auf seine Fähigkeiten zu verlassen, das merke ich an mir selber. Eine Freundin von mir macht auch ein FSJ und auch an ihr merke ich, dass wir deutlich selbstständiger geworden sind. Und ich finde es ehrlich gesagt wichtig, dass man etwas Erfahrung im Berufsleben und -alltag haben sollte, bevor man sich für einen Berufszweig entscheidet.

Wie wird es denn für dich weitergehen? Hast du schone eine Idee?

Ideen habe ich viele… [lacht] Ich finde es noch schwierig, mich zu entscheiden. Also mein Plan ist, mein BFD zu verlängern auf 18 Monate insgesamt, weil es mir wirklich viel Spaß macht und ich noch nicht so genau weiß, was ich dann machen will.

Ich habe vor, ein paar Monate zu reisen, ich denke dabei wird mir auch noch einiges klarer werden und vielleicht kriege ich ja noch mehr Inspirationen für ganz andere Berufsfelder!

Momentan könnte ich mir durchaus eine Ausbildung zur Notfallsanitäterin vorstellen, da hat mich das Interesse zur Medizin schon gepackt! Sonst hatte ich eigentlich immer vor, Ernährungswissenschaften zu studieren, was ich auch immer noch spannend finde. Ich bin mir aber gar nicht mehr so sicher, ob ich überhaupt der Typ für ein Studium bin oder nicht doch etwas Praktischeres brauche! [lacht]

Tatsächlich hat dir das ja in dem Sinne geholfen, dass du so ein bisschen weißt, in welche Richtung es jetzt gehen soll und dass du auch sagst: Notfallsanitäterin kann ich mir vorstellen, ist ein spannender Beruf.

Genau, auf jeden Fall! Und auch sonst würde ich sagen, hat es mir sehr viel gegeben und mich weitergebracht!

Ihr seid auch an Freiwilligendiensten interessiert? Dann informiert euch hier: WWW.JOHANNITER.DE/FSJ-BFD-NB oder bewerbt euch unter WWW.BESSER-FÜR-ALLE.DE.

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