…es werde Licht! Oder lieber nicht?

Am 16. Dezember 2020 veröffentlicht von Katrin Janke

Ob du es glaubst oder nicht: Das Licht spielt in unserem Leben eine Hauptrolle. Unser innerer Tagesrhythmus orientiert sich in erster Linie an Licht. Ob wir wach oder müde sind, entscheidet das Licht in unserer Umgebung. Kein Wunder also, dass wir an einem sonnigen Tag munter und voller Tatendrang sind, während trübes Regenwetter uns passiv macht.

In unserer Umgebung gibt es allerdings nicht nur Tageslicht. Seit der Erfindung der Glühbirne erobert das künstliche Licht den Alltag und macht die Nacht zum Tag.

Abends noch kurz etwas am Handy schauen, ist bei uns keine Seltenheit…

 

Kommen wir nun zu den verschiedenen Arten von Licht. Der Mensch ist in der Lage, nur ein bestimmtes Licht-Spektrum zu sehen. Licht ist elektro-magnetische Strahlung, die unterschiedliche Wellenlängen hat.

Das für uns sichtbare Licht hat eine Wellenlänge von 780-390 Nanometern (nm). Alles darüber hinaus können wir mit unseren Sinnesorganen nicht wahrnehmen. Darüber liegt das Infrarote Licht (IR-Licht): 30.000-780 nm. Darunter liegt die Ultraviolettstrahlung (UV-Licht): 390-10 nm. „Ultravio-lett“ bedeutet soviel wie „jenseits von Violett“. Denn die kürzesten Wellenlängen, die der Mensch sehen kann, sind die von der Farbe Violett (450-400 nm). UV-Strahlung wird je nach Eigenschaft und Wirkung in drei Gruppen aufgeteilt: UV(A) – 390-315 nm, UV(B) – 315-280 nm und UV(C) – 280-10 nm. Das kurzwellige UV(C) wird von der Ozonschicht in der Atmosphäre größtenteils absorbiert. Wer mehr über die Ozonschicht erfahren möchte, kann den Beitrag über FCKWs lesen. Das UV(B) wird zu 90 Prozent von der Atmosphäre und den Wolken absorbiert. Ein kleiner Teil gelangt bis zur Erdoberfläche und hat schädliche Auswirkungen auf den menschlichen Körper (Sonnenbrand, Bindehautentzündung oder sogar Hautkrebs). Daher cremen wir uns vor allem im Sommer gut ein und tragen eine Sonnenbrille mit UV-Filter. Das langwellige UV(A) gelangt zum größten Teil bis zur Erdoberfläche und sorgt für die Bräunung der Haut. Hier findest du das ganze Farbspektrum abgebildet. Soweit so gut. Wie sieht es nun mit dem Blaulicht aus?

Gefahr im Verzug?

Hochenergetisches sichtbares Blaulicht (High Energy Visible Light, kurz HEV-Licht), umgangssprachlich auch Bildschirmlicht oder Ultrablaulicht genannt, ist kurzwelliges energiereiches Licht (380-500 nm). Es findet Verwendung in Displays von Handys und PCs, Fernsehern, Raumbeleuchtung, Werbeanzeigen und Scheinwerfern. In diesen Geräten sind meistens lichtemittierende Dioden, kurz Lichtdioden oder LEDs, zur Aufhellung verbaut. Bisher schienen LEDs nur Vorteile zu haben: energieeffizient, haltbar und kompakt. Doch sie können einen hohen Anteil an blauem Licht aussenden. Was genau heißt das jetzt für uns?

Das Thema Blaulicht ist relativ neu. Bisher haben sich Forscher mit den akuten Folgen von HEV-Licht beschäftigt. Zu den langfristigen Auswirkungen gibt es bisher keine Studien und weitere Forschung ist notwendig. Blaulicht steht nämlich im Verdacht, sowohl auf die Augengesundheit als auch auf den Schlaf-Wach-Rhythmus eine negative Auswirkung zu haben.

 

 

 

 

 

Blaulicht ist oft auf Fotos gegen das Licht zu sehen. Links: natürliches Licht (Sonne), rechts: künstliches Licht (Handy-Taschenlampe).

Blaulicht soll…

…Schlafstörungen bewirken.

Zwar hat der menschliche Körper auch eine innere Uhr, doch richtet sich der sogenannte „circadiane Rhythmus“ (Schlaf-Wach-Rhythmus an einem Tag) in erster Linie nach dem (Blau-)Licht. In unseren Augen sind lichtempfindliche Photorezeptoren („Photo“ bedeutet übersetzt „Licht“). Diese werden auch Sehzellen genannt. Sie leiten das wahrgenommene Licht als Signal an den Körper weiter. Dadurch erkennt unser Körper, ob es Tag (hell) oder Nacht (dunkel) ist und reagiert mit entsprechenden Prozessen im Körper.

Studien zeigten: Je höher die abgestrahlten Blauanteile von einem Bildschirm sind (unabhängig von seiner Helligkeit), desto wacher bleibt man. Grund dafür ist die gehemmte Melatonin-Produktion. Dieses schlaffördernde Hormon wird vom Körper gegen Abend ausgeschüttet und macht müde. Kleinkinder und ältere Menschen können auf Blaulicht dabei empfindlicher reagieren als Erwachsene. Da ist noch höhere Vorsicht geboten.

