Die Würze des Lebens (Teil 2)

Am 26. Januar 2021 veröffentlicht von Katrin Janke

Gewürze sind ein essenzieller Teil unseres Lebens! Oder kannst du dir ein Essen ohne Gewürze vorstellen? Im ersten Teil hast du bereits etwas über die Geschichte von Gewürzen erfahren und einige Blattgewürze (Basilikum, Thymian, Lorbeerblätter) sowie Blüten- und Knospengewürze (Safran, Nelken, Kardamom) kennengelernt. Nun folgen die drei weiteren Arten von Gewürzen.

3) Frucht- und Samengewürze

Pfeffer
…ist nicht nur das Allround-Gewürz Nummer 1. Ob schwarzer, grüner, roter oder weißer Pfeffer – alle Arten stammen von derselben tropischen Kletterpflanze. Die unterschiedliche Farbe entsteht durch den unterschiedlichen Erntezeitpunkt der Beeren sowie die nachfolgende Verarbeitung. Pfeffer ist allerdings nicht nur zum Würzen gut. Die Wenigsten wissen, dass Pfeffer auch gesundheitsfördernde Eigenschaften hat. Zunächst kann er bei Halsschmerzen helfen: Dafür brauchst du nur ein Paar Pfefferkörner im Mund zu zerkauen und den heraustretenden Saft langsam zu schlucken. Beim Zerbeißen werden die Inhaltsstoffe Piperin und Caryophyllen freigesetzt. Ersteres wirkt antibakteriell, letzteres entzündungshemmend. Piperin – die Hauptsubstanz des (schwarzen) Pfeffers – ist auch für die Schärfe verantwortlich. Es senkt zudem hohen Blutdruck und regt den Fettstoffwechsel an, kurz – es hilft beim Abnehmen. Caryophyllen hingegen, das auch in Nelken, Rosmarin und Hopfen vorkommt, wird aufgrund seiner entzündungshemmenden Wirkung auch bei schweren Erkrankungen wie Arthritis, Blasenentzündungen oder Multipler Sklerose eingesetzt.

Chili
…hat schon viele zum Kochen gebracht. Die Schärfe von Chilischoten reicht von mild bis superfeurig und ist wie so vieles im Leben Geschmackssache. Ähnlich wie der Scharfmacher Piperin in Pfeffer wirkt das Capsaicin in Chili. Die Schärfe beider Stoffe stellen für unseren Körper einen Schmerzreiz dar. Die Folge: Der Körper schüttet vermehrt Endorphine (Glückshormone) aus und sorgt für eine bessere Durchblutung. Dies macht gute Laune, wärmt den Körper und lindert beispielsweise Muskel- und Kopfschmerzen. Zusätzlich kurbelt Chili den Stoffwechsel an und verbrennt so mehr Kalorien. Genau wie das Piperin ist auch das Capsaicin ein sehr wirksames Mittel gegen schädliche Bakterien und eines der stärksten Insektengifte überhaupt. Das ist bestimmt einer der Gründe, warum in der Dritten Welt so oft scharf gegessen wird. Die Liste der guten Merkmale ist jedoch noch nicht zu Ende: Chili ist reich an Vitamin A, B1, B2, B3 und E sowie an den essenziellen Mineralstoffen Eisen und Kalzium. Desweiteren schützt die scharfe Schote das Herz, indem es den Cholesterinspiegel regelt und durch seine Antioxidantien das Krebsrisiko senkt.

Vanille
…konkurriert mit Kardamom um den Titel „Königin der Gewürze“. Bei Vanille ist dieser allerdings in erster Linie auf das unverwechselbare Aroma zurückzuführen. Schon die Azteken veredelten ihren Kakao mit Vanille.

Die Gewürzvanille ist eine Orchideen-Pflanze und stammt ursprünglich aus Mexiko. Zunächst werden die Samenkapseln mit heißem Wasser oder Wasserdampf behandelt und anschließend in einem luftdichten Behälter fermentiert. Nach einigen Wochen entsteht in den Vanilleschoten das geschmackgebende Vanillin. Genau wie beim Safran ist der Prozess der Vanille-Gewinnung sehr lang und aufwendig – daher ist es auch das zweitteuerste Gewürz der Welt. Um den Bedarf an Vanille zu decken, werden daher jedes Jahr über 10.000 Tonnen künstliches Vanillin produziert.
Der Hauptaromastoff Vanillin versüßt nicht nur deine Speise, sondern auch deine Laune und deine Gesundheit. Vanillin soll einerseits stimmungsaufhellend, andererseits beruhigend wirken. Häufig findet es auch in Parfüms und Kosmetika Anwendung, da das Vanillin den Sexuallockstoffen des Menschen (Pheromonen) chemisch sehr ähnlich ist. Ein wahres Aphrodisiakum also! Vanilleschoten wirken äußerlich aufgetragen antiseptisch und entzündungshemmend – sie unterstützen also die Haut bei Ausschlägen und Wundheilung. Zusätzlich kann Vanille bei Verdauungsproblemen angewandt werden, da es die Gallenproduktion anregt. Wer eine fettige Pizza isst, sollte das Dessert also mit Vanillin zubereiten.

Rindengewürze wie Moringa oder Oleifeira sind im Gegensatz zu Zimt eher unbekannt.

