Schluckauf – ein lästiges Nebengeräusch

Am 1. Dezember 2020 veröffentlicht von Katrin Janke

Jeder kennt es. Zu schnell getrunken oder geschluckt und schon ist es passiert: Hicks! Hicks! Hicks! Und es will einfach nicht mehr aufhören. Und dann ist es plötzlich wieder weg. Was genau passiert beim Schluckauf im Körper? Warum gibt es ihn überhaupt? Und welche Maßnahmen helfen?
Diesen Fragen gehen wir nun auf den Grund.

In der Fachsprache wird Schluckauf als “Singultus” bezeichnet. Er ist meist harmlos und vergeht schnell. Hält er jedoch länger an (z.B. mehr als ein Tag) oder tritt häufig auf, kann das krankhafte Ursachen haben und sogar chronisch werden. In solchen Fällen ist ein Arztbesuch ratsam. Das gilt vor allem dann, wenn zum Schluckauf weitere Symptome wie Sodbrennen, Bauchschmerzen, Schwellungen im Halsbereich, Müdigkeit und Übelkeit kommen.

Um Schluckauf zu verstehen, werfen wir zunächst einen Blick auf das Atmen. Denn am Atemvorgang ist nicht nur die Lunge beteiligt, sondern auch das Zwerchfell (Diaphragma). Das ist ein flacher Muskel, der Brust- und Bauchhöhle voneinander trennt. Er wird in erster Linie bei der Zwerchfellatmung beansprucht (im Volksmund “Bauchatmung” genannt). Beim gewöhnlichen Atmen nutzen wir meistens eine Mischung aus Brust- und Bauchatmung. Also wirkt das Zwerchfell immer mit.

Beim Einatmen zieht sich das Zwerchfell nach unten zusammen und vergrößert so das Volumen im Brustkorb. Dabei entsteht ein Unterdruck und durch die geöffnete Stimmritze im Kehlkopf strömt Luft in die Lunge. Die Stimmritze (Rima glottidis) ist ein kleiner Raum zwischen den Stimmbändern bzw. den Stimmlippen. Dank diesen sind wir überhaupt in der Lage Töne zu bilden und zu sprechen. Beim Ausatmen entspannt sich das Zwerchfell wieder und die Luft strömt durch die Stimmritze heraus.

Ein Modell des menschlichen Körpers: 1 – Stimmbänder, 2 – Lunge, 3 – Zwerchfell.

Beim Schluckauf verkrampft sich das Zwerchfell ruckartig, wodurch sich die Stimmritze zwischen den Stimmbändern reflexartig schließt. Die Luft in der Lunge kann nicht mehr entweichen und prallt gegen die geschlossenen Stimmbänder. Auch die einströmende Luft kann nicht entweichen. Dieser Druck auf die Stimmritze sorgt dafür, dass sie sich ruckartig öffnet und wieder schließt. So entsteht der hörbare Hickser. Der Ursprung dieses Zwerchfellreflexes liegt im Gehirn, im sogenannten “Schluckaufzentrum”. Dieses sendet Nervensignale an den Zwerchfellnerv (Nervus phrenicus) und an die Stimmbänder, was zum Schluckauf führt.

Ursachen und Funktion

Die Ursache für Schluckauf liegt oft im Magen. Wenn wir zu schnell, zu heiß, zu kalt essen oder trinken, dehnt sich der Magen aus und reizt das Zwerchfell bzw. den dazugehörigen Nerv. Auch kohlensäurehaltige Getränke, Alkohol und starkes Rauchen haben diese Wirkung. Manchmal sind auch psychische Ursachen wie Angst, Aufregung oder Stress der Auslöser.

Wissenschaftler haben verschiedene Vermutungen, warum es den Schluckauf-Mechanismus überhaupt gibt. Es ist nachgewiesen, dass bereits ungeborene Babys im Mutterleib hicksen. Laut einer Theorie soll es den Atemreflex schulen, während eine andere Theorie besagt, es verhindere, dass Flüssigkeit in die Luftröhre gelange. Auch Säuglinge hicksen häufig. Eine Theorie dazu lautet: Schluckauf befördere Luft aus dem Magen (ähnlich wie beim Rülpsen), wodurch im Babymagen mehr Platz für Muttermilch bleibe. Bei Erwachsenen hat das Hicksen hingegen vermutlich keine Funktion. Sicher ist das aber nicht. Der menschliche Körper ist eben genau wie die Tiefen der Weltmeere noch nicht vollkommen erforscht…

Wasser in kleinen Schlückchen zu trinken, ist ein verbreitetes Hilfsmittel…

Was hilft?

Viele Wege führen nach Rom. So ist es auch bei der Ersten Hilfe für Schluckauf. Es gibt unzählige Methoden, die gegen Schluckauf helfen: Luftanhalten, sich erschrecken lassen oder Wasser in kurzen Schlückchen trinken. Kreative Lösungen gibt es auch: Zum Beispiel, sich erinnern, was man vor einer Woche zum Frühstück hatte oder gar an sieben Männer mit Glatze denken. Wie unterschiedlich diese Wege auch sein mögen, ist eines immer gleich – das Prinzip. Und zwar Ruhe durch Ablenkung! Bist du abgelenkt, beruhigt sich deine Atmung wieder und dein Zwerchfell entspannt sich. Die eine beste Lösung gibt es bei Schluckauf also gar nicht. Bedenke nur: Was auch immer du tust, es muss dich ablenken bzw. beruhigen und entspannen.

Nun ist also völlig klar, wie du Schluckauf möglichst im Voraus vermeiden kannst: langsam essen und trinken (vor allem kohlensäurehaltige Getränke). So dehnt sich der Magen langsam aus und das Zwerchfell bleibt entspannt. Schluckauf für immer adé!

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