Für guten Schlaf zählt abends nicht nur das (Blau-)Licht, sondern auch der Technik-Konsum an sich. Aufregende Filme oder langes Chatten machen schon aufgrund der Aktivität selbst wach und können ebenfalls guten Schlaf behindern.

Empfehlung: Abends und nachts so wenig am Handy / Laptop sein wie möglich. Und wer nicht einschlafen kann, sollte etwas lesen oder einen Spaziergang an der frischen Luft machen.

…Augenkrankheiten hervorrufen.

Wissenschaftler vermuten, dass HEV-Licht mikroskopisch kleine Verletzungen der Netzhaut hervorruft. Das Blaulicht soll dabei die sogenannte Photo-Oxidation beschleunigen, bei der freie Radikale entstehen. Diese freien Radikale sind meist sehr aggressive Sauerstoffmoleküle, die anderen Atomen oder Molekülen ein Elektron entreißen wollen und es somit auch zu einem instabilen freien Radikal machen. Eine negative Kettenreaktion ist die Folge. Freie Radikale erhöhen das Risiko für viele Krankheiten. Im Bezug auf das Auge ist es insbesondere Makuladegeneration – eine Krankheit, die zu starkem Sehverlust führt. Allerdings zeigten Studien auch, dass vor allem der Blaulichtanteil im Sonnenlicht das Risiko einer altersbedingten Makuladegeneration erhöht (neben weiteren Risikofaktoren wie Rauchen, Übergewicht etc.). Also immer eine Sonnenbrille tragen! Dennoch gibt es für das Bildschirmlicht keine Entwarnung.

Im Tageslicht umfasst das natürliche Lichtspektrum alle Regenbogenfarben inklusive Blau- und Infrarotlicht. Das menschliche Auge ist auf dieses Lichtspektrum eingestellt und besitzt eine Reihe von Abwehrmechanismen, die uns vor der schädlichen Wirkung des natürlichen Lichts schützen (unter anderem einen natürlichen Blaulichtfilter in Form von Karotinoiden). Ist es jedoch zu hell, gehört eine Sonnenbrille auf die Nase, weil die Superkräfte der Augen begrenzt sind. Doch wirken diese auch bei künstlichem Licht? Im Gegensatz zu Tageslicht ist Kunstlicht anders zusammengesetzt – und zwar in erster Linie aus Blaulicht. Experten vermuten, dass unsere Augen das Blaulicht in einem Bildschirm schwerer erkennen können und ihm somit schutzlos ausgeliefert sind. Des Weiteren fehlen unsren Bildschirmen die roten Lichtanteile, die anscheinend einen schützenden Effekt haben. Tatsächlich hat die Industrie auf die Blaulicht-Problematik bereits reagiert und bietet LED-Lampen an, die weniger Blaulicht- und mehr Rotlicht-Anteile enthalten. Denn in handelsüblichen LEDs sind letztere aufgrund von Energieersparnis fast nie drin.

Empfehlung: Ob am Tag oder am Abend solltest du bei stundenlanger Arbeit vor dem Bildschirm bewusst Pausen einbauen. Zum Beispiel könntest du den Blick in die Ferne schweifen lassen, blinzeln und die Augen kurz schließen. So verhinderst du trockene, juckende Augen.

 

 

 

 

 

 

 

Auf Handys gibt es nicht nur den Blaufilter, sondern auch einen Dunkel-Modus.

…für gute Laune und guten Schlaf sorgen.

Was? Ja! Blaulicht hat auch gute Seiten. Denn: Die Dosis macht das Gift. Genauso wie die Uhrzeit. Das gilt sowohl für das UV-Licht der Sonne als auch für Blaulicht aus LED-Lampen. Untersuchungen zeigten: Kaltweißes Licht mit vielen Blauanteilen hält am Tag wach, hellt die Stimmung auf und kann umgekehrt sogar zu besserem Tiefschlaf in der Nacht führen. Jedoch hat es auch am Abend die gleiche aufmunternde Wirkung. Besonders schädlich wirkt Blaulicht auf die Augen, wenn wir im Dunkeln auf den hellen Display schauen. Denn dann sind die Pupillen geweitet und ins Auge fällt mehr blaues Licht. Beim Fernsehen ist es weniger kritisch, da das Gerät vom Auge weiter entfernt ist und sich das Bild zudem ständig ändert. Die wesentlichen Risikofaktoren für eine photochemische Schädigung durch Blaulicht sind also die Intensität der Lichtquelle und der Abstand zum Auge. Einige Beispiele für besonders starke (und gefährliche) LED-Lichtquellen sind Scheinwerfer auf Konzertbühnen, LED-Beamer und die Scheinwerfer von Autos.

Empfehlung: Morgens und tagsüber bewusst Sonnenlicht tanken – eine gute Mischung aus Blau- und UV-Licht. Zu Hause am besten warmweiße LEDs verwenden, die geringere Blauanteile bzw. mehr Rotanteile haben. Zudem ist am Abend vor dem Display (egal welchem) eine weitere Lichtquelle ratsam, um die Augen zu schonen. Außerdem lohnt es sich, tagsüber den Blaufilter am PC und nachts den Dunkel-Modus am Handy einzuschalten. Eine Blaufilterbrille ist auch eine sinnvolle Option.

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