 

4) Rindengewürze

Zimt
Das bekannteste und dominierende Rindengewürz in der Küche ist Zimt. Wie die Zuordnung es schon sagt – Zimt ist die Rinde eines tropischen Baumes. Nach einer langen Regenperiode wird die Rinde gesammelt und getrocknet. Es werden die Sorten Cassia und Ceylon unterschieden. Cassia stammt aus China, riecht intensiver und ist wegen der geringeren Qualität günstiger. Ceylon hingegen kommt aus Sri Lanka, riecht aromatischer und ist von edler Beschaffenheit, daher auch teurer. Vor allem in Cassia-Zimt ist ein hoher Anteil an dem aromatischen Bestandteil Curamin. In zu großen Mengen hat Curamin auf den menschlichen Körper eine giftige Wirkung. Besonders Schwangere und Kinder sollte Vorsicht walten lassen. Grundsätzlich hat Zimt jedoch viele Eigenschaften, die unsere Gesundheit fördern: es reguliert den Blutzucker- und Cholesterinspiegel, hilft dem Darm und lindert Erkältungssymptome. Genau wie Nelken enthält Zimt einen hohen Anteil an Eugenol, welches unser Immunsystem stärkt und vor vielen Krankheiten schützt.

5) Wurzel- und Zwiebelgewürze

Kurkuma
…glänzt nicht nur mit ihrer Färbekraft. Die Kurkuma wird auch Gelber Ingwer oder Gelbwurz genannt. Sie gehört zu den Ingwergewächsen und bildet wie Kardamom und Ingwer Erdsprossen (Rhizome). Ihre Färbung verdankt Kurkuma dem gelben Farbstoff Curcumin und genau dieses soll für viele ihrer gesundheitsfördernden Eigenschaften verantwortlich sein. Es soll nämlich Krebs vorbeugen und bei Depressionen helfen. Kurkuma hat auch verdauungsfördernde und entzündungshemmende Attribute, weshalb sie bei Arthrosen, Rheuma und Entzündungen im Magen-Darm-Trank Linderung verschafft. Außerdem enthält der Gelbwurz Vitamin C, Eisen, Natrium und Magnesium. Auch bei Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes, zur Behandlung von Alzheimer und zur Vorbeugung von Herzinfarkten hat der Gelbe Ingwer bereits Wirkung gezeigt. Die Wissenschaft forscht noch weiter an dieser Wunderknolle. Lediglich Schwangere und Menschen mit Erkrankungen an der Gallenblase sollen mit Kurkuma vorsichtig sein, weil dazu noch nicht genug Untersuchungen vorliegen. Ansonsten bleibt es spannend, welche positive Eigenschaft Wissenschaftler an Kurkuma als nächstes entdecken.

Ingwer
…tut nicht nur bei Erkältung und Grippe gut. Ingwer ist wohl das bekannteste Ingwergewächs. Wer erkältet ist, trinkt einen Ingwertee. Doch die Knolle ist noch zu mehr gut. Der ätherische Inhaltsstoff Gingerol wirkt antioxidativ und entzündungshemmend. Deswegen ist Ingwer bei rheumatischen Gelenkbeschwerden wie Arthrose und Arthritis hilfreich. Auch die Verdauung kurbelt das Ingwer-Rhizom an, indem es die Magensaft-, Speichel- und Gallensaftbildung ankurbelt. Außerdem enthält die Ingwerknolle viel Vitamin C sowie Magnesium, Eisen, Kalzium, Kalium, Natrium und Phosphor. Wer durch Obst und Gemüse mal nicht genug Mineralstoffe zu sich genommen hat oder eine Diät macht, sollte auf jeden Fall zu Ingwer greifen.

Ingwer gehört zudem auf jeder längeren Reise ins Gepäck. Warum? Weil es sowohl bei Übelkeit als auch bei Erbrechen hilft. Beim Thema Schwangerschaft scheiden sich allerdings die Geister. Einerseits hilft Ingwer bei Übelkeit, andererseits kann seine durchblutungsfördernde Wirkung frühzeitig Wehen auslösen. Die traditionelle chinesische Medizin sieht darin kein Problem. Wer jedoch auf Nummer sicher gehen will, sollte sich in der späteren Schwangerschaft von Ingwer enthalten.

Oft denken wir bei Gewürzmischungen an Gewürze für Weihnachtsgebäck.

 

…und Curry?
Der Definition nach ist Curry kein Gewürz, sondern eine Gewürzmischung aus vielen verschiedenen Komponenten. In Indien hat jede Familie ein streng gehütetes Geheimrezept für das „richtige Mischverhältnis“. Bekannt sind allerdings die Zutaten, die den größten Teil von Currygewürz ausmachen: Kurkuma, Chili, Pfeffer, Kardamom, Koriander, Kreuzkümmel, Nelke, Ingwer, Zimt, Bockshornklee, Senfkörner und Muskat… Da Curry eine Mischung vieler Gewürze ist, vereint es in sich auch die ganzen positiven Eigenschaften.
Was du als nächstes kochen solltest? Na, ein Currygericht!

Tipp: Gewürze solltest du stets dunkel und trocken lagern, am besten in einem luftdichten Behälter. Unzerstoßene Gewürze, wie zum Beispiel Lorbeerblätter, werden dem Gericht zu Beginn zugefügt, da sie in der Flüssigkeit ziehen müssen. Gemahlene und zerstoßene Gewürze sollten hingegen erst kurz vor der Fertigstellung unter das Gericht gemischt werden. Ansonsten bewirkt die Hitzeeinwirkung, dass die ätherischen Öle schnell verfliegen.